Einigkeit statt Rededuell

Moderate Entwicklung des Dorfs
Gleich zu Beginn will Bruno Gschwend wissen, wo sich die beiden in der politischen Landschaft einordnen. Tamara Urech legt sich nicht fest. Sie will nicht «schubladisiert» werden, ihre Interessen seien breit gestreut. Adrian Weiersmüller sieht sich politisch in der Mitte und zählt auf eine Frage aus dem Publikum spontan alt Bundesrat Adolf Ogi zu den Politikern, mit denen er sympathisiere. «Weil er politisiert hat, ohne seine Zugehörigkeit zur SVP in den Mittelpunkt zu stellen.» Weiersmüller ist Inhaber der Garage Weiersmüller in Tübach, möchte seine Politik aber nicht nur auf die Interessen des Gewerbes ausrichten. Dennoch werde sich der 33-Jährige für den Erhalt der hiesigen Betriebe einsetzen – etwa des Dorfladens oder der Post. Dies erachtet auch Tamara Urech als wichtig. Sie schätzt den Dorfcharakter und spricht sich für eine moderate Entwicklung der Gemeinde aus. «Wir dürfen uns nicht von heute auf morgen verdoppeln», sagt die 26-Jährige. Tübach sei überschaubar und «sympathisch». Das soll so bleiben, findet auch Weiersmüller. Was beiden aber fehlt, ist eine ÖV-Verbindung nach Goldach.
Energiefonds beibehalten
Wer am 28. September das Rennen macht, ist künftig für das Ressort Technische Betriebe zuständig. Ein Bereich, der beide sehr interessiert – und bisher immer in Männerhand war. Tamara Urech, die Bewegungswissenschaften studiert hat, schreckt das nicht ab. Im Gegenteil: «Auch Frauen sind für technische Bereiche geeignet.» Zwar sei sie mit den Aufgaben noch nicht vertraut, aber gewillt, sich das Wissen anzueignen. Den Energiefonds, in den jährlich 50 000 Franken zur Steigerung der Energieeffizienz eingelegt werden, wollen beide beibehalten. «Energie ist ein hohes Gut. Damit müssen wir bewusst umgehen», sagt Weiersmüller. Urech pflichtet ihm bei. Zudem sei es wichtig, die Bevölkerung über erneuerbare Energien zu informieren. «Laut Statistiken wird weltweit nur 20 Prozent des Bedarfs mit erneuerbarer Energie gedeckt», sagt Urech. «Da gibt es Potenzial – auch in kleinen Gemeinden.»
Vorsichtig bei heiklen Themen
Bei heiklen Themen halten sich die Kandidaten zurück. So beantwortet Weiersmüller die Frage, wie er zu einem Ausbau des Asyl-Busses von Eggersriet nach Rorschach zu einem Linienbus stehe, mit: «Das muss man zuerst genauer anschauen.» Dieselbe Antwort gibt Urech auf die Frage, ob man das Läuten der Kirchenglocke einschränken soll. Jemand fragt zudem nach dem Stellenwert der Tübacher Vereine. Wieder sind sich die Kandidaten einig. Vereine seien unverzichtbar und leisteten wichtige Arbeit. Sowohl Urech als auch Weiersmüller versprechen, sich für diese einzusetzen.

Die einzige Schweizer Meisterin im Rudern

«Jung, dynamisch, sportlich» – so beschreibt sich Tamara Urech selber in drei Worten. Die 26-Jährige hat Bewegungswissenschaften an der ETH Zürich studiert und ist heute im Aussendienst für Medizinprodukte tätig. Seit zwei Jahren wohnt Tamara Urech in Tübach, aufgewachsen ist sie in Rorschach. Dort war sie Juniorentrainerin im Seeclub und wirkte für kurze Zeit auch in dessen Vorstand mit. Sie hat sich im Rudersport einen Namen gemacht: 2005 und 2006 wurde Tamara Urech Schweizer Meisterin im Rudern. Heute betreibt sie es nur noch als Hobby, genauso wie Jogging und Krafttraining.

Der Jungunternehmer mit Goldacher Wurzeln

Wohnen und Arbeiten in derselben Gemeinde – das bedeutet für Adrian Weiersmüller Lebensqualität. Deswegen will er sich im Gemeinderat für den Erhalt von ortsnahen Betrieben einsetzen. Der 33-Jährige ist Inhaber und Geschäftsführer der Garage Weiersmüller AG in Tübach. Hier lebt der gebürtige Goldacher seit über sieben Jahren. Vor einem Jahr wurden er und seine Ehefrau Claudia Eltern. Adrian Weiersmüller engagiert sich im Tübacher Gewerbeverein sowie in der Goldacher Feuerwehr. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit Biken, Reisen und mit seiner Familie.