Kloster feiert den 400. Geburtstag

Seit 1905 befindet sich das Kapuzinerinnenkloster St. Scholastika in Tübach.

 

JUBILÄUM ⋅ Die Kapuzinerinnen von St. Scholastika in Tübach blicken als Gemeinschaft auf mindestens 400 Jahre zurück. 1617 begaben sie sich nach Rorschach. Der Lärm der pulsierenden Stadt vertrieb sie 1905 nach Tübach.

 

Die Wurzeln des Klosters sind in Mörschwil zu finden. Die Gemeinschaft entstand durch die Zusammenlegung der beiden Waldschwesternhäuser Hundtobel und Steinertobel (Mörschwil). Dies waren mittelalterliche Gemeinschaften von Frauen, die als Beginen nicht einem Orden angehörten und keine Klausur kannten. In der Reformation erlebten die beiden Häuser eine ernsthafte Krise, mehrmals auch wegen der Pest (z. B. 1610/11). Das Kloster St. Gallen reorganisierte zwischen 1600 und 1620 in seinem Herrschaftsgebiet alle Gemeinschaften und siedelte die teils abgelegen wohnenden Frauen in der Nähe grösserer Ortschaften an. Fortan sollten sie als Regularschwestern eine aktive Rolle im kirchlichen Reformwerk einnehmen. Gleichzeitig wurden die Gemeinschaften in den Kapuzinerorden, einen damals sehr jungen und modernen Zweig des franziskanischen Ordens, eingebunden.

Im Jahr 1617 in Rorschach neu angesiedelt

Die beiden personell stark dezimierten Mörschwiler Frauengruppen wurden zusammengelegt und 1617 im für sie neu gebauten Kloster St. Scholastika in Rorschach, im Osten und ausserhalb der Stadt, neu angesiedelt. Die Rorschacher Kapuzinerinnen entwickelten sich für die Bodenseestadt zu einem kulturstiftenden Faktor. Bis 1798 bildeten sie eine Stütze der fürstäbtischen Politik, die eine Festigung der katholischen Position anstrebte. Die Folgen der Französischen Revolution bedrohten die Gemeinschaft noch einmal. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Gemeinschaft stark an, auch weil sie Frauen eine Alternative zum sonst vorgespurten bürgerlichen Lebensweg bot. Ein kontemplatives Leben zu führen war für die Scholastika-Schwestern jedoch immer schwieriger: Der Lärm des nahen Rorschacher Hauptbahnhofs und die Geschäftigkeit der stark wachsenden Stadt Rorschach vertrieben die Frauen schliesslich nach Tübach.

In dieser ländlichen Gemeinde war ein klösterliches Leben wieder möglich. Die Frauen bezogen abermals einen Neubau. Geregelt gingen sie dem Gottesdienst, der handwerklichen Beschäftigung und der Gartenarbeit nach. Das Haus wurde zum Ort der Ruhe und stillen Seelsorge, was ihm nicht nur neue Frauen zuführte, sondern auch zahlreiche Gönner und Gönnerinnen.

So hat das Kloster St. Scholastika bis heute manche Spur in der Geschichte hinterlassen. Doch hat auch die gesellschaft­liche Entwicklung im Kloster Spuren gesetzt.

Acht Schwestern sind übriggeblieben

Seit Jahren ist die Zahl der Schwestern rückläufig. Gleichwohl ist es erfreulich, wenn am kommenden Sonntag noch acht von ihnen, zusammen mit Bischof Markus Büchel, St. Gallen, und zahlreichen Gästen, den 400. Geburtstag der Ansiedlung ihrer Gemeinschaft in Rorschach (21. November 1617) feiern können. Verbinden wir mit dem Anlass die Hoffnung, dass das Klosterleben als erfüllender Lebensweg wiederentdeckt werde und dies dem Tübacher Kloster zu einer neuen Blüte verhelfe!

Öffentlicher Gottesdienst

Sonntag, 19. November, 9.30 Uhr, öffentlicher Gottesdienst in der Kirche des Klosters St. Scholas­­tika in Tübach, zusammen mit Bischof Markus Büchel, St. Gallen. Anschliessend Aperitif.

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