Kennenlernen statt Debatte

Am 18. Oktober wählt Tübach einen neuen Schulpräsidenten. Die Kandidaten Philipp Bänziger und Oliver Jung stellten sich gestern an einem Podiumsgespräch vor. Die beiden sind sich in vielen Punkten einig, wenn auch nicht im Detail.

TAGBLATT / Linda Müntener

Der Saal wurde grosszügig bestuhlt. Doch lediglich knapp 40 Leute sind gestern abend zum Podiumsgespräch mit den Kandidaten für das Amt des Tübacher Schulpräsidenten in der Arche erschienen. Ob’s an mangelndem Interesse oder am Wetter liegt, kann Gemeindepräsident Michael Götte nicht beantworten. Dennoch freut er sich, Philipp Bänziger und Oliver Jung begrüssen zu können. Denn lange war offen, ob überhaupt jemand kandidiert. So gehe es nun «weniger ums Politische, sondern mehr ums Kennenlernen».

Pensum ist kein Problem

Bänziger und Jung wollen nicht nur beide die Nachfolge von René Latzer antreten, sie haben auch sonst viel gemeinsam. Beide sind nicht in Tübach aufgewachsen, haben schulpflichtige Kinder und noch nie ein politisches Amt ausgeführt. Und: Sie sind beide parteilos. Dennoch will Moderator Bruno Gschwend gleich zu Beginn wissen, wo sie sich politisch einordnen. Bänziger, der als Projektleiter Marketing und Verkauf bei der Migros Ostschweiz arbeitet, nennt BDP und CVP als Parteien, mit denen er am ehesten sympathisiere. Jung sei «eher auf der rechten Seite zu Hause», möchte sich aber keiner Partei zuordnen. «Weil ich nicht alles unterschreiben kann, wofür diese stehen.» Der 41-Jährige ist selbständig, er betreibt einen Coop Prontoshop mit Tankstelle in Arbon. Seine Zeit könne er sich deshalb frei einteilen. Auch für den 37jährigen Bänziger stellt das 20-Prozent-Pensum des Schulpräsidenten kein Problem dar. «Ich bin extrem flexibel und mein Arbeitgeber hat das genehmigt.»

Beide geben als Motivation für ihre Kandidatur an, sich fürs Dorf engagieren zu wollen und sich für eine weiterhin positive Entwicklung der Schule einzusetzen. Für Letztere haben die Kandidaten nur lobende Worte übrig, akuter Handlungsbedarf bestehe nirgends. Für das Amt des Schulpräsidenten, der in Tübach gleichzeitig Mitglied des Gemeinderats ist, bringen beide Erfahrungen aus dem Finanzbereich mit. Verwaltungsabläufe sind ihnen neu. Ihren Führungsstil beschreiben beide als kooperativ, bei Konflikten gelte es, beide Seiten anzuhören.

Moderate Entwicklung des Dorfs

Eines der wenigen Themen, bei denen die Kandidaten nicht übereinstimmen, ist der Lehrplan 21. Bänziger steht «zu 100 Prozent hinter dem Lehrplan 21.» Jung hingegen bemängelt, dass die Bewertung der vielen Kompetenzen nicht klar geregelt sei. «In dieser Hinsicht ist er nicht ganz zu Ende gedacht.» Letztlich stehe und falle der Lehrplan 21 aber mit der Lehrperson. Auch bei der Entwicklung des Dorfes gehen die Meinungen leicht auseinander. Während Bänziger die umstrittene Überbauung Zentrumswiese als «tolle Sache und gute Chance für Tübach» erachtet, spricht sich Jung dafür aus, in Sachen Entwicklung «etwas auf die Bremse zu treten». Ein moderates Wachstum sei wichtig, «jedoch nicht mit dem Gaspedal.»

Elternforum wird begrüsst

Zum Schluss öffnet Bruno Gschwend die Fragerunde fürs Publikum. Diese Gelegenheit wird rege genutzt. Jemand will wissen, was die Kandidaten von einem Elternforum halten – als Bindeglied zwischen Eltern und Lehrperson. Bänziger antwortet, er habe selber schon daran gedacht. Als Schulpräsident würde er die Idee weiterverfolgen. Auch Jung befürwortet eine solches Forum, allerdings müssten die Kompetenzen klar geregelt sein.

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