Wenn Bilder fesseln

PORTRÄT ⋅ Walter Büchler, Hobbyfotograf der Gemeinde Tübach, erzählt von seinem Weg zur Fotografie, weshalb er oft dasselbe Motive mehrmals fotografiert und wie ihn die Lichtbildkunst bis zum heutigen Tag glücklich macht.

TAGBLATT/Christina Vaccaro

Er ist Fotograf aus Leidenschaft: Walter Büchler, ehemaliger Schulleiter der Primarschule Tübach und begeisterter Hobbyfotograf. Der Terminus «Hobbyfotograf» heisst an dieser Stelle keinesfalls, dass Büchler ein Amateur ist. Der «Tübacher Dorffotograf» hat nicht nur einen Kurs bei Hansjörg Hinrichs, einem relativ bekannten Appenzeller Fotografen, absolviert, sondern auch selbst Kurse in Puncto Bildbearbeitung an Hochschulen und in Weiterbildungszentren gegeben. Mit seinen Fotos hat er bereits gleich mehrere Wettbewerbe gewonnen.

«Ich fotografiere seit 45 Jahren und habe immer noch Freude daran», erklärt Büchler. «Den Impuls zur Fotografie habe ich von meinem Vater bekommen. Der Wochenkurs im alten Berghotel Säntis bei Hinrichs hat mir einen Sprung ermöglicht. Doch das meiste habe ich mir selbst beigebracht – learning by doing.»

Die Kamera seines Vaters borgte er sich bereits im Jugendalter aus und hegte früh den Wunsch, sich mit dem ersten eigenen Geld auch eine eigene Ausrüstung anzuschaffen. Dieser Wunsch ging bald in Erfüllung, als der gebürtige Flawiler nach seiner Lehrerausbildung 1972 zu unterrichten begann: «Mit den ersten zwei, drei Löhnen habe ich mir eine Spiegelreflexausrüstung gekauft», erinnert sich Büchler.

Dreh zur Technik ist ihm geblieben

Ursprünglich wollte Büchler, der bis zum heutigen Tag lieber technische Handbücher als Romane liest, Physik und Mathematik studieren. «Zuvor wollte ich aber noch zwei Jahre unterrichten, um etwas Geld zu verdienen und mir das Studium zu finanzieren. Letztendlich hat mir die Arbeit mit Kindern aber so viel Freude bereitet, dass ich 35 Jahre geblieben bin», sagt der ehemalige Klassenlehrer schmunzelnd. Die letzten neun Jahre dieser Zeit führte er zudem als Schulleiter die Schule und den Kindergarten Tübach. Seine Affinität zur Technik hat er dabei nie verloren und im Jahr 2002 als erste Lehrkraft in der Schweiz die elektronische Wandtafel im Unterricht eingeführt.

Es war diese Tafel, die Büchler fünf Jahre später schliesslich dazu veranlasste, seinen Primarlehrerberuf niederzulegen und sich ein zweites Standbein aufzubauen: Als Freelancer arbeitete er für die Firma Mobil Werke AG, in der er hauptsächlich Schulungen für interaktive Lerntechnologien durchführte. Ein Jahr später legte er auch das Schulleiteramt nieder und widmete sich ganz der Technik. Heute steht Büchler im letzten Monat vor seiner Pensionierung.

Ein Fotograf ruht nie

«Zunächst werde ich einfach einmal mein Dasein als Rentner geniessen», kommentiert er die bevorstehende Veränderung. «Meine Frau ist ebenfalls pensioniert und ich freue mich darauf, mehr gemeinsam unternehmen zu können. Die Fotografie werde ich aber immer beibehalten.»

Für die Gemeinde Tübach ist Büchler seit rund 30 Jahren im Einsatz. Ob Gemeindefeier, Neueröffnung, Baudokumentation, historische oder neuzeitliche Architektur, Büchler ist mit seiner Vollformatkamera mit Festbrennweite zur Stelle und knipst im passenden Moment ab. Am spektakulärsten sind sicherlich die Luftaufnahmen, die Büchler zuweilen vom Helikopter aus auf Tübach macht, um die grossräumigen Veränderungen im Dorf nachzuverfolgen.

«Inzwischen habe ich mich auf Streetphotography spezialisiert. Ich mache Schnappschüsse auf der Strasse. Bei Personenbildern ist die fotografierte Person niemals zufrieden. Aber Häuser haben sich noch nie über meine Bilder beschwert», sagt Büchler und lacht.

Was ein gutes Foto macht

Für Büchler zählen drei Kriterien, die ein Foto erfüllen muss, damit es gut ist: «Zuerst einmal sind da die technischen Begebenheiten – Helligkeit, Fokus, etc. müssen passen. Das ist Voraussetzung. Dann muss das Hauptobjekt einfach ins Auge springen. Ein Fotograf sagte das einmal so: Wenn das Foto technisch gut, aber dennoch nicht gut ist, warst du zu wenig nah dran. Es muss das Format füllen. Und zuletzt muss das Bild einfach fesseln. Oft passt alles, aber es fehlt zum Beispiel das richtige Licht. Ich fotografiere oft dasselbe Motiv während mehrerer Tageszeiten. Es kann sein, dass ich an einem Morgen 15 Mal an den selben Ort gehe, um ein Foto zu machen», lässt Büchler in seine Arbeitsweise einblicken.

Wichtiger als das spätere Betrachten der Fotos ist dem bald Pensionierten aber der Weg zum Bild selbst. Für sein Lieblingsfoto, ein Landschaftsbild von der Säntisspitze aus gen Westen, stand er 6,5 Stunden am Säntis und hätte fast die letzte Bahnfahrt verpasst. «Es war November und hatte Minustemperaturen. Doch die ganze Zeit während des Fotografierens hatte ich das Gefühl, alle paar Minuten ändere sich das Licht. So bin ich bis zwei Minuten vor Betriebsschluss geblieben und musste fast dort oben übernachten.»

Gerade deshalb gefalle ihm das Bild so sehr: Wegen der vielen Stunden, die er geduldig und kältetolerant an der Säntisspitze gestanden hatte. Das falle ihm immer ein, wenn er es betrachte. «Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort», sagt der Fotograf zufrieden.