Per Handy zu Kaffee oder Fondue

Die Leomat AG stellt in Tübach Verpflegungsautomaten her und betreibt diese in der ganzen Ostschweiz. Die Firma bietet nicht nur Getränke und Snacks an, sondern auch tiefgekühlte Suppen.

TAGBLATT

Bereits nach fünf Minuten verrät Daniel Büchel das Firmengeheimnis: «Ein guter Service, das ist alles.» Büchel ist Geschäftsführer der Leomat AG in Tübach. Die Firma stellt Verpflegungsautomaten her, füllt sie auf, reinigt und wartet sie. Und entwickelt neue Geräte.

Die neuste Erfindung der Tübacher ist ein Tiefkühlautomat namens «Alaska». Darin werden frisch gekochte und dann schockgefrorene Suppen von «La Zoupa» angeboten, die man nur noch in der Mikrowelle erhitzen muss. «Dieses Konzept ist für Firmen ohne eine Kantine interessant», so Büchel. Seit rund anderthalb Jahren läuft das Pilotprojekt mit den Tiefkühlsuppen. Die Fertiggerichte von La Zoupa werden unter anderem bei der Credit Suisse, Volvo und der Klinik Hirslanden erprobt. Ein Exemplar des Tiefkühlers steht vor dem Firmensitz in Tübach. Darin findet sich neben den Suppeneintöpfen seit Anfang Monat eine Kuriosität: eine Fertigfonduemischung samt tiefgefrorenem Brotlaib dazu. «Das ist ein Experiment für uns», fügt Büchel an. «Aber das Fondue ist eher für Autofahrer auf dem Nachhauseweg gedacht, nicht für den Zmittag im Büro.»

Die Frauen sind unterwegs, die Männer reparieren

Das Hauptgeschäft der Leomat AG ist aber seit 45 Jahren der Betrieb von 2500 bis 3000 Kaffee- und Snackautomaten – fast ausschliesslich für Firmen und Kantinen in der Schweiz. «Nur ein einziges Gerät steht auf deutschem Boden, beim Zoll.»

Um 6 Uhr fahren in Tübach jeden Morgen 18 Mitarbeiterinnen des 52-köpfigen Personals los, gehen auf Tour, füllen Kaffee- und Milchpulver nach, sortieren Red Bull, Kägi Fret und Konsorten in die Automaten ein. Auf die Frage, weshalb nur Frauen die Aufgabe übernehmen, meint der Geschäftsführer: «Zufall.»

«Voraussetzung für die Arbeit ist ein gewisser Orientierungssinn», so der 52-Jährige. Büchel bezieht dies nicht auf den Strassenverkehr, sondern auf das Innere der Firmengebäude, wo die Automaten meist erst nach einem Labyrinth aus zahlreichen Türen und gleichaussehenden Stockwerken auffindbar seien.

Die Männer arbeiten nebenan in der Werkstatt. Hier wird getüftelt, ausprobiert und repariert. Telemetrie-Einheiten werden verkabelt, Steuerungen geeicht. «Viele denken, das sei bloss eine viereckige Maschine, aus der Kaffee rauskommt – aber es steckt viel mehr dahinter», sagt Büchel.

Apotheker, Elektriker, Automechaniker

Eine wichtige Rolle spiele inzwischen der Bildschirm, meist ein Touchscreen. «Man wählt darauf nicht nur den Kaffee aus, sondern kann auf diesem auch Informationen anzeigen.» Beliebt seien Nachrichten oder der Ferienplan, wodurch das Pausengespräch lanciert sei. Der Automat ist zu einem High-Tech-Produkt geworden. Wie viel wurde verkauft? Liegt eine Störung vor? Wie ist der Füllstand? All diese Informationen werden per Mobilfunk an die Zentrale in Tübach übermittelt. Darauf basierend wird das Angebot angepasst oder ein Service veranlasst.

Aber der stete Wandel sitzt Büchel im Nacken. Weniger Zucker müsse es sein, weniger Konservierungsmittel, gefragt seien biologisch abbaubare Becher. «Als wir vor zehn Jahren kompostierbare Becher getestet haben, wurden wir noch ausgelacht», sagt er. Heute steige die Nachfrage, Plastik sei zunehmend verpönt. «Bei meiner Arbeit fühle ich mich teils mehr als Apotheker, Elektriker und Automechaniker», scherzt Büchel mit Blick auf die vielseitigen Anforderungen.

Gewandelt hat sich auch die Bezahlung. 20 Rappen kostete das Getränk aus dem «Oll-o-Matic» mit Baujahr 1959. Heute funktioniert das System bargeldlos: Twint, Apple Pay, Kreditkarte. Die Maschinen sind für die digitalen Währungen gerüstet.

Barista-Kurs für das Personal

«Kaffee gehört zum täglichen Leben», sagt Daniel Büchel. Das gilt speziell bei der Leomat AG. Ist ein Automat eingebaut, müsse die Qualität des Kaffees getestet werden. Wohl eine der wenigen Firmen, bei der die Mitarbeiter nicht nur Kaffee trinken können, sondern sogar müssen.

«Wer bei uns Automaten installiert, muss eine Barista-Anlehre absolvieren», sagt Büchel. Die Sensorik will geschult sein. Auch wie man die Wasserqualität beurteile, wird in einem Kurs gelehrt. «Teilt uns ein Kunde mit, dass der Kaffee nicht mehr schmeckt, machen wir uns auf die Suche nach der Ursache», erläutert Büchel. Oft entstünden bei Umbauten Veränderungen an den Wasserleitungen. «Danach müssen deshalb die Automaten neu kalibriert werden.»

 

Bild: Die Mitarbeiter bauen neue Automaten zusammen, reparieren defekte Geräte und konfigurieren die Steuerung

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