«Er geht sowieso bald wieder»

Mit knappem Vorsprung wurde Michael Götte vor zehn Jahren im Alter von 25 Jahren zum Gemeindepräsidenten in Tübach gewählt. Eine Zeit, in der er Siege und Niederlagen erfuhr. Weitere zehn Jahre wird er das Amt nicht mehr besetzen.

TAGBLATT/Christoph Renn

Sein Zeitplan ist straff: In St.Gallen trifft sich Michael Götte mit den Mitgliedern der kantonalen Finanzkommission. Über Mittag gibt er Interviews. Dann unterbricht eine Nachricht den durchorganisierten Tagesablauf des SVP-Politikers: Seine Tochter hat Grippe. Somit heisst es für Götte in die Vaterrolle zu schlüpfen und nach seiner Tochter zu schauen, da seine Frau ebenfalls beruflichen Verpflichtung nachgehen muss. Wenige Stunden später stimmt er wieder über wichtige Punkte in der Finanzwelt des Kantons ab. «Die Familie kommt immer an erster Stelle», stellt Götte klar. Was aber nicht bedeute, dass er sich als Gemeindepräsident nicht mit Herzblut für das 1329-Seelen-Dorf Tübach einsetze – nun schon seit zehn Jahren.

Das Postfach bleibt leer

Begonnen hat die politische Karriere von Michael Götte im Jahr 2000 in Steinach, als er die Ortspartei der SVP gründete. Mit 22 Jahren wurde er in den Kantonsrat gewählt und mit 25 Jahren trat er das Amt als Gemeindepräsident von Tübach an – mit sehr knappem Vorsprung. Was auf ihn zukommen wird, wusste er damals noch nicht im Detail. «Ich erinnere mich an meinen ersten Arbeitstag, als wäre er gestern gewesen», sagt Götte. «Ich sass in meinem neuen Büro vor meinem neuen Computer und wusste nicht, was ich nun tun sollte.» Das Postfach war leer, auf dem Desktop seines Computers leuchteten nur Standardprogramme auf. «Doch dann ging alles Schlag auf Schlag. Die ersten Sitzungen wurden gehalten und die ersten Projekte angegangen», sagt er. Immer unter den wachsamen Augen seiner Kritiker, die er alleine wegen seines jungen Alters unbestritten hatte. «Ich fühlte mich unter Druck und musste mich beweisen. Viele dachten wohl: <Der geht sowieso bald wieder>». Dem war und ist aber nicht so.

Einmal hätte Götte gerne seinen Bürostuhl in Tübach weitergegeben. Nämlich als er für die Regierung kandidierte, aber nicht gewählt wurde. «Zur Zeit bin ich froh, muss ich den Wahlkampf in die Regierung aktuell nicht bestreiten. Diese Zeit war sehr anstrengend.» Aber Michael Götte weiss auch, dass er nicht seine ganze politische Karriere in Tübach verbringen möchte. «Es gibt mehrere Varianten für die Zukunft», sagt er. Er könne sich vorstellen, nochmals einen Versuch zu unternehmen, in die Regierung zu kommen. Oder bei den nächsten Nationalratswahlen anzutreten. «Als Nationalrat wäre eine Kombination mit dem Gemeindepräsidium möglich.» Das Präsidium in einer anderen Gemeinde zu übernehmen, schliesse er nicht ganz aus, aber er poche auf eine der beiden erstgenannten Varianten.

Weitere Jahre in Tübach geplant

Vorerst bleibt er den Tübachern aber treu erhalten. «Ich werde sicher nochmals zur Wahl und hoffentlich zu einer weiteren Amtsdauer antreten.» Wie lange er Gemeindepräsident in Tübach bleibe, könne er momentan jedoch nicht genau sagen. «Ich denke, dass ich höchstwahrscheinlich mehr als die Hälfte meiner Zeit in Tübach verbracht habe.» Und in dieser Zeit hat er die Gemeinde geprägt. Da wären unter anderen Projekten die Überbauung Hermet, die bald fertig ist; oder der Schulhausausbau, der 5,2 Millionen Franken gekostet hat. In naher Zukunft stehen die Zentrumswiese an und die Regelung der Kindertagesstätte. Langweilig wird es Michael Götte also sicher nicht. Auch weil er nebst der Gemeinde noch andere Ämter besetzt. «Als ich Anfang Jahr meine neue Aufgabe als Leiter kantonaler Politik bei der Industrie und Handelskammer St.Gallen-Appenzell übernahm und wieder vor einem leeren Desktop sass, fühlte ich mich an meinen ersten Tag in Tübach erinnert.»

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