Tübacher trainiert Superstars

Als Siebenjähriger spielte der Tübacher Roger Stilz für den FC Goldach. Nun absolviert er die höchste Trainerausbildung in Deutschland. Über seine Erfahrungen in der hektischen Welt der Bundesliga berichtete er auf der Kellen.

TAGBLATT / Christoph Renn

Auf den Strassen der Hansestadt Hamburg wird er erkannt, in Cafés von Fremden angesprochen. Seit seinem Jahr als Co-Trainer beim HSV Hamburg – unter nicht weniger als drei verschiedenen Cheftrainern – kennt man den Namen des gebürtigen Tübachers Roger Stilz in der gesamten Bundesliga. Nach dem vorzeitigen Ende seines Engagements beim 1. FC Nürnberg – ebenfalls als Co-Trainer – nutzt er die Zwangspause, um die ohnehin angestrebte höchste Trainerlizenz beim Deutschen Fussball-Bund (DFB), den zehnmonatigen Fussballlehrerlehrgang bei Köln, zu erwerben. Wo sein Weg danach – die Endprüfungen finden im März statt– hinführen wird, kann Stilz nicht sagen. Zu sagen hatte er aber viel am Dienstagabend im Restaurant Kellen: Vor knapp 50 Personen berichtete er aus dem Leben eines Bundesligatrainers und stand den Zuhörern Red und Antwort.

Die Fans sind sehr nahe

Begonnen hat seine Fussballkarriere beim FC Goldach. Nach einigen Stationen in der Schweizer NLB und dem Abschluss des Lehrerseminars in Rorschach zog es Stilz nach Hamburg. Nachdem er dort den Master in Germanistik und Geschichte abgeschlossen hatte, begann 2007 seine Trainerkarriere beim SC Victoria Hamburg. Der heute 38jährige Familienvater koordinierte über sechs Jahre die Jugendabteilung mit 34 Teams, war zudem Spielertrainer der Regionalligamannschaft.

2013 folgte dann der grosse Schritt in die Bundesliga, als er den Vertrag als Co-Trainer beim Hamburger Sport-Verein (HSV) unter Thorsten Fink unterschrieb. In der Bundesligazeit wurde ihm bewusst, dass ein Trainer verschiedene Tonlagen draufhaben muss: Laute Ansprachen und ruhigere Töne im Wechsel können zum Ziel führen. Oder dass in Deutschland jeder kleinste Ausrutscher der Spieler oder des Trainer-Staffs in den Medien breit diskutiert werde. Deshalb sei der richtige Umgang mit ihnen umso wichtiger. «Ein Trainer muss lernen, zu wissen, wann es gut ist, ausführlich zu antworten oder eben auch wenig bis nichts zu sagen», sagt Stilz.

Aber auch der passende Umgang mit den Fans will gelernt sein. «In der Bundesliga sind die Anhänger sehr nahe an der Mannschaft dran», sagt Stilz. Während einer Trainingswoche verfolgten beispielsweise Tausende Fans die Trainingseinheiten. «Manchmal wäre es aber einfacher, in Ruhe mit den Spielern zu arbeiten.» Da müsse man den richtigen Weg finden. Denn die Fans können einen enorm positive Wirkung auf die Mannschaft haben. «Als knapp 40 000 Fans unser erstes Spiel nach dem Abstieg mit Nürnberg besuchten, gewannen wir mit 1:0; sicherlich auch dank der Anhänger.»

FC St. Gallen ist Heimat

Nach seinem Referat im Restaurant Kellen durften die Zuhörer Fragen stellen. Ob er denn als Nobody eine Chance sehe, war eine: «Natürlich, sonst würde ich die jetzige Ausbildung nicht machen. Zudem bin ich nach meiner Zeit als Co-Trainer in der Bundesliga kein unbeschriebenes Blatt mehr», betont Stilz. Auch die Frage, ob er einmal den FC. St. Gallen trainieren wird, interessierte die Besucher: «Natürlich ist meine Heimat für mich immer ein Thema. Und der FC St. Gallen ist Heimat.»

Nach der Fragerunde schauten alle gemeinsam das Testspiel der Schweizer Nationalmannschaft. Und Roger Stilz schien sich unter seinen vielen Wegbegleiter wohl zu fühlen. «Ich koste die Zeit hier immer aus. Ich besuche meine Familie und alte Freunde.» Und er tanke Energie bei seinen Wurzeln, da, wo er herkommt, und geniesse die Ruhe am See.

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