Hilfreiches Stück Tübach in Indien

HILFSWERK-JUBILÄUM ⋅ Im zehnten Jahr unterstützt der Verein SolidarAndhra gut 500 Waisen, Hörgeschädigte und HIV-Kranke in Indien. Aus einer privaten Aktion des Tübacher Ehepaars Aeberhard wuchs ein dauerhaftes Werk.

TAGBLATT/Fritz Bichsel

Im Tübacher Mehrzweckgebäude, wo der Verein 2007 gegründet worden war, treffen sich vierzig Mitglieder zu zehnten Hauptversammlung. Der Auftritt von zwei jungen Frauen, die in der Schweiz das Erbe ihrer Ahnen mit traditionellem indischem Tanz und Gesang pflegen, zeigt: Die Zusammenarbeit ist auch kulturell bereichernd. Wie Präsident Josef Aeberhard im Jahresbericht hielten durch die Jahre viele Helfer fest: Für ehrenamtlichen Einsatz im Projekt in Indien wurden sie entschädigt durch wertvolle menschliche Begegnungen und bewussteren Blick auf die glücklichen Lebensumstände in der Schweiz.

Als grössten Bereich ermöglicht SolidarAndhra Waisenkindern in der Region des Projekts im Südteil von Indien den Besuch der Schule. Wenn möglich leben diese bei Angehörigen. Dann finanziert der Verein das Schulgeld und Material. Waisenkindern ohne Angehörige bezahlt er auch Essen und Unterkunft. Derzeit erhalten in diesem Bereich gut 400 Kinder Hilfe. Selber führt der Verein eine Schule für Hörbehinderte. Diese besuchen rund 70 Kinder. Als dritter Ast wuchs in jüngerer Zeit Unterstützung für HIV-kranke Witwen mit Selbsthilfegruppen und Abgabe von Lebensmitteln. In diesem Programm sind etwa 70 Frauen.

«Das Projekt in dieser Grösse langfristig sichern»

Für Unterricht und Administration beschäftigt der Verein Einheimische. Zusätzlich leisten ­immer wieder Leute aus der Schweiz Einsätze während einiger Wochen oder Monate. «Wir wollen nicht gross wachsen, sondern das Werk in dieser Grösse und mit diesen Bereichen konsolidieren, damit es langfristig gesichert bleibt», sagt Josef Aeber­hard. Der Vorstand und weitere Helfer arbeiten ehrenamtlich. So kommen die Spenden von Mitgliedern und weiteren Freunden des Werks voll den Bedürftigen in Indien zu. Im vergangenen Jahr waren das gut 130000 Franken. Insgesamt kam schon gegen eine Million Franken zusammen. In Indien ist das viele Millionen wert. Das Werk geht jedoch über finanzielle Hilfe hinaus. «Ziel von SolidarAndhra ist es, bei der einheimischen Bevölkerung das Bewusstsein zu fördern, dass auch Behinderte und sozial benachteiligte Menschen ein integraler Bestandteil der indischen Gesellschaft sind», erläutert Josef Aeberhard im Jahresbericht. Die Botschaft an sie laute: «Schaut, dies ist eigentlich eure Aufgabe – SolidarAndhra möchte einfach Starthilfe geben.»

Vom Praktikum zum Hilfswerk

Alles begann, als Hedy und Josef Aeberhard aus Tübach nach der Pensionierung Einsatz in einem Hilfsprojekt in Indien leisteten. Das packte sie so, dass sie in einer armen Gegend (damals im Bundesstaat Andhra Pradesh, inzwischen im davon abgetrennten Bundesstaat Telangana) ein eigenes Projekt aufbauten. Aus ihren Mitteln und mit Spenden von Freunden unterstützten sie anfänglich zwanzig Kinder. Daraus wuchsen der Verein mit Mitgliedern in der Region und weit herum bis nach Basel und das heute vielfach grössere Werk. Wie Aeberhards damals leistete jetzt Claudine Dierauer einen dreimonatigen Einsatz im Projekt. Sie berichtet von eindrücklichen Erlebnissen – und arbeitet nun als zusätzliches Mitglied im Vereinsvorstand mit. Anstelle von Heinrich Lüthi, der aus dem Vorstand zurücktrat, können die Mitglieder Vreni Rüdisüli wählen.

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