In der Arche kommt die Kunst aus dem Moment

TAGBLATT

Der Zauber beim Improtheater ist immer der unerwartete Überraschungsaugenblick. So war das Kulturkommissionsteam zunächst verblüfft über den Zuschaueraufmarsch am Samstagabend in der Arche Tübach. Knapp hundert Personen sind zu dieser ersten Veranstaltung, dem Gastspiel der Theatergruppe Improgress aus Wil, im grossartig renovierten Arche-Foyer erschienen.

Nachdem sich die Gruppe vorgestellt und die Theaterform charakterisiert hatte, prasselten die Vorschläge der Besucherinnen und Besucher nur so auf die Schauspieler herein: Metzger, Fahrerflucht, Bahnhofbänkli, Händewaschen, Zwiebeln schälen, Liebesszene, Telefonkabine, Best of Velopumpe, wer hat Gott erfunden, wie viele Knöpfe hat ein Schwiizer-Örgeli und viele mehr.

Das Nervige in der Beamer-Kabine entsorgen

War ein Thema bestimmt, entstand aus dem Stegreif eine Geschichte durch Spontaneität und gegenseitige Inspiration der Improspielerinnen und -spieler. Die sogenannte «Beamer-Kabine» war auch unter den Inputs. Eine Kabine, in die man alles, was nervt, wehtut oder unangenehm ist, hineinwerfen und für immer entsorgen kann. So etwa eine schwierige Prüfung samt Lehrerin, einen korrupten Diktator, eine launenhafte Nachbarin oder einen uneinsichtigen Verkehrsteilnehmer. Aus dem Nichts heraus Theater zu spielen – dramatische Szenen ohne ausgeschriebenen Dialoge – ist keine leichte Aufgabe. Sie wurde aber von den Laienschauspielern des Improgress-Theaters einzigartig, spannend und humorvoll bewältigt.

Die Klosterfrauen sind weg

Als Zugabe quasi kam ein spontaner, überraschender Bezug zu Tübach auf die Bühne: «Die Scholastika-Nonnen sind ausgezogen.» Über die plötzlich abhandengekommenen Ordensschwestern und das leere Chlösterli entstand ein virtuoser Abschiedssong. Textlich gefühlvoll mit einer wunderbaren Gitarrenbegleitung. Gleichzeitig war es auch der Abschied der Theatertruppe aus Wil.

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