«Vorzüglich» oder «fragwürdig»?

Das Konzept für das grösste Bauvorhaben in Tübach – Wohnhäuser und öffentliche Räume auf der Zentrumswiese – ist dem Dorf angepasst, lässt sich aber nur mit Flachdächern verwirklichen. Gegen solche kämpfen Einwohner weiterhin.

TAGBLATT

Die Bürger zonten die Zentrumswiese in die Bauzone W3 für Häuser mit drei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss ein. Weiter können bei diesem privaten Grundstück nur noch Behörden und Anstösser Einfluss nehmen. Angesichts der Dimension für das Dorf streben Annette und Thomas Aepli trotzdem Mitwirkung der Einwohner an. In einer von ihnen lancierten Umfrage sprachen sich von den 160 Teilnehmern rund 90 Prozent gegen Flachdächer im Ortskern aus. Weil Eigentümer und Gemeinderat für den Gestaltungsplan trotzdem das Projekt mit Flachdachhäusern übernahmen, organisierten Aeplis jetzt eine Sammeleinsprache (Tagblatt von gestern Mittwoch).

Dem Dorf angepasst

Die Gemeinde verlangt für die Zentrumswiese einen Gestaltungsplan. Damit kann die Behörde bei Bauform, Nutzung und Umgebung mitbestimmen. Die Eigentümer holten Vorschläge ein in einem Wettbewerb. Diesen gewann das Architekturbüro Senn. Sein Projekt wird von Jury, Gemeinderat und kantonalen Stellen sehr positiv bewertet.

Architekt Andy Senn aus dem Nachbardorf Mörschwil übernahm Elemente, die Tübach prägen: Plätze mit Einrichtungen für die Einwohner, Grün um die Häuser, dreigeschossige Wohnbauten und höhere öffentliche Gebäude, überall öffentliche Wege. Im grössten Haus an einem zusätzlichen Dorfplatz sind Räume für Dienstleistungen reserviert. Zwischen den Häusern bleibt Platz für Grün und Wege. Für Fahrzeuge ist eine Tiefgarage mit mehr Platz als vorgeschrieben geplant, damit nicht noch mehr Autos im Dorf stehen.

Nach diesem Konzept lässt sich aber das auf der Zentrumswiese erlaubte – und von der Gemeinde für sparsamen Umgang mit Bauland gewünschte – Volumen nur mit Flachdächern verwirklichen: wenn auch das oberste Geschoss (gegen bestehende Wohnhäuser das dritte, gegen öffentliche Gebäude das vierte) voll ausgebaut wird. Fachleute werten das Konzept als «vorzüglich», auch die Einfügung ins Ortsbild.

Unterschiedliche Beurteilung

Für Aeplis und sind Flachdächer im Ortskern «fraglich». Der Gemeinderat kann Einsprachen abweisen – wonach Einsprecher die Auseinandersetzung beim Kanton und an Gerichten fortsetzen könnten – oder einen neuen Gestaltungsplan erarbeiten lassen. Mit anderer Dachform und trotzdem nicht höher bauen würde bedeuten: mehr Häuser, weniger öffentliche Räume, weniger Grün, kein weiterer Dorfplatz. Weil die Eigentümer nach Vorgaben der Gemeinde und in Absprache mit der Behörde vorgingen, würde sich bei Verzicht auf den Gestaltungsplan auch eine finanzielle Frage stellen: die Entschädigung der bisher aufgelaufenen Kosten und der Verzögerung.

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