Zum Töffli eine emotionale Bindung

TAGBLATT/RES LERCH

Carlo Bonetti ist ein leidenschaftlicher Bastler und Sammler – und ein Töffli-Verrückter. Am Samstag organisiert er das dritte Töffli-Buebä-Treffen in Rorschach. Nach zwei Durchführungen auf dem idyllischen Lindenplatz musste sich Bonetti nach einem neuen Ort umsehen. «Ich werde von Anfragen überrannt und gehe einmal davon aus, dass mehr als 200 Töffli am Samstag auftauchen werden. Für diese Menge hat es auf dem Lindenplatz viel zu wenig Platz, deshalb muss ich auf den Kabisplatz ausweichen», sagt ein sichtlich glücklicher Bonetti. Ihn freut, wie rasant das Töffli-Buebä-Treffen gewachsen ist. «2014 waren es bei der Startveranstaltung rund 70 Töffli, das Jahr später haben wir rund 140 Töffli gezählt – und jetzt übertreffen wir die 200er-Marke.»

Mit diesen alten Töffli sind immer viele Emotionen verbunden. Da zählen für einmal nicht die PS oder der Hubraum. Es sind die alten Geschichten, die diese emotionalen Bindungen so spannend machen. Und auch Bonetti kann sich gut an «sein» erstes Töffli erinnern. «Das war eigentlich das Heiligtum meines Vaters, doch 1960 durfte ich es erstmals benutzen. Der Grund war, dass ich an der Ostschweizer Schwimmmeisterschaft in Frauenfeld mitmachte. Weil ich als einziger des Vereins den 1500er bestritt, musste ich die Reise selber organisieren. Da kein Geld für eine Übernachtung vorhanden war, mussten wir schauen, wie das gelöst werden kann. Ich bestieg also am besagten Samstagnachmittag den Peugeot, fuhr zweieinhalb Stunden nach Frauenfeld, belegte über 1500 Meter Crawl den 2. Rang und fuhr mit dem Töffli wieder heim», erinnert er sich.

Vor etwa vier Jahren besuchte Bonetti eine Oldtimermesse in St. Gallen. Da war ein Töffli «Rico» der Fahrradfabrik Wallisellen ausgestellt, das Modell «Paloma». Das Töffli-Fieber hat Carlo Bonetti gepackt. «Ich wollte dieses Töffli unbedingt haben, hatte aber zu wenig Geld bei mir. Ich versicherte dem Verkäufer, dass ich den <Rico> auf jeden Fall am nächsten Tag kaufen werde.» Gesagt, und dann dies. «Der Verkäufer eröffnete mir am Tag danach, dass jemand mehr geboten habe, und das Töffli weg sei.» Langer Rede kurzer Sinn: «Jemand» war seine Partnerin Esther Boppart, die sich mit dem Verkäufer einen kleinen Jux erlaubte.

Mittlerweile ist der «Rico» nicht mehr allein. Mit einem «103er-Peugeot» und einem «Sax Herkules» hat Bonetti seinen Töffli-Park kontinuierlich ausgebaut und freut sich auf die grosse Fachsimpelei am Samstag. «Tips und Hinweise, wie was zu reparieren ist und wo man noch Ersatzteile bekommt, werden genau so wichtige Gesprächselemente sein wie die Geschichten rund um Töffli selber», freut sich Bonetti. Und er hofft auf Hinweise, wo er den Luftfilterdeckel seines «Rico» finden könnte. Zum Abschluss am Samstag sehnt er sich auf die grosse Töffli-Parade durch Rorschach. «Vom Kabisplatz auf die Hauptstrasse, dann die Mariabergstrasse hoch bis zur Kirchstrasse und dann bis zum Landhauskreisel – und das mit gut 200 Töffli. Ich freue mich wie ein kleiner Bub auf die Geräuschkulisse in Rorschachs Gassen. Dann fahren wir über Goldach und Obersteinach nach Horn zum Fest», sagt er und widmet sich weiter den Vorbereitungsarbeiten. «Das muss gut organisiert sein.»

Posted in: