In Alben und Archive geschaut

Gewähren einen Blick in das Tübacher Leben von früher: Fredi Kurth (l.) und Notker Angehrn mit Projektleiterin Birgit Koster Schöb.

 

Mit über 30 Tübachern haben Fredi Kurth und Notker Angehrn geredet, um Episoden aus dem einstigen Bauerndorf zusammenzutragen. Entstanden ist das Buch «Tübacher Geschichten». Am Samstag wurde es vorgestellt.

 

Ein Raunen geht durch die Reihen der voll besetzten Mehrzweckhalle Tübach. Eben haben die Zuschauer gehört, dass einer von ihnen Arm in Arm mit einer fremden Frau im Dunkeln des Dorfes gesichtet worden war. Die Frau war soeben ins «heilige Ritual» eines Wirtshausbesuchs eingeführt worden und musste sich auf dem Nachhauseweg vom Mann, Bruno Erni, stützen lassen. Wenig später ist das Geheimnis gelüftet: Die Geschichte hatte sich 2003 zugetragen, als Kommandant Erni sich erfrecht hatte, eine Frau in die Tübacher Feuerwehr aufzunehmen. «Das war damals etwa so schlimm, wie eine Frau zum Papst zu ernennen», sagt Fredi Kurth. Er sitzt auf der Bühne und liest aus dem Buch «Tübacher Geschichten» vor. «Fremdgehen auf Ernis Art» ist eine der über 30 Geschichten, welche die ehemaligen «Tagblatt»-Redaktoren Kurth und Notker Angehrn zusammengetragen haben. Vergangenen Samstag wurde das Werk der ­Öffentlichkeit vorgestellt.

Bubenstreiche und Glücksschwein Frieda

Während zweier Jahre hatten Kurth und Angehrn mit alteingesessenen Tübacherinnen und Tübachern, aber auch mit Zu- und Weggezogenen Gespräche geführt, in deren Familienarchive und Fotoalben geschaut. Begleitet wurden sie dabei von Birgit Koster Schöb, Gemeinderätin und Vorsitzende der Kulturkommission, die das Projekt geleitet und das Buch fotografisch illustriert hat. Entstanden ist ein über 200-seitiges Werk, in dem nicht etwa Zahlen und Fakten zur Dorfentwicklung, sondern vielmehr «Emotionen, Erlebtes und Geträumtes» im Vordergrund stehen, wie Gemeindepräsident ­Michael Götte in seinem Vorwort schreibt. So erfahren die Leser etwa von Bubenstreichen und deren Konsequenzen, vom Zutrittsverbot der Tübacher Kinder in der Badi Horn, vom Schwein Frieda, das von einem Patienten der «Trinkerheilstätte» Mühlhof ausgeführt wurde, oder wie sich die Ordensschwestern des Josefshauses um einen Verdingbub gekümmert haben. Aber auch von Schicksalsschlägen, etwa von Kindern, die durch die Spanische Grippe Anfang des 20. Jahrhunderts zu Waisen wurden.

«Vieles durften wir nicht schreiben»

«Die meisten Geschichten haben mich überrascht», sagt Kurth nach der Buchvorstellung beim Apéro. Es sei interessant gewesen, so viele Persönlichkeiten ­anzutreffen, die das Dorf und dessen Charakter geprägt hätten. Die Arbeit am Buch, sagt Birgit Koster Schöb, habe sie den Leuten nähergebracht.

Und Notker Angehrn räumt ein: «Wir haben auch vieles ­gehört, was wir nicht niederschreiben durften.» So seien etwa Krankheiten, Familienzwiste, Scheidungen oder politische Themen ausgespart worden.

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