Gemeinden dürfen ihre Bauzonen behalten

Nach neuem Raumplanungsgesetz dürfen die Bauzonen nur noch dem Landbedarf der kommenden 15 Jahre entsprechen. Die St. Galler Regierung hat nun die neue Strategie zur Raumplanung vorgelegt. Die Region Rorschach kann aufatmen, keine Gemeinde muss auszonen. Bauland bleibt aber eine knappe Ressource.

TAGBLATT / Corina Tobler

Für 31 Gemeinden im Kanton birgt die neue Strategie zur Raumplanung schlechte Nachrichten – sie haben mehr Bauland eingezont, als sie unter Annahme eines mittleren Bevölkerungswachstums innert 15 Jahren brauchen werden. Die Folge: Sie müssen wieder auszonen, falls der Richtplan in der vorgeschlagenen Form bewilligt wird (Ausgabe von gestern, Ressort Ostschweiz). Die Gemeinden der Region Rorschach sind davon aber nicht betroffen.

Eng am Limit bewegte sich Rorschacherberg. «Wir sind die Gemeinde mit den grössten Baulandreserven. Am Auszonen sind wir glücklicherweise knapp vorbeigeschrammt», freut sich Gemeindepräsident Beat Hirs. Illusionen dürfe man sich aber nicht machen. «Zusätzliche Einzonungen sind praktisch unmöglich.»

Erneuern statt Grün verbauen

Das gilt nicht für die übrigen Gemeinden. Sie alle dürfen noch kleinere Flächen einzonen. Wenig Spielraum hat die Stadt Rorschach als stark überbauter Ort mit kleinster Fläche im Kanton. «Bei uns handelt es sich nur noch um Restflächen sowie zwei Wiesen oberhalb der Sekundarschule und unterhalb des Stella Maris, die eingezont werden könnten», sagt Stadtpräsident Thomas Müller. Dafür bestehe aber keine hohe Dringlichkeit, im Gegenteil: «Mit der Einzonung dieser Flächen würden wir den Druck von der dringend nötigen Erneuerung im Stadtkörper nehmen, weil das Bauen auf grüner Wiese einfacher ist als ein Abriss alter Gebäude mit darauffolgendem Neubau.»

Kein Lidl beim A1-Zubringer

In Goldach ist genügend Spielraum für alle grösseren Projekte, die auf absehbare Zeit anfallen könnten. «Die geplante Einzonung beim Grünhof ist mit mehreren Auszonungen im Rahmen der Revision des Ortsplans kompensiert», sagt Gemeindepräsident Thomas Würth. Die zweite Etappe Grünhof liege noch in sehr weiter Ferne. Das dritte Projekt hängt von der Realisierung des A1-Zubringers ab. «Oberhalb der Bahnlinie rühren wir die Zonen aber trotz vorliegender Begehren nicht an, bis klar ist, wann und wie der Zubringer kommt. Denn einstöckige Lidl-, McDonald’s- oder Hornbach-Filialen müssen wir dort unbedingt vermeiden. Die Umgebung des Zubringers wird das neue Tor zur Stadt am See, und dieses vernünftig zu gestalten ist eine der wichtigsten flankierenden Massnahmen des Projekts. Umsetzen können wir sie», so Würth.

Untereggen wartet ab

Thal und Untereggen dürften noch je eine Hektare einzonen, ohne mit Auszonungen kompensieren zu müssen. «Damit sind grössere Überraschungen ausgeblieben», sagt Thals Gemeindepräsident Robert Raths. Konkrete Pläne für weitere Einzonungen liegen allerdings ebenso wenig vor wie in Untereggen, wo sich Gemeindepräsident Norbert Rüttimann bewusst ist, dass eine zusätzliche Hektare Bauland auf 15 Jahre hinaus wenig ist. «Daher warten wir erst ab, bis die Rahmenbedingungen feststehen, um das Land dann für Untereggen möglichst sinnvoll einsetzen zu können.»

Kantonsrat soll mitreden dürfen

Auch in Tübach sind noch kleine Einzonungen möglich, doch Gemeindepräsident und SVP-Kantonsrat Michael Götte beschäftigt etwas anderes. «Aufgrund des Bevölkerungsszenarios, das die Regierung annimmt, würde Tübach bis 2040 um 124 Einwohner wachsen. Die heute geplanten Bauten bringen aber schon innert weniger Jahre mehr Leute.»

Dies werfe die Frage auf, ob nicht der Kantonsrat beim Setzen der strategischen Eckpunkte für den Richtplan mitreden können sollte. Götte ist Mitglied der vorberatenden Kommission Richtplan, die kommende Woche die Strategie der Regierung diskutieren und entsprechende Anträge ans Parlament formulieren wird.

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