Elterntaxis werden auch in Tübach zum Problem

Elterntaxis entwickeln sich in der Region Rorschach zur Plage. Nun reagiert auch die Gemeinde Tübach. Massnahmen vor dem Schulhaus sollen Elterntaxis eindämmen und die Sicherheit erhöhen.

TAGBLATT

Noch fünfzehn Minuten, bis der grosse und der kleine Zeiger auf der Kirchturmuhr auf der Zwölf stehen. Es ist ein warmer, trockener Sommertag in Tübach. Aus dem Schulhaus kommen die ersten Kinder, sie nehmen die Rutsche neben der Treppe und machen sich auf den Nachhauseweg. Auf der Kirchstrasse, zwischen Schulhaus und dem Seniorama, stehen Elterntaxis bereit, mit denen einige der Kids von der Schule abgeholt werden. Eine Mutter hat ihren weissen Kleinwagen auf dem Trottoir geparkt. Die Türe ist offen und versperrt den Weg. Schülerinnen und Schüler müssen auf die Strasse ausweichen.

Ein Vater, selber Lehrer, aber nicht in seiner Wohngemeinde Tübach, holt seine beiden Kinder von der Schule ab. Zu Fuss versteht sich. Er beobachtet die Szenerie und versteht die Welt nicht mehr. «Es gibt meiner Meinung nach keinen plausiblen Grund dafür, um seine Kinder mit dem Auto von der Schule abzuholen. Schon gar nicht in Tübach, wo die Wege ja sehr kurz sind», sagt er.

Tempo 30 und Hindernisse werden diskutiert

Eine Meinung, die auch Schulpräsident Philipp Bänziger und Gemeindepräsident Michel Götte teilen. Allerdings haben ihre Appelle an die Eltern schulpflichtiger Kinder nicht gefruchtet. Zu Beginn oder am Ende der Unterrichtszeiten fahren nach wie vor Elterntaxis vor. Die Strasse überquerende Schulkinder können so von Verkehrsteilnehmenden nur schwer rechtzeitig wahrgenommen werden. Laut Mitteilungsblatt hat die Schulkommission den Gemeinderat daher ersucht, die zunehmende Problematik der Elterntaxis vor dem Schulhaus zu überprüfen und geeignete Massnahmen vorzuschlagen. Eine Besprechung mit der Kantonspolizei im Dezember 2017 habe ergeben, dass der Fussgängerstreifen vor dem Schulhaus schlecht frequentiert sei und nur von sehr wenigen Primarschülern benutzt werde. Der Gemeinderat habe nun auf Antrag der Kantonspolizei beschlossen, den Fussgängerstreifen vor dem Schulhaus zu entfernen und gleichzeitig ein Parkfeld vor dem Friedhof-Zugang einzuzeichnen. Der Rat hoffe, dass die Übersicht vor dem Schulhaus dadurch verbessert wird und das Abstellen von Elterntaxis direkt vor der Schule eingedämmt werden kann. «Wir hoffen wirklich, dass die Massnahmen fruchten. Wir wollen nämlich kein generelles Verbot aussprechen und appellieren nach wie vor an den gesunden Menschenverstand der Eltern», sagt Philipp Bänziger.

Ebenso wie der Schulpräsident, verweist auch Michael Götte darauf, dass es sich um eine erste Massnahme handelt. «Die Umsetzung von Tempo-30-Zonen ist ein Legislaturthema des Gemeinderates. Wir können uns beim Schulhaus auch verkehrsberuhigende Hindernisse vorstellen. Es ist also gut möglich, dass wir die Massnahmen dort noch ergänzen.» Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen hat bereits bei anderer Gelegenheit gesagt, dass die Polizei es nicht begrüsse, wenn Eltern ihre Kinder zur Schule fahren. «Auf dem Schulweg machen die Kinder erste wichtige Erfahrungen im Umgang mit dem Verkehr, wenn sie etwa selbstständig Strassen überqueren müssen.»

Bild: Ein Elterntaxi biegt in die Kirchstrasse beim Schulhaus in Tübach ein. Ein anderes hat eine Mutter auf dem Trottoir geparkt und blockiert dadurch den Weg für die Schulkinder, die zu Fuss gehen.

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