Tübach und sein Ort der Beständigkeit

«Wenn ich von einer Reise zurückkomme und das Kloster sehe, so fühle ich mich daheim.» So, wie es der Historiker Johannes Huber während der Führung sagt, geht es vielen Bewohnern des Dorfes. Doch ein grosser Teil der Bevölkerung kennt nur das Äusseres des Baus.
Beziehung intensivieren
Die Kulturkommission, welche Theater und Musik ins Dorf bringt und die Bevölkerung auch etwa nach auswärts führt, will die Verbindung zum Wahrzeichen des Dorfes intensivieren. Sie lädt zum Brunch beim Kloster ein. 240 Personen nutzen die Gelegenheit. Die Zahl der Sitzplätze in der Kirche wird erweitert, so dass all jene Menschen Platz finden, die schon den Gottesdienst zusammen mit den Schwestern feiern wollen. Es lohnt sich: Ruth Falk spielt die Orgel, Mariana Holenstein das Cello und Pater Jean-Marc Stoop denkt über die Gottes-Begegnung des Mose nach. Er ist auf den Berg gestiegen, um sich von Gott beschenken zu lassen und, durch diese Offenbarung geprägt, weiterzuschenken. Die letzten Töne der Messe sind verklungen, und schon beginnt Johannes Huber die erste Gruppe durch das Kloster zu führen.
Vom Tobel auf den Hügel
Die Geschichte dieses Ortes der Beständigkeit begann vor acht Jahrhunderten. Einfache Wald-Schwestern führten im Steinachtobel ein bescheidenes Leben, beteten, unterhielten die Wege und lebten von Almosen der Passanten, die sich von ihnen verköstigen, seelsorgerlich beraten liessen. Nach der Reformationszeit nutzten die Fürstäbte die Dienste der Schwestern, um der Kirche verlorengegangene Schafe zurückzubringen. So wurden aus den Waldhäusern Kapuzinerinnen-Klöster. Eines stand in Rorschach und wurde nach Tübach verlegt, weil es den Schwestern nahe des Bahnhofs zu laut geworden war. Der bekannte Kirchenmaler August Hardegger hatte eine gute Hand, als er die Kirche mit der eher herben Malerei der Kunstschule von Beuron mit ihrer starken Ausstrahlung gestaltete. In den besten Zeiten lebten, beteten hier vierzig Schwestern und hielten ewige Anbetung. Heute sind es noch deren acht. Sie erlauben an diesem Sonntag den Rundgang durch den Kreuzgang mit wertvollen Bildern, in den durch Rosen geprägten Innenhof und den Kapitelsaal, die alle zur Klausur gehören, die den Schwestern reservierten Räumen.
Der Hof und seine Produkte
Zum Kloster gehört auch der Bio-Bauernhof. Die Pächtersleute Rita und Niklaus Stadelmann betreiben sowohl Milch- als Obstlandwirtschaft, halten 24 Stück Vieh, ein paar Schweine, Schafe, Hühner und Kaninchen. Der Rundgang durch diesen Hof hinterlässt einen ausgezeichneten Eindruck. Viele Produkte vom Hof werden neben anderen an diesem Sonntag beim von Familie Stadelmann und ihren Helferinnen tadellos organisierten Brunch angeboten, während die Sänger des Männerchors Tübach und die Bläser der Alphorngruppe Bodensee für harmonische Genüsse fürs Ohr sorgen.