Süchtigen wieder ins Leben helfen

Aus der Trinkerheilanstalt Mühlhof ist ein modernes Therapie- und Rehabilitationszentrum geworden. Rund 90 Suchtmittelabhängige nutzen jährlich während vier bis sechs Monaten das stationäre Therapieangebot.

TAGBLATT/Ramona Riedener

Vor genau 90 Jahren wurde in Tübach eine Fürsorgeanstalt für Strafentlassene und schwererziehbare Jugendliche eröffnet, die drei Jahre später in eine Trinkerheilanstalt umgewandelt wurde. Seither hat sich im Mühlhof vieles verändert. Aus der Trinkerheilanstalt ist ein modernes Zentrum für suchtmittelabhängige Frauen und Männer geworden.

Zweimal im Jahr lädt das Zentrum Mühlhof die zuweisenden Organisationen wie RAV, Sozialämter, Sozialberatungs- und Suchtfachstellen ein: An diesem Anlass werden den Fachpersonen Therapie- und Rehabilitationsprogramme aufgezeigt. Auch wird insbesondere über Veränderungen und bevorstehende Entwicklungen der Institution informiert. Geleitet wird der Mühlhof von Felix Schneider, Suchttherapie und Rehabilitation, und Gerold Pfister, Betriebswirtschaft.

Stationäre Therapie, Agogik und Freizeitgestaltung

Bis sich Suchtmittelabhängige für eine Therapie entschliessen, ist meist ein grosser Leidensweg vor­angegangen. Doch wer sich für eine Veränderung des Suchtverhaltens entschliesst, für den ist der Eintritt rasch und unbürokratisch möglich. Vorgängig geschieht ein körperlicher Entzug. Nach einem Informationsgespräch wird die Finanzierung abgeklärt und der Eintritt konkret mit Themen und Zielvorgaben vorbereitet. Die Klienten verbringen in der Regel vier bis sechs Monate stationär im Mühlhof.

Neben verschiedenen Therapien arbeiten die Klienten in den Produktionsbereichen Gärtnerei und Holzwerkstatt oder im Bereich Küche, Hauswartung und Lingerie. Eine therapeutische Herausforderung ist auch die Freizeitgestaltung. Auf der einen Seite wird in der modernen Suchttherapie Wert gelegt auf möglichst grosse Selbstbestimmung. Auf der anderen Seite stellt der grosse Freiraum ein hohes Risiko dar. Neben Sauna und Fitness gibt es im Zentrum ein grosses sozialkulturelles und gestalterisches Freizeitangebot.

Heute noch werden Alkoholismus und Suchtkrankheiten in der Öffentlichkeit unterschiedlich wahrgenommen als andere Krankheiten. So ist die Akzeptanz eines chronisch kranken Arbeitnehmenden, der wegen seines Leidens am Arbeitsplatz fehlt, deutlich grösser als beim Alkoholkranken, der jeden zweiten Montag den Wochenendrausch ausschlafen muss. Süchtige, die sich für eine Therapie entscheiden, haben ihren Arbeitsplatz meist bereits verloren. Eine Möglichkeit der Wiedereingliederung bietet ein Einsatzprogramm mit integrierter Suchttherapie, das übers RAV vermittelt wird.

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