Götte lässt Zug nach Bern sausen

Tübachs Gemeindepräsident Michael Götte steigt überraschend nicht ins Rennen um einen Sitz im Nationalrat ein. Der SVP-Fraktionschef will sich und vor allem seiner jungen Familie einen erneut zeitaufwendigen Wahlkampf ersparen.

Es ist bitterkalt im Januar 2012 und es liegt Schnee auf den Strassen. Das hindert SVP-Kantonsrat Michael Götte nicht daran, rund um den Kanton St. Gallen zu joggen. Schliesslich will er beweisen, dass er für einen Sitz in der Regierung die nötige Ausdauer mitbringt. Nicht die einzige Strapaze, die sich der heute 36-Jährige damals antut. Wahlveranstaltungen, Podiumsdiskussionen und zahlreiche mediale Auftritte folgen.

Drei Kinder und ein Haus

Im Regierungsrat sitzt Michael Götte heute nicht; Fredy Fässler (SP) machte das Rennen, doch mittlerweile hat sich seine Situation entscheidend verändert. Im Herbst hat seine Frau Andrea das dritte Kind zur Welt gebracht; und kurz vor Weihnachten hat die Familie Götte ihr neues Eigenheim in Tübach bezogen. «Ein Nationalrat ist jährlich neben weiteren Sitzungen viermal drei Wochen en bloc in Bern. Deshalb habe ich mich gefragt, ob es für mich nun der richtige Zeitpunkt dafür ist. Und ich bin zum Entschluss gekommen, dass er es nicht ist. Ich habe die Chance, auch in vier Jahren in den Wahlkampf um einen Nationalratssitz einzusteigen», sagt Götte, der damit an der Nominationsversammlung der SVP des Kanton St. Gallen vom 21. Januar nicht als Kandidat präsentiert wird.

Müller mit Doppelmandat

In erster Linie erklärt Michael Götte seinen Verzicht damit, dass er sich nun hauptsächlich und mit grosser Freude seiner jungen Familie widmen werde, doch spricht er bezüglich der Nationalratswahl vom 18. Oktober dieses Jahres auch von einer schwierigen Ausgangslage. Bei vier Bisherigen, die sich wieder zu Verfügung stellen, seien die Chancen für neue Kandidaten nicht besonders gross. Und nur als 1. Ersatz für seinen Parteikollegen und Nationalrat Thomas Müller zu fungieren, falls dieser den Sprung in den Ständerat nicht schafft, sei nicht befriedigend. «Ich hätte Vollgas geben müssen, um einen fünften Platz für die SVP St. Gallen im Nationalrat zu erkämpfen, was meiner Meinung nach auch durchaus möglich wäre, doch für einen derart aufwendigen Wahlkampf fehlt mir aus den erwähnten Gründen die Motivation; auch wenn mir meine Frau ihre Unterstützung bereits signalisiert hat.» An der Motivation, weiterhin politisch tätig zu sein, fehlt es ihm aber keineswegs, wie der Fraktionschef der sitz-stärksten Partei im St. Galler Kantonsrat betont. Er schliesst denn auch nicht aus, dass er am 28. Februar 2016 nochmals einen Anlauf wagt, einen Sitz im Regierungsrat St. Gallen zu ergattern. Obwohl abzuwarten sei, wie sich die Situation bis dahin entwickle. Götte fehlt es auch nicht an Angeboten, sich als Kandidat für das Präsidium grösserer Schweizer Städte zur Verfügung zu stellen. Dies schliesst er momentan aber ebenso aus, wie sich um das Amt des Stadtpräsidenten in Rorschach zu bemühen, wo Thomas Müller je nach Ausgang der Eidgenössischen Wahlen ersetzt werden müsste. Allerdings fügt Götte mit einem Lächeln «Sag niemals nie» an.

In Tübach nochmals antreten

Würde er heute gefragt, ob er sich im Herbst nochmals für das Amt des Gemeindepräsidenten zur Wahl stellen werde, würde er ja sagen, so Götte. «Wir haben in Tübach viele gute Projekte wie zum Beispiel die Bebauung Hermet oder die Schulhaus-Erweiterung umgesetzt, doch ich würde mich freuen, wenn ich im Dorf auch bei den spannenden noch anstehenden Aufgaben wie Dorfwiese, familienergänzende Betreuung, Raumplanung oder Seebus-Anschluss aktiv mitarbeiten kann.» Mitarbeiten wird Götte neben seiner Tätigkeit als Gemeindepräsident (50 Prozent) auch weiterhin bei der FC St. Gallen Event AG. Und weil er daneben in Kommissionen tätig ist und Wirtschaftsmandate inne hat, ist klar, ihm wird es auch ohne Nationalrats-Wahlkampf nicht langweilig werden.

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