Tübach setzt auf Graustrom und Sonne

Wer seit Jahresanfang in Tübach den günstigsten Stromtarif wählt, kann keine Rückschlüsse mehr auf dessen Zusammensetzung und Herkunft ziehen. Was beim «mixstrom» genau deklariert worden ist, bleibt beim Graustrom künftig offen.

TAGBLATT

Wenn Tübachs Bürger den Lichtschalter betätigen, stammt der Strom mehrheitlich aus Wasserkraft. 78 Prozent der gesamten von Tübach eingekauften Strommenge wird so produziert. 2,6 Prozent des Stroms werden mit Photovoltaik, Wind oder Biomasse hergestellt, wie im aktuellen Gemeindeblatt ersichtlich wird. Rund 16 Prozent ist der Anteil an Kernenergie.

Aus «mixstrom» wird Graustrom

Undurchsichtig ist für einzelne Haushalte indes die Stromzusammensetzung. Seit Anfang 2013 liefert die Elektrizitätsversorgung Tübach standardmässig Naturstrom «naturemade basic». Dieser stammt aus Anlagen, die Elektrizität aus erneuerbaren Energien gewinnen. Die nötigen Herkunftsnachweise (HKN) beschafft die Elektra von der Energieplattform AG. Wer das günstigste Produkt wählte (rund 20 Prozent der Tübacher), erhielt Mixstrom mit einem Anteil von 40 Prozent Atomstrom und 60 Prozent Wasserkraft. So die Praxis bis jetzt. Die Elektra Tübach verzichtet wie andere Energieversorger künftig auf eine Verbesserung des Strommixes durch HKN. Seit Anfang Jahr ist die Zusammensetzung und Herkunft dieser Energie unbekannt, sprich grau. «Man kann sich aber am gesamtschweizerischen Mix orientieren. Er enthält einen Grossteil Atomstrom», so Gemeindeschreiber Reto Schneider.

Energie für 25 bis 30 Häuser

Photovoltaik liegt im Trend. Zwei grosse Anlagen – eine auf der Reithalle Aachmühle, eine bei Leomat – und neun Anlagen auf Privathäusern produzieren insgesamt 240 000 Kilowattstunden Energie. Die Menge entspricht in etwa der Stromversorgung von 25 bis 30 Einfamilienhäusern. Die Elektra Tübach konnte 2015 erstmals Herkunftsnachweise von Tübacher Produktionsanlagen für die Stromkennzeichnung verwenden. Die im Strommix gelieferten 105 684 Kilowattstunden Photovoltaik-Energie stammen praktisch ausschliesslich von Tübacher Produzenten. Obwohl der Gemeinderat Anstrengungen unternimmt, Ökostrom zu begünstigen, sei es falsch, vorschnell solche Anlagen zu fördern: «Der Staat sollte Mittel nur entrichten, wenn die Begünstigten selber einen bewussten Umgang mit Ressourcen vorleben. Ansonsten werden falsche Anreize gesetzt», sagt Tübachs Gemeindepräsident Michael Götte.

 

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