Licht aus nach 28 Jahren

Dietmar Hiltebrand geht nach 28 Jahren als Leiter der Technischen Betriebe Goldach Ende März in Pension. Eine Zeit, in der er viel bewegt, aber auch Enttäuschungen erlebt hat. Auf seinen Nachfolger Anton Sax warten einige Herausforderungen.

TAGBLATT / Linda Müntener

Im heutigen Keller des Rathauses war Dietmar Hiltebrands Arbeitsplatz, als er am 1. April 1987 seine Stelle als Leiter der Technischen Betriebe Goldach (TBG) antrat. Heute sitzt er in einem grossen Sitzungszimmer des Technischen Zentrums Marmorsäge. Neben ihm hat Anton Sax Platz genommen. Der 36-Jährige wird Hiltebrands Nachfolge antreten. Denn dieser wird Ende März pensioniert – nach 28 Jahren.

«Ein würdiger Nachfolger»

Blickt Dietmar Hiltebrand auf seine Zeit als Leiter der TBG zurück, fallen ihm einige Höhepunkte ein. Allen voran der Umzug in das damals neu gebaute TZM. Auch an das 100-Jahr-Jubiläum der Technischen Betriebe denkt er gerne zurück. Er hat in übergeordneten Gremien mitgewirkt und dazu beigetragen, dass sich die TBG aus bescheidenen Anfängen zu einem stattlichen Unternehmen entwickelt haben. «Mir hat meine Arbeit immer Spass gemacht», sagt Hiltebrand. Vor allem den Kontakt zu Kunden und Leuten im Dorf sowie seine Aufgaben als «Allrounder» habe er geschätzt. Wehmut schwinge aber kaum mit, wenn er an seine Pension denkt. «Ich freue mich darauf», sagt er. «Auch deshalb, weil ein würdiger Nachfolger gefunden wurde.»

Dieser Nachfolger ist Anton Sax. Der gelernte Elektroniker studierte Elektrotechnik an der Fachhochschule Rapperswil und absolvierte danach ein betriebswirtschaftliches Nachdiplomstudium mit Vertiefung in Projektmanagement. Zuletzt war er Teamleiter des Bereichs Elektronik-Entwicklung der Metrohm AG in Herisau. Anton Sax kennt Goldach, er hat schon einmal zweieinhalb Jahre hier gelebt. Der neue TBG-Leiter, der mit seiner Frau und zwei Kindern im thurgauischen Steinebrunn lebt, schätzt die Nähe zu seinem jetzigen Arbeitsplatz. «Ich bin gut aufgenommen worden.» Auf ihn warten Herausforderungen wie etwa die Marktöffnung beim Erdgas. Zudem stehen in Goldach der Bau einer Photovoltaikanlage im Riet, Leitungserneuerungen, die Beleuchtung der Schulstrasse und Arbeiten im Zusammenhang mit der Zentrumsüberbauung an.

Enttäuscht über Regiowerk-Aus

In 28 Jahren als Leiter der TBG hat Dietmar Hiltebrand auch Enttäuschungen erlebt. Eine davon: das Sterben des Projekts Regiowerk Bodensee. Aufgrund der Liberalisierung des Strommarktes schlossen sich 2011 Goldach, Rorschach, Thal, Rheineck und St. Margrethen zum Verbund Regiowerk Bodensee zusammen. Sie wollten eine engere Zusammenarbeit in der Strom- und Wasserversorgung prüfen. Doch die Partner stiegen aus, zuletzt nach dem Nein der Bürger zur Plus-Minus-Initiative auch die Stadt Rorschach. Nicht nur weil die TBG viel Zeit in dieses Projekt investiert hätten, bedauert Hiltebrand dies. Er ist davon überzeugt, dass kleine Werke im Konkurrenzkampf gegen internationale Anbieter die Herausforderungen künftig nicht mehr gewinnbringend meistern können. Schon heute übernehmen die TBG Aufträge für Nachbargemeinden wie Tübach oder Untereggen. Alleingänge, wie sie heute für die örtlichen Versorgungsunternehmen üblich sind, werden seltener werden, sagt Hiltebrand. «Die Zukunft liegt in der Kooperation.»

Hiltebrands Zukunft heisst nun Ruhestand. Er freut sich auf seine Freizeit. Darauf, Zeit mit seinen Enkelkindern zu verbringen, zu reisen und Sport zu treiben. Er will sich zudem noch intensiver seiner Leidenschaft, der Imkerei, widmen. Hiltebrand ist seit Jahren Bienenberater, hält Vorträge und ist für die Ausbildung angehender Imker zuständig. «Das fordert mich praktisch und geistig.» Der Goldacher plant, seine Bienenzucht auszubauen. Und er bleibt Mitglied der Betriebskommissionen zweier Versorgungsbetriebe. Fest steht also: Langweilig wird es Dietmar Hiltebrand mit Sicherheit nicht. Und Anton Sax ebenso wenig.

Posted in: