Giftige Unbekannte

ABFALL ⋅ Einmal im Jahr entsorgt eine externe Firma in Tübach Sondermüll: Einwohner bringen Laugen, Säuren und Medikamente. Dabei ist längst nicht das drin, was drauf steht.

 

Farben, Lacke, Laugen, Lösungsmittel, Medikamente, Schädlingsbekämpfer – solche Gifte gehören nicht in den Kehricht oder in die Kanalisation. Einmal im Jahr, immer während der Olmazeit im Oktober, gibt es in Tübach einen Sammeltag für genau solche Stoffe. Bereits einige Minuten vor der Öffnung um 16 Uhr haben sich am Mittwoch knapp zehn Tübacherinnen und Tübacher bei der Mehrzweckhalle eingefunden. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Marktstand, ist ein Container der Firma Thommen Furler, die mit dem Last­wagen in der ganzen Schweiz Sondermüll einsammelt und schliesslich entsorgt, beziehungsweise weiterverarbeitet.

Das Entsorgungsangebot, wofür die Gemeinde Tübach aufkommt, ist gefragt: Wäschekörbe voller Flaschen und Dosen werden zur Entsorgung gebracht. Die beiden Mitarbeiter der Sonderentsorgungsfirma mit Sitz im Kanton Bern haben alle Hände voll zu tun. Sie tragen Schutz­brillen, Handschuhe und feste Schuhe. Ersatzkleidung haben sie immer dabei, sollte doch einmal etwas daneben gehen.

Eine Einwohnerin bringt eine Flüssigkeit in einer PET-Flasche zum Entsorgen: «Keine Ahnung, was da drin ist.» Oft sei auch nicht das in den Flaschen, was drauf steht, sagt einer der Mitarbeiter von Thommen Furler.

Deshalb muss er bei jeder Flüssigkeit den PH-Wert bestimmen: Er tränkt die Flüssigkeit in ein Stück eines Testbands und vergleicht danach die Verfärbung mit seiner Skala. Manchmal testet er die Flüssigkeit auf Brennbarkeit. Bei der unbekannten, durchsichtigen Flüssigkeit in der PET-Flasche handelt es sich aber nicht um Gift: «Ist etwa so sauer wie eine Cola», sagt der Experte.

Besonders aufpassen müsse man bei Ammoniak, Salzsäure oder Javelwasser. Je nach Säuregehalt werden die Flüssigkeiten in Tanks geleert und die Behälter entsorgt. Pulver wird separat aufbewahrt: «Da kann man nie wissen.» Beinahe ein ganzes Fass ist mit Batterien von der Entsorgungsstelle beim Tübacher Werkhof gefüllt. Gemäss Werkhofleiter Franz Koller komme es hier und da vor, dass giftige Flüssigkeiten neben dem Entsorgungscontainer für Glas abgestellt werden. In anderen Gemeinden können Gifte das ganze Jahr hindurch abgegeben werden, für Tübach lohne sich das nicht. Für die ­Lagerung von Chemikalien und Giften gebe es ausserdem besondere Sicherheitsmassnahmen.

Bevölkerung schätzt Sondermüll-Sammeltag

Eine Anwohnerin lädt gleich mehrere Kübel Farbe aus dem Kofferraum ihres Autos aus: «Ich finde das einen super Service. Wir haben vor einiger Zeit unser Haus neu gestrichen, davon ist noch ­einiges übrig geblieben.» Manchmal würde jemand auch Elektroschrott oder Munition zur Entsorgung bringen. Das nimmt die Firma aber nicht im Lastwagen mit. Auch, weil Elektrogeräte zu viel Platz brauchen würden.

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