Früher sagte ihr die Fasnacht nichts, heute ist Andrea Götte Schnitzelbänklerin.

Humorvoll, aber nicht peinlich, so soll Cliquenfasnacht für Andrea Götte sein

Für die ehemalige Nichtfasnächtlerin Andrea Götte ist die Tübnacht ein wichtiges Kulturereignis. Am Freitag hat sie mit ihrer Clique gesagt, was es zu sagen gab. Nun ist wieder ein Jahr Ruhe vor ihren Lästerzungen.

Mit spitzen Zungen und schrägen Tönen sind gestern die Cliquen durch Tübachs Beizen gezogen. Gehörig Munition dabei hatte auch das Trio Schüfeli und Bäseli. Nun ist das Pulver verschossen, für ein Jahr sollte wieder Ruhe im Dorf sein.

«Ich bin keine geborene Fasnächtlerin. Früher hat mir die Fasnacht nicht viel gesagt», sagt Andrea Götte, eine der drei Frauen der Tübacher Clique Schüfeli und Bäseli. Das änderte sich im Jahr 2009, als die gebürtige Eggersrieterin zum ersten Mal eine TübNacht hautnah miterlebte. Sie war neu in Tübach und ging mit ihrem Lebenspartner Michael Götte zum ersten Mal an die Dorffasnacht. Für den jungen Gemeindepräsidenten stets ein Pflichttermin, wo es kein Kneifen gab, vor den berüchtigt und gefürchteten spitzen Zungen der Tübacher Cliquen. Obwohl die Zuzüglerin die Zusammenhänge und Dorfgeschichten noch nicht ganz begriff, wurde der Abend für das junge Paar sehr lustig. Michael Götte versäumte danach beinahe das Mittagessen, wo er seine zukünftigen Schwiegereltern kennen lernen sollte. Heute noch erinnern sich die beiden schmunzelnd an diese Geschichte, die wie durch ein Wunder den Tübacher Cliquen entgangen ist.

Arbeiten, wo andere Ferien machen

Der Weg nach Tübach, wo Andrea Götte mit ihrem Mann Michael und den Kindern Elina (3), Xeno (4) und Alexis (6) lebt, führte die heute 41-jährige Berufs- und Familienfrau von Eggersriet zuerst ins Ausland. Dank ihrer Sprachbegabung bekam die junge Frau einem Traumjob, – in Griechenland und anderen Feriendestinationen, wo sie einige Jahre als Reiseleiterin für Kuoni arbeitete. Nach weiteren Auslandstationen kam sie zurück in die Schweiz, wo sie im Berner Oberland im Businesstourismus tätig war. Als es sie nach dem langen Auslandsaufenthalt 2007 zurück nach St. Gallen zog, war ihr Bekanntenkreis geschrumpft. Doch mit ihrer offenen und sympathischen Art fand die Heimkehrerin schnell wieder Freunde. Als sie an einem Businessanlass noch Michael Götte kennen lernte, war sie endgültig wieder in der Heimat angekommen.

Den drei Schnitzelbänklerinnen entgeht nichts, was im Dorf abgeht oder schiefläuft. Nachdem sie zuerst gehörig Staub aufgewirbelt haben, wischen sie den Dreck danach allerdings wieder weg, nach dem Motto: Schwamm drüber, vergessen ist die Sache. Und die Tübacher haben Ruhe vor ihnen bis zur nächsten Fasnacht, wo das Trio eventuell noch ein bisschen böser daherkommen könnte.

Dass auch ihr Mann, der Gemeindepräsident für seine Ausrutscher herhalten muss, ist für Andrea Götte klar. Sie beide nehmen es sportlich: «Das gehört einfach dazu, wenn man eine Person öffentlichen Interesses ist. Das muss man ertragen können. Und Michael nimmt das locker. Wir hatten noch nie Probleme deswegen.» Es ginge generell darum, abzuwägen, über welche Episoden an der Fasnacht geredet werden soll oder bei welchen es nicht angebracht sei. «Wir wollen niemanden blossstellen. Die Verse sollten lustig, nicht peinlich sein», sagt Götte. Sie betont, wie wichtig es ihnen ist, niemanden zu beleidigen, sondern einfach Spass zu machen nach dem Motto: «Mit einem Augenzwinkern auf ein Missgeschick aufmerksam machen».

Immer genug Material für die Tübnacht

Für ein Jahr haben die Tübacher wieder Ruhe vom spitzzüngigen Trio Schüfeli und Bäseli. Die Aufmerksamkeit von Andrea Götte gehört wieder ganz ihrer Familie, ihrem Beruf und ihren Hobbys. Zu locker sollte man es aber nicht nehmen. Getratscht wird immer im Dorf. Und was nicht offiziell die Runde macht, erfahren die Cliquenfrauen bestimmt von ihren Agenten. Deren Augen entgeht nichts. Wer die Informanten sind, ist allerdings streng geheim. Die Tübacher können aber sicher sein, dass sie ihre Arbeit gut machen und es auch kommendes Jahr wieder viel zu lachen gibt an der Tübnacht.

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