Günstig in Mörschwil, teuer in St. Gallen

In den meisten Gemeinden des Kantons St. Gallen müssen die Strombezüger im nächsten Jahr nicht tiefer in die Tasche greifen. Allerdings gibt es grosse Preisunterschiede zwischen einzelnen Gemeinden.

TAGBLATT / Marion Loher

Die Nachbargemeinden St. Gallen und Mörschwil haben ausser ihrer geographischen Nähe nicht viel gemeinsam. Die Stadt St. Gallen ist flächenmässig grösser, zählt mehr Einwohner, hat einen höheren Steuerfuss – und verlangt mehr für den Strom. Viel mehr, wie ein Blick auf den aktuellen Strompreisvergleich der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (Elcom) zeigt.

Eine St. Galler Familie beispielsweise, die in einem 5-Zimmer-Haus mit Elektroherd, Elektroboiler und Tumbler wohnt und jährlich 7500 Kilowattstunden Strom verbraucht, bezahlt nächstes Jahr 18,95 Rappen pro Kilowattstunde oder 1421 Franken jährlich. Damit ist St. Gallen die teuerste aller 77 Gemeinden im Kanton. Den günstigsten Strom gibt es in der Nachbargemeinde Mörschwil. Hier bezahlt dieselbe Familie im nächsten Jahr nur 12,29 Rappen pro Kilowattstunde oder 922 Franken jährlich.

Grosse Preisunterschiede zeigen sich auch anderswo im Kanton. In Uznach beispielsweise kostet der Strom 18,65 Rappen, beim Nachbarn Gommiswald knapp 4 Rappen weniger. In Rorschach muss die Beispielfamilie 18,58 Rappen pro Kilowattstunde oder 1394 Franken jährlich hinblättern, Tübach hingegen verlangt 12,32 Rappen pro Kilowattstunde oder 924 Franken im Jahr.

Die Strompreise setzen sich gemäss Elcom aus den Netzkosten, den Energiepreisen, der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) sowie den Abgaben und Leistungen an die Gemeinwesen zusammen. Die Gründe, weshalb die Preise innerhalb eines Kantons derart variieren, sind vielfältig und oft eine Mischung aus mehreren Komponenten. Deshalb kann Stefan Burri – er leitet bei der Elcom die Abteilung Preise und Tarife – nicht im Detail sagen, woran es bei einzelnen Gemeinden liegt. «Grundsätzlich aber», so der Experte, «kostet zum einen die Netznutzung nicht in allen Gemeinden gleich viel.» Diese unterschiedlichen Kosten seien auf topographische Gegebenheiten des Versorgungsgebietes, auf anderes Konsumverhalten der Strombezüger und Effizienzunterschiede der Netzbetreiber zurückzuführen. Zum anderen spielten die Steuern und Abgaben an die Gemeinwesen eine wesentliche Rolle, sagt Burri, denn diese würden nicht nur kantonal, sondern auch national stark variieren. «Es gibt kommunale Werke, die von ihren Endverbrauchern keine oder tiefe Gebühren verlangen.» Zu den Abgaben an das Gemeinwesen gehören beispielsweise Konzessionsabgaben oder lokalpolitische Energieabgaben.

In den meisten Gemeinden des Kantons St. Gallen sinken die Strompreise nächstes Jahr. Der kantonale Durchschnitt liegt bei 15,85 Rappen pro Kilowattstunde oder 1189 Franken – auf das Beispiel 5-Zimmer-Haus mit Elektroherd, Elektroboiler, Tumbler und einem Stromverbrauch von 7500 Kilowattstunden jährlich bezogen. Das sind 5,7 Prozent weniger als in diesem Jahr. Im nationalen Vergleich gehört St. Gallen zu jenen Kantonen mit den günstigeren Stromtarifen. Im Thurgau kostet es etwas mehr (16,15), in Appenzell Innerrhoden 14,24 und in Ausserrhoden 14,29. Am wenigsten bezahlt man im Kanton Wallis, nämlich 13,72 Rappen pro Kilowattstunde, in Zürich mit 13,87 sind es 0,15 Rappen mehr. Am höchsten sind die Preise 2017 in Basel-Stadt, dort kostet eine Kilowattstunde 24,02 Rappen.

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