Hopfen von nebenan

BRAUKUNST ⋅ Der Rorschacher Bierbrauer Andreas Müller hat in Goldach Hopfen angepflanzt. Damit ist seine Brauerei eine der wenigen, die in der Schweiz Hopfen anbaut. Bis er ernten kann, muss er sich aber noch gedulden.

TAGBLATT/Jolanda Riedener

Man sehe halt leider noch nicht viel, warnt Andreas Müller vor. Der Braumeister der Rorschacher Brauerei Kornhausbräu hat vor einigen Wochen 36 Hopfenpflanzen auf einem kleinen Grundstück in Goldach angepflanzt. Es regnet in Strömen, als er die zwei Reihen an je 18 Pflänzchen präsentiert. Ein Stumpf, vereinzelt ein grünes Blatt. Bambusstecken hat er in die Erde gedrückt, an denen sie in die Höhe klettern sollen. Das kalte Wetter der vergangenen Woche setzte auch den Sprösslingen zu

Entstanden sei die Idee, eigenen Hopfen anzupflanzen, im Rahmen der Vorbereitungen auf das zehnjährige Bestehen der Brauerei im September. «Für die Festdekoration wollten wir Hopfensträucher verwenden», sagt Müller. So habe man sich nach einem Grundstück umgesehen. Da die Pflanzen mit bis zu fünf Metern recht hoch werden, sei das nicht ganz einfach gewesen. «Ausserdem wollten wir längerfristig planen, da die Pflanzen bis zu 50, 60 Jahre alt werden können», sagt Müller. An der Schuppisstrasse gedeihen die Pflanzen nun neben einem Schulungszentrum und würden deshalb niemanden stören.

«Würde sich ein Bauer aus der Region für den Hopfenanbau begeistern, wär das toll», sagt Müller. Bestimmt hätten auch andere Brauereien Interesse und würden den Hopfen beziehen. Obwohl er regional braue, sei nur das Wasser von hier, den Rest müsse er aus dem nahen Deutschland beziehen.

Hoffen auf viele weibliche Blüten

 

Das Klima am Bodensee eigne sich gut, vor allem auf der Deutschen Seeseite gebe es viele Anbaugebiete für Hopfen – Deutschland ist der grösste Hopfenpro­duzent. An Drähten soll das Hanfgewächs einmal in die Höhe schiessen «Bis zu 30 Zentimeter am Tag können sie wachsen», sagt Müller. Für das Bier werden die weiblichen Hopfenblüten verwendet. Bisher bezieht der Braumeister seine Hopfenblüten gepresst oder als Ganzes. «Wenn man sie etwas reibt, kommt der würzig-herbe Geschmack zum Vorschein. Daran könnte ich dauernd riechen», schwärmt Müller. Ziel ist es, bald mit dem eigenen Hopfen brauen zu können. «Es ist wie bei den Rüebli im eigenen Garten. Die eigenen schmecken einfach besser als die vom Laden.» Regionalität sei auch den Kunden immer wichtiger geworden. Geerntet werden können die Blüten nach der ersten Saison allerdings noch nicht. In der zweiten Saison werden die langen Sträucher über dem Boden abgeschnitten und die Blüten aufwendig von der Pflanze gezupft.

Er habe viele Ideen und probiere gerne Neues aus. Vor einiger Zeit habe sich der ausgebildete Malzmeister detailliert mit der Idee einer eigenen Mälzerei beschäftigt. Da das Malz so aber dreimal mehr kosten würde, musste er sich von der Idee wieder verabschieden. Vom ersten Bier mit dem eigenen Hopfen hat Andreas Müller bereits klare Vorstellungen: «Wir werden den Hopfen ohne Lagerung gleich nach der Ernte verwenden.» Das gebe dann ein Frischhopfenbier, ein Pils, und damit ein sehr hopfenbetontes Bier. «Bestimmt werden die Hopfenpflanzen bald ausschiessen», ruft ihm die Nachbarin aufmunternd zu.

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