Wirbel um das Dorfzentrum

Im Sommergespräch wünscht sich Tübachs Gemeindepräsident Michael Götte, dass die Herausforderungen im Dorf gemeinsam angegangen werden. Hinter seine Kandidatur für einen Sitz im Regierungsrat setzt er ein Fragezeichen.

Rudolf Hirtl/Tagblatt

Michael Götte runzelt für einen Moment die Stirn. Die erste Frage, ob er denn mit seinen noch jungen 36 Jahren bereits ein Sesselkleber sei, hat er nicht kommen sehen. «Nein. Ich bin nach wie vor einer der amtsjüngsten Gemeindepräsidenten im Wahlkreis Rorschach», sagt er lachend und erinnert an seine Wahl in den Kantonsrat mit erst 22 Jahren, die Übernahme des Gemeindepräsidiums mit 25 Jahren, sowie an seine Funktion als SVP-Fraktionschef, seine Weiterbildung im Beruf und den vergeblichen Anlauf in den Regierungsrat mit 32 Jahren. «Es stimmt schon» räumt Götte ein, «bis zu meinem 30. Geburtstag waren es die Leute gewohnt, dass mit mir im Halbjahresrhythmus etwas geht. Dadurch hat sich eine gewisse Erwartungshaltung aufgebaut.»

Kandidatur ist fraglich

Ob er die Erwartungen erfüllt und sich tatsächlich erneut als Kandidat für die Regierungswahlen im Herbst 2016 zur Verfügung stellt, dahinter setzt er noch ein dickes Fragezeichen. Auch wenn er sein Interesse bereits öffentlich gemacht hat (Tagblatt vom 20. Juni) und er von einer sehr spannenden und reizvollen Aufgabe spricht, so macht er sich als Vater von drei noch nicht schulpflichtigen Kindern auch Gedanken. Nämlich darüber, ob es für ihn denn momentan der richtige Zeitpunkt wäre, ein derart verantwortungsvolles Amt anzustreben. «Obwohl mich meine Familie unterstützen würde, kann ich mir vorstellen diesmal auf einen derart aufwendigen Wahlkampf zu verzichten», räumt Götte ein.

Als Familienvater, er ist seit 2011 mit seiner Frau Andrea verheiratet, haben sich nicht nur seine Prioritäten verändert. Auch seine persönlichen Ansichten hat er revidiert. Habe er vor zehn Jahren noch die Meinung vertreten, dass die Kinderbetreuung für erwerbstätige Mütter nicht die Aufgabe der Allgemeinheit sein könne, so sei eine derartige Betreuung seiner heutigen Auffassung nach nicht mehr wegzudenken. «Es ist völlig falsch, wenn die Erziehung der Kinder dem Staat übergeben wird. Es ist aber ebenso falsch, bestens ausgebildete Frauen bei der Rückkehr in den Beruf nicht zu unterstützen.» Je nach finanzieller Situation seien solche Leistungen des Staates aber selbstverständlich abzugelten.

Kita-Modell bald präsentieren

Wie und wo Tübach seine eigene Kinderbetreuung realisiere, sei noch offen. Die Gespräche der Gemeinden Steinach, Horn und Tübach für ein gemeinsames Kindertagesstättenmodell seien aber schon fortgeschritten und er hoffe, das Projekt bald präsentieren zu können. Aktuell ist Tübach noch Partnergemeinde der Chindertagesstätte Steinach. Freuen können sich Eltern und Kinder hingegen bereits am neuen Schulhaus, dass im Juni dieses Jahres eingeweiht wurde. Heute hat die 1340-Seelen-Gemeinde ein Vermögen pro Kopf von circa 1500 Franken. «Dies ist in Anbetracht, dass wir mit dem Schulhaus grosse Investitionen tätigten, immer noch ein sehr anschauliches Resultat», sagt Götte, der Tübach nach wie vor sanft weiterentwickeln möchte.

Gesprächskultur verbessern

Dazu beitragen soll auch die Überbauung Zentrumswiese, die private Landeigentümer realisieren möchten. Einsprachen wurden vom Gemeinderat abgelehnt und werden vermutlich vom Kanton behandelt. Laut Götte ein normaler, demokratischer Prozess. Weniger Verständnis hat er für das Statement der Katholischen Kirchgemeinde, deren Präsident Marko Muzek sich im Tagblatt (24. Juli) zitieren liess und klar machte, wo seiner Meinung nach ein Weg zur Zentrumswiese auf dem Boden der Kirchgemeinde durchführen müsste, anstatt dies im Gespräch mit dem Rat zu tun. Bedauerlich sei auch, wenn der Kirchgemeindepräsident über die Medien verlauten lasse, dass der Gemeinderat nicht im Sinne der Bevölkerung handle, obwohl sich dieser an den gesetzlichen Vorgaben orientiere. «Ich würde sehr gerne visionär und in direkten Gesprächen mit der Kirche zusammenarbeiten, statt auf solche Art und Weise zu kommunizieren.» Wenn alles stehe, so der Gemeindepräsident, werde die Mehrheit dem Rat recht geben, dass die Zentrumswiese ein für Tübach passendes Projekt sei, davon sei er überzeugt. Angst haben muss laut Götte niemand, dass die Überbauung Zentrumswiese die Tübacher Infrastruktur sprengt. «Die Bevölkerungszahl ist im ersten Halbjahr 2015 um mehr als ein Dutzend Einwohner zurückgegangen. Obwohl in den vergangenen Monaten zahlreiche Neubauten entstanden sind.»

Keine Kandidaten gefunden

Wer mit dem öV unterwegs ist, findet in Tübach gute und schnelle Anschlüsse nach St. Gallen und Steinach. Weniger gut sieht es seit Anfang 2014 in Richtung Rorschach aus, denn die Linie parallel zum See fehlt. «Wir haben unser Anliegen beim Kanton deponiert und hoffen doch sehr, dass auf das öV-Programm 2018 hin wieder eine Lösung gefunden wird.»

Eine Lösung finden muss Tübach auch, was die Besetzung des Schulpräsidiums angeht. Noch immer ist offen, ob sich überhaupt jemand für René Latzers Nachfolge zur Verfügung stellt. Die Gemeinde machte in ihrem Mitteilungsblatt wiederholt auf die Vakanz ab Januar 2016 aufmerksam, zuletzt mit dem Aufruf an die Bevölkerung, doch mitzuhelfen. Aktuell sei zwar eine Frau als Kandidatin im Gespräch; konkret sei aber noch nichts. Dass Kandidaten für das Amt dünn gesät sind, kann nach Einschätzung von Michael Götte damit zusammenhängen, dass der Schulpräsident auch Mitglied des Gemeinderates sei, was zusätzliche Verantwortung mit sich bringe. «Auch in Tübach ist es nicht einfach, Menschen zu finden, die sich für kommunale Aufgaben engagieren. Umso dankbarer bin ich jenen Leuten, die sich bereits ohne Eigennutz in irgendeiner Form für die Gemeinde einbringen.»

Eingebracht wird im Mai des kommenden Jahres in Tübach auch Sägemehl. Dann wird nämlich erstmals ein Schwingfest mit Nachwuchs- und Elitesportlern im Dorf stattfinden. Guten Mutes ist der Gemeindepräsident, dass kommendes Jahr wieder ein Konzert auf der Kellen stattfinden wird.

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