Kleinkunst, die verbindet

KULTUR ⋅ Für die Aufführung des Ensembles Fleisch und Pappe in der «Arche» in Tübach hat sich der Zuschaueraufmarsch in Grenzen gehalten. Dennoch wurden die Anwesenden für ihr Kommen belohnt.

TAGBLATT

Es floss so dahin, doch fast unbemerkt änderte sich die Richtung, das Geschehen auf der Bühne wechselte den Rhythmus. Eine kurzfristige Neuorientierung der Anwesenden war gefragt. Die Szenerie auf der Bühne blieb stetig in Bewegung. Frau Schulz und Frau Bohne, das Ensemble Fleisch und Pappe, war in jeder Minute bestrebt, Akzente zu setzen. Das Duo präsentierte an diesem Abend in der Tübacher Arche die «Potpourri-Show» und wollte kein Theater spielen, sondern eine vielseitige Show abliefern. Parodien auf das Showbusiness, sei das bei den Einlagen, welche die Auftritte verbanden, den Kalauern oder den plötzlichen Richtungsänderungen in den Diskursen. Interviews mit Diskussionspartnern und deren Darstellung besorgten Frau Bohne und Frau Schulz in Personalunion. Schnell und wirblig folgten Szenenbilder aufeinander.

Eigentlich waren die beiden Hauptdarstellerinnen ja zu dritt. Frau Schulz, alias Andrea Schulthess, und Frau Bohne, alias Kathrin Bosshard, wurden oft von einer Puppe begleitet. Puppen und Figuren waren die ergänzenden Komponenten des Auftrittes. Einen Akzent setzte das Gespräch mit Miss Piggy, bekannt nach der Figur aus der Muppet-Show und an diesem Abend eine Dame, die für die Rechte der Frauen kämpfte. Für die passionierte Puppenspielerin Kathrin Bosshard eine Rolle, die auf sie zugeschnitten war. Einerseits das Führen der Puppe und gleichzeitig der Gesang von Miss Piggy – eine starke Leistung. Und wenn die beiden Frauen sich an den Skilift hängten und die berühmte Nummer des Cabarets Rotstift mit Werner von Aesch parodierten, ging’s rund. Gesang, Wortspiele und Puppenspiel fanden auch stets ihren Platz in der Darbietung.

Die Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden

Es war ein Abend der besonderen Art, ein Kleinkunstabend. Zum dritten Mal hatten sich der Horner Kreis und die Kulturkommission der Gemeinde Tübach zu einem Kulturabend zusammengeschlossen. Hinter diesem Entscheid stehen verschiedene Gründe. Aus der Sicht beider Gruppierungen ist das Zusammenfinden von Einwohnern der beiden Gemeinden vorrangig. Man findet sich sozusagen über die Gemeinde- und Kantonsgrenze hinweg. Andererseits sei es das Bündeln von Synergien und, aus Sicht des Horner Kreises, die aktuelle Situation mit dem Umbau der Turnhalle. Safer Mourad, Präsident des Horner Kreises, sagt dazu: «Für mich ist es schön, dass sich die Besucher aus Horn und Tübach begegnen. Noch vor drei Jahren, beim Beginn der Zusammenarbeit, hatte man sich gefragt, ob dies notwendig ist.» Mit dem Auftritt von Schulz und Bohne machten die Organisatoren einen Schritt in die Kleinkunstszene. Der Gästeaufmarsch blieb unter ihren Erwartungen. «Es sind heute Abend 40 Personen in der ‹Arche› und es wäre Platz für 100», sagt Gemeinderätin und Kulturkommissionsmitglied Birgit Koster Schöb. Die Kleinkunstszene hatte aber den Weg zum Tübacher und Horner Publikum nur beschränkt gefunden. Tatsächlich war es keine einfache Kost, was an diesem Abend geboten wurde sondern Kleinkunst in Reinkultur, die Zuschauenden waren gefordert. Safer Mourad geht trotzdem davon aus, dass die Zusammenarbeit jährlich fortgesetzt werden kann.