Sparen mit Dinos und Drachen

In Tübach produziert René Hagspiel mit seiner Big Belly Bank Produktion AG Spardosen für den Schweizer und den europäischen Markt. Know-how aus der Ostschweiz macht das möglich und rentabel

TAGBLATT, Stefan Borkert

Er sprüht vor Energie und Tatendrang. René Hagspiel ist vom Standort Ostschweiz überzeugt. Mehrere Händler präsentieren an der heute beginnenden Spielwarenmesse Suisse Toy in Bern seine überdimensionierten tierischen Spardosen Big Belly Bank. Schon fast hätte er mit einem tschechischen Familienunternehmen kooperiert, als er dann doch die Entscheidung traf, in der Ostschweiz zu produzieren. Im thurgauischen Neukirch ist sein Schweizer Vertrieb angesiedelt. Im st. gallischen Tübach steht die Produktionsstätte. Produziert wird mit Maschinen der MS Oberflächentechnik AG Balgach und lackiert wird mit Farbpulver der IGP Wil. «Das nenne ich regionales Zusammenspiel.»

Hagspiel fertigt schon seit rund zehn Jahren Big-Belly-Bank-Figuren an. Das sind vor allem Spardosen in verschiedenen Farben und in Form von Tieren wie Dinosauriern, bei denen Münzen mit Kugelbahneffekt im transparenten Bauch landen. Zu haben sind die Figuren in Höhen von 40 Zentimetern bis zu 1,30 Meter. Bis 2014 wurden die Dinos und Co. für den Schweizer Markt in einer geschützten Werkstatt in St. Gallen hergestellt. In Deutschland hatte der Firmenchef eine ähnliche Einrichtung nahe der holländischen Grenze dafür gefunden. Doch den geschützten Werkstätten war dieser Auftrag auf Dauer zu wenig lukrativ. «Ich musste mir rasch Alternativen überlegen, da die Kündigung vor zwei Jahren kurzfristig erfolgte», sagt Hagspiel.

Mit dem Start kam der Frankenschock

Und weil die Spardosen-Dinos doch recht erfolgreich im Verkauf waren und auch immer grössere Stückzahlen nachgefragt wurden, entschied er sich zu einer Millioneninvestition. In Tübach fand er eine Produktionshalle und mit der Pulverbeschichtung auf MDF (mitteldichte Holzfasern) ein neues Verfahren, das dank ostschweizerischen Know-hows nun die Produktion von 400 Dinos pro Tag ermöglicht. Die Rohlinge aus MDF werden auf einer CNC-Maschine gefräst. Ablauf und Technik funktionierten und funktionieren. Doch mit dem Jahreswechsel 2014/2015 kam eine böse Überraschung. Pech hatte Hagspiel, dass praktisch unmittelbar nach dem Neustart der Produktion der Mindestkurs zum Euro aufgehoben wurde. «Von einer Sekunde auf die andere waren alle Kalkulationen Schnee von gestern.» Für ihn als Jungunternehmer mit Familie, vier Kindern und gut fünf Mitarbeitern sei das ein regelrechter Schock gewesen. Rasch war ihm klar, dass der Verkauf nach Deutschland und Europa erstmal keinen Gewinn mehr einbringen wird. Und trotzdem machte er weiter und erfüllte die Aufträge seiner Kunden im Ausland. «Ich habe die Preise in der Schweiz moderat erhöht, um so einen Teil meiner Kosten zu kompensieren», sagt er. Hinzu kam, dass auch die Hausbank an ihn und seine Produkte glaubte.

Die Schweiz habe gut 80 000 Geburten pro Jahr. Deutschland und Österreich zusammen fast eine Million. Eltern, Grosseltern, Gotte und Götti seien die Zielkundschaft für die Spardosen. «Da steckt also noch viel Potenzial drin», ist er sich sicher. Und bereits denkt er laut über eine Erweiterung der Produktion nach. Die Produktpalette jedenfalls ist schon erheblich gewachsen. Zu den Dinos sind unter anderem Krokodile, Drachen, Hunde und Enten hinzugekommen. Weitere Figuren, Motive sowie Farben werden folgen und Kunden auch. Vier Zoos haben ihr Interesse an den besonders grossen Krokodil- Spardosen angemeldet.

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