Kurs aufs Gemeindehaus

Tamara Urech zog es der Liebe wegen nach Tübach. Seit zwei Jahren wohnt die gebürtige Rorschacherin hier. Im Juli zügelte sie neu an die Steinacherstrasse. «Ich fühle mich in Tübach wohl. Ich finde das Dorf sympathisch und geniesse es, dass ich so schnell in der Natur bin.» Ebenso sympathisch ist ihr die Tatsache, dass ein parteiloser Gemeinderat in Tübach nicht als aussergewöhnlich gilt. «Dies kommt mir sehr entgegen, da ich parteilos bin.» Die junge Frau will am 28. September für ihre Persönlichkeit und Ansichten gewählt werden und nicht aufgrund einer Parteizugehörigkeit.

Unverbrauchte Energiereserven

Schon früher hat sich Urech gerne engagiert. Unter anderem war sie Juniorentrainerin im Seeclub Rorschach und sass eine kurze Zeit auch in dessen Vorstand. Dass sie für den Gemeinderatssitz kandidiert, überrascht in ihrem Umfeld die wenigsten. «Ich habe mich schon immer für die Politik interessiert.»
Einen Namen hat sich Urech bereits auf einer anderen Ebene gemacht. Für alle, die sich für den Rudersport interessieren, ist Tamara Urech keine Unbekannte. Die ehrgeizige Sportlerin wurde im Jahr 2005 und 2006 Schweizer Meisterin im Rudern. Den Sport zum Beruf zu machen, war jedoch nie ein Thema. «Vom Rudern kann man nicht leben.» Heute ist das Rudern nur noch ein Hobby. Daneben joggt sie in ihrer Freizeit und betreibt Kraft- und Ausdauertraining.
Urech verfügt über ein abgeschlossenes ETH-Studium in Bewegungswissenschaften und ist heute im Aussendienst für Medizinprodukte tätig. Sie fühle sich in ihrem Beruf wohl, suche aber nach einer weiteren Herausforderung. «Lange Zeit füllte mich der Sport komplett aus. Heute trifft das nicht mehr zu. Ich spüre, dass ich noch viel Energie habe und etwas Neues und Sinnvolles machen will», sagt Urech.
Ihr Partner war es, der ihr die Ausschreibung für den frei werdenden Sitz von Peter Ammann im Gemeinderat zeigte und sie zur Kandidatur motivierte. «Ich liess es mir lange durch den Kopf gehen, entschied mich aber dann, es zu versuchen.» Zu Beginn zweifelte sie daran, ob sie nicht zu jung sei für dieses Amt. «Diese Befürchtungen waren aber unbegründet. Mir wurde erklärt, dass auch Michael Götte verhältnismässig jung ist genau wie weitere Gemeinderäte.»

Genug Durchhaltevermögen

Nun kandidiert sie für den frei werdenden Sitz im Gemeinderat. Falls Urech die Wahl gewinnen sollte, könnte sie sich gut vorstellen, sich ab Januar 2015 im Ressort Technische Betriebe zu betätigen, dem derzeit der abtretende Peter Ammann vorsteht. «Ich weiss noch nicht allzu viel über dieses Ressort, habe aber dank meines Studiums an der Eidgenössischen Technischen Hochschule den Bezug zur Technik.» Die 26-Jährige ist überzeugt, dass sie sich das nötige Wissen aneignen kann. «Das beweisen auch meine sportlichen Leistungen sowie das Studium. Wenn mich etwas interessiert, zeige ich Durchhaltevermögen.» Ihr Interesse gelte eben nicht nur dem Sport und der Bewegung, sondern auch dem Technischen. Sie möchte sich für eine positive Gemeindeentwicklung und nachhaltige Energiepolitik einsetzen. Urech hat keine bestimmte Strategie, wie sie ihren Gegenkandidaten Adrian Weiersmüller übertrumpfen will. «Ich werde mich aber sicher nicht den Leuten aufdrängen. Das finde ich unsympathisch.» Wer sie kennen lernen möchte, könne gerne bei ihr vorbeikommen.

«Alter ist auch nur eine Zahl»

Zuerst empfand Urech die Situation, gegen einen Gegenkandidaten zu «kämpfen», als speziell. «Jetzt empfinde ich es aber als eine Bereicherung und kann daraus viel lernen.» Wie schätzt sie ihre Chancen im Vergleich zu denen von Weiersmüller ein? «Ein Vorteil für ihn ist vielleicht, dass er schon länger hier lebt und sich seine Garage in Tübach befindet. Die Leute kennen ihn», so Urech. «Ich kann mir aber vorstellen, dass für manche Wähler meine sportlichen Erfolge ein positiver Aspekt sind. Und wie ich bereits in meinem Alter gezeigt habe, dass ich etwas erreichen kann. «Möglicherweise spielt das Geschlecht eine Rolle. Das kann ich aber nicht einschätzen», sagt die Kandidatin und fügt hinzu: «Denjenigen, für die das Alter doch eine Rolle spielt, sage ich: Persönlichkeit wiegt mehr als Alter.»

Ihr Gegenkandidat Adrian Weiersmüller wird in einer der nächsten Ausgaben vorgestellt. Am Mittwoch, 10. September, 20 Uhr, findet eine Podiumsdiskussion in der Mehrzweckhalle in Tübach statt.