Schulden der Gemeinden sinken

Vielen St. Galler Gemeinden geht es finanziell immer besser. Die Verschuldung pro Einwohner liegt so tief wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Doch die Entwicklung hat ihren Preis: Die Gemeinden investieren wenig.

TAGBLATT/Adrian Vögele

Seit dem Jahr 2000 liegen die Finanzen der St. Galler Gemeinden insgesamt im Plus. Die jüngsten Zahlen bestätigen den Trend: 2015 erzielten 69 von 77 Gemeinden einen Gewinn. Die Summe der Überschüsse beträgt 126 Millionen Franken – der höchste Wert seit 2009, wie es in der Gemeindefinanzstatistik heisst. Spitzenreiter ist Tübach mit einem Reingewinn von 1838 Franken pro Kopf. Demgegenüber scheinen die Verluste gering: Acht Gemeinden schrieben rote Zahlen – 4,9 Millionen insgesamt. Das grösste Minus hat Buchs, mit 204 Franken pro Einwohner. Gleichzeitig sinken die Schulden auf kommunaler Ebene: 787 Franken Nettoschulden hatten die St. Galler Gemeinden im Jahr 2015 im Durchschnitt pro Einwohnerin und Einwohner. Das ist der tiefste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1988; er liegt erstmals deutlich unter der 1000-Franken-Grenze.

23 Gemeinden – drei mehr als im Vorjahr – sind schuldenfrei beziehungsweise haben Vermögen. Am höchsten ist das Vermögen in Oberuzwil: Es beträgt über 4000 Franken pro Einwohner – ebenfalls ein Rekord für den Kanton. Weitere 23 Gemeinden haben tiefe Schulden von weniger als 1000 Franken pro Kopf. In weiteren 29 Gemeinden liegt die Verschuldung im mittleren Bereich zwischen 1000 und 5000 Franken. Als «hoch verschuldet» – mit über 5000 Franken pro Kopf – sind in der Statistik nur Degersheim und Sargans aufgeführt.

Investitionsanteil erreicht Tiefstwert

Die Kehrseite dieser Entwicklung: Die Gemeinden investieren vergleichsweise wenig. 275 Millionen Franken waren es 2015. Das sind zwar knapp 24 Millionen mehr als im Vorjahr. Doch der Anteil der Investitionen an den Gesamtausgaben liegt bei 11,1 Prozent – das ist der niedrigste Wert seit «Messbeginn» 1995. Grössere Investitionen wagten die Stadt St. Gallen (8,6 Millionen), Buchs (7,4 Millionen) und Widnau (5,6 Millionen).

«Die Gemeinden sind sehr vorsichtig, was Investitionen angeht», bestätigt Bruno Schaible, stellvertretender Leiter des Amts für Gemeinden. Vielerorts sei die Infrastruktur inzwischen auf einem guten Stand. Doch es komme auch vor, dass Gemeinden Investitionen zurückstellten zu Gunsten guter Rechnungsabschlüsse. Sorgen bereitete zudem die angespannte Finanzlage des Kantons: Im Zuge der Sparpakete mussten die Gemeinden neue Aufgaben übernehmen, etwa in der Pflegefinanzierung. Schaible rechnet aber damit, dass die Gemeinden die Serie der insgesamt positiven Rechnungsabschlüsse fortsetzen werden. Die Steuerfüsse der meisten Gemeinden sind in den vergangenen Jahren konstant geblieben oder gesunken.

Die Ausgaben der Gemeinden steigen leicht an. 1,78 Milliarden Franken betrug der Nettoaufwand 2015; er nahm um 1,1 Prozent oder 39 Franken pro Kopf zu. Am meisten Geld gaben die Gemeinden für die Bildung aus: 982 Millionen (55 Prozent). Am zweitteuersten war die Soziale Wohlfahrt mit 192 Millionen Franken. In beiden Bereichen stiegen die Ausgaben um circa 10 Millionen. Der Aufwand im Bereich Finanzen (etwa für Abschreibungen) nahm um über 15 Millionen auf 66 Millionen zu.

Gespart wurde hingegen im Aufgabengebiet «Bürgerschaft, Behörden und Verwaltung»: 182 Millionen kostete es, über 9 Millionen weniger als im Vorjahr. Auch für Kultur und Freizeit gaben die Gemeinden weniger Geld aus.

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