«Spielen wie die Isländer»

Der 30jährige Tübacher Andreas Vogler hat es als Torhüter in die «Traumelf» geschafft. Mit 19 anderen Hobbyfussballern darf er morgen gegen die Profis des FC St. Gallen antreten.

TAGBLATT/ALEXANDRA PAVLOVIC

«Fussball bedeutet für mich Leidenschaft, Emotionen und Zusammenhalt.» Mit diesen Worten beginnt die Videobotschaft, mit der sich Andreas Vogler für das grösste Fussball-Casting in der Ostschweiz beworben hat. Im Rahmen des St. Galler Kantonalbank-Cups wurden Hobbyfussballer gesucht, die es mit der ersten Mannschaft des FC St. Gallen aufnehmen können. Über 150 Personen liessen sich die Chance nicht nehmen – auch der 30jährige Tübacher nicht. Dank seines Eifers hat er es als einer von 20 Bewerbern in die «Traumelf» geschafft.

«Ich halte den Kasten sauber»

Die Idee, ein Video als Bewerbung einzureichen, kam Vogler nicht etwa spontan, sondern war ein bewusster Entscheid. «Es ist nicht das erste Mal, dass ich für ein Projekt ein Video mache», sagt er. In den sozialen Medien und im Fernsehen ist der 30-Jährige unter dem Titel «Andi verliert» bekannt. Seit zwei Jahren versucht Vogler sein ursprüngliches Gewicht von 150 Kilogramm zu halbieren – und lässt jeden daran teilhaben.

Im Bewerbungsvideo beschreibt der 1,77 Meter grosse und 130 Kilogramm schwere Hobbyfussballer seine Qualitäten: «Auf der Linie bin ich reaktionsschnell und kann die Schüsse gut antizipieren.» Die «Traumelf» brauche einen Spieler, der den Kasten sauber halte, das Team organisiere und das Spiel entscheiden könne. «Genau so ein Torhüter bin ich.»

Schon als kleiner Junge habe er davon geträumt, gegen Profis zu spielen, sagt Vogler: «Mit sieben Jahren war ich das erste Mal im Espenmoos.» Besonders hätten ihm die Fans des FC St. Gallen imponiert, die ihr Team lautstark anfeuerten. In diesem Moment hat ihn die Liebe für Grün-Weiss gepackt und bis heute nicht mehr losgelassen. Zum Profi hat es Vogler zwar nicht gereicht – doch bis heute spielt er zum Spass in einem Team in St. Gallen.

Wenn er könnte, würde Vogler morgen gerne das Leibchen mit seinem Gegenspieler Daniel Lopar tauschen. «Ihn beneide ich dafür, dass er sich immer wieder zurück ins Team gekämpft hat und nun ein fester Bestandteil des Clubs ist.»

Dass Vogler auch punkto Fitness mithalten kann, hat er unlängst beim Casting für die «Traumelf» bewiesen. Es galt unter anderem, einen Zwölf-Minuten-Lauf zu absolvieren und Schüsse des ehemaligen Torhüters Stefan Wolf abzublocken.

«Kein Kanonenfutter»

Mit 19 Ostschweizern hat sich Andreas Vogler seit Juni für das Spiel auf der Sportanlage Kellen in Goldach vorbereitet. Da mit den beiden FCSG-Assistenztrainern Daniel Tarone und Martin Stocklasa lediglich drei Trainings geplant waren, entschied sich das Team, noch einige Einheiten mehr zu absolvieren. «Wir wollen uns gegen die Espen-Profis nicht als Kanonenfutter präsentieren. Sie sollen schon auch merken, dass wir etwas können», sagt Vogler mit einem breiten Grinsen. «Unser Ziel ist es, wie die Isländer während der Europameisterschaft zu spielen und alle ein wenig zu ärgern.»

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