Kasse klingelt dank Post

POSTNETZ ⋅ Die Schliessung von Poststellen wird vielerorts kritisiert. Die Umwandlung in Agenturen hat aber auch Vorteile: Dorfläden wie jene in Tübach und Staad profitieren vom neuen Service.

TAGBLATT /Lisa Wickart

Der in Staad ein Paket abholen möchte oder einen Brief verschicken will, geht nicht in die Post, sondern in den Volg. Seit rund zwei Jahren ist in die Filiale eine Postagentur integriert. Eine Poststelle existiert nicht mehr in der Gemeinde: Sie konnte nicht kostendeckend geführt werden. Mit dem Umbau des Poststellennetzes wächst die Bedeutung der Postagenturen. Diese dürfen zwar weniger Dienstleistungen anbieten – vor allem im Zahlungsverkehr –, haben dafür aber oft längere Öffnungszeiten. Die Betreiber schliessen mit der Post Verträge ab, in denen das Angebot und die Entschädigungen dafür festgeschrieben werden.

«Für die Mitarbeiter war die Umstellung zu Anfang gross», sagt Arbenore Thaqi, Filialleiterin von der Volgfiliale in Staad. Sie hätten sich dann aber schnell an die neue Aufgabe gewöhnt. Der neue Service sei eine Abwechslung im Arbeitsalltag. Die Umstellung hat sich gelohnt: Laut Thaqi verzeichnet das Geschäft seither eine Umsatzsteigerung. Wer wegen eines Briefs oder Pakets komme, kaufe meist auch etwas im Geschäft. Die Postagentur sorgt für ein grösseres Angebot. Als Vorteil gegenüber wachsenden Discounterketten wie Denner und Aldi sieht Thaqi dies nicht: «Discounter sind sowieso keine Konkurrenz für uns», sagt sie. Als Konkurrenz sieht Thaqi Fachgeschäfte wie Bäckereien oder Konditoreien. Kunden der Volgfiliale kämen in erster Linie wegen der Nähe und dem Kundenkontakt in das Geschäft. Besonders ältere Leute lobten die Dienstleistung. «Es ist viel praktischer, die Post im Dorf abzuholen, anstatt extra nach Thal oder Rorschach fahren zu müssen», sagt die Filialleiterin.

«Eine Absicherung für die Zukunft»

Auch Regula Eschenmoser schätzt die Zusammenarbeit mit der Post. «Es ist für beide Partien eine Win-win-Situation», sagt sie. In ihrem Dorfladen in Tübach gibt es seit Februar eine Postagentur. «Wir konnten durch die Agentur neue Kunden gewinnen», sagt sie. Natürlich gebe es Leute, die nur einen Brief abgeben und dann verschwinden. Viele würden jedoch auch etwas im Laden kaufen.

Der neue Service im Dorfladen generiere nur eine kleine Umsatzsteigerung: «Die Einnahmen heben sich durch den höheren Aufwand mehrheitlich auf.» Zurzeit sei ein höherer Umsatz aber auch nicht die erste Priorität: Das Geschäft sei seit Jahren finanziell konstant. Es gehe mehr darum, den Einwohnern einen zusätzlichen Service bieten zu können. Eschenmoser sieht eine im Laden integrierte Postagentur als Chance für Ladenbesitzer: «Es ist eine Absicherung für die Zukunft.» Die neue Aufgabe sei zur richtigen Zeit gekommen. «Man muss mit der Zeit gehen», sagt sie. Eschenmoser merke zudem, dass der neue Service im Dorf geschätzt werde. Der Laden bleibe bei den Einwohners mehr im Gespräch.

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