Neuer Start für Tübacher Segelmacher

Seit 45 Jahren sind Vogel-Meier-Segel aus Tübach nicht nur am Bodensee bekannt. Jetzt ist die Vogel-Meier AG liquidiert worden. Eurokurs, hohe Fabrikationskosten in der Schweiz und die seit 2013 abgeschwächte Nachfrage zwangen das Unternehmen zur Aufgabe.

TAGBLATT/Otmar Elsener

Die Segler am Bodensee, die den Tübacher Segelmacher Vogel-Meier in den vergangenen Monaten besuchen wollten, waren überrascht, verschlossene Türen vorzufinden. Nach zwei Jahren mit Verlusten wegen des starken Schweizerfrankens, der hohen Produktionskosten und der allgemeinen Krise im Boots- und Segelmarkt hatte die Hausbank den Geldhahnen zugedreht. Die Firma musste die Bilanz deponieren. Die VM Sails werden aber nicht vom Markt verschwinden. Der bisherige Inhaber wagt einen Neubeginn mit einem neuen Konzept.

Jahrzehntelang erfolgreich

Der Goldacher Flugzeugingenieur und Spitzensegler Werner Meier hatte das Unternehmen 1970 gegründet. Seine schon früh mit Computerprogrammen geschnittenen Segel wurden in der Regattaszene schnell bekannt. In der 45jährigen Firmengeschichte wurden mit Vogel-Meier-Segeln zahlreiche Olympia-, Europa- und Weltmeisterschaftstitel gewonnen. Geschätzt wurde nicht nur die Beratung, sondern auch die Qualität der handgefertigten Segel. Aus Altersgründen und wegen einer Krankheit hatte sich Meier 2007, ein Jahr vor seinem Tod, entschlossen, seinen Betrieb an den Segeldesigner und Segelmacher Stephan Fels zu verkaufen.

Marke VM Sails bleibt

Stephan Fels hatte das Segelmacher-Handwerk in Berlin, Hamburg und Neuseeland erlernt. Sogleich nach dem Kauf rationalisierte er den Betrieb in neuen Räumen an der Goldacherstrasse. Wie Meier verfolgte er mit Aufmerksamkeit für die Aerodynamik Design und Entwicklung der Segel. Nicht nur bei Regattaseglern, sondern auch bei Cruising-Seglern forcierte er rasch die Marke VM Sails. Umso überraschender kam die Nachricht der Geschäftsschliessung. Doch zu früh haben die Segler den Verlust des einzigen Segelmachers in der Region bedauert. Die Marke VM Sails bleibt bestehen. Fels wird fortan seine VM Sails unter der neu gegründeten Firma VM Sailmakers vertreiben. Am 1. März hat er den Betrieb in der bisherigen Halle in Tübach aufgenommen. Produziert wird nicht mehr in der Schweiz, sondern in Portugal und Deutschland. Hingegen die Segelpläne werden von Fels in Tübach erstellt, wo er auch künftig die Kunden berät. In den Nähereien im Ausland werden weiterhin beste Stoffe verarbeitet, etwa für Spinnaker die bekannten Stoffe der Lichtensteiger Firma Meyer-Mayor. Für die Segel aus Carbon und Kevlar setzt Fels auf Lieferanten aus Italien. Für seine ausländischen und schweizerischen Kunden werden die VM-Sails-Segel günstiger; für EU-Kunden fallen die Zollbelastungen weg. In der Halle werden Serviceleistungen geboten. Die Vertretungen an den Seen der Schweiz, in Deutschland und in Österreich werden beibehalten. Geplant ist, Teile der Halle als Servicecenter und für die Herstellung von Bootsplachen zu vermieten.

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