Dorfteil ohne Weg zu Kirche und Schule?

In der Diskussion um ein neues Dorfkern-Quartier auf der Tübacher Zentrumswiese rücken Abweichungen von Bauregeln und die Verkehrserschliessung in den Mittelpunkt. Umstritten ist ein Weg beim Pfarrhaus, der auch zu Kirche und Schule führen würde.

TAGBLATT / Fritz Bichsel

Strenge Woche für Tübacher: Nach Bürgerversammlung und Dorfbank-GV kommen gegen hundert Besucher auch zur Information über den «Gestaltungsplan Zentrumswiese». Dies, obwohl nicht abgestimmt wird, sondern nur Direktbetroffene Einsprache erheben können.

Thomas Aepli, der 2014 eine andere Überbauung forderte, wünscht doch ein Referendum. Das ist im Kanton St. Gallen nicht möglich: Die Bürger bestimmten mit dem Zonenplan bereits, dass hier Mehrfamilienhäuser gebaut werden, und die Gemeinde verlangte ein besonderes Projekt. Nun dürfen und müssen die privaten Eigentümer so bauen.

Architektin Astrid Haller und Raumplaner Thomas Eigenmann, die mit der Tübacher Ortsplanung seit Jahrzehnten vertraut sind, erklären: Die Zentrumswiese ist seit 20 Jahren eine Bauzone zur Erweiterung des Dorfkerns samt der Bedingung, dass von üblichen Regeln abweichende Vorschriften die «ortsbaulich vorzügliche Gestaltung» von Bauten und Umgebung sicherstellen und öffentliche Interessen berücksichtigt werden.

Zum Plan führte ein Wettbewerb. Architekt Andy Senn als Sieger zeigt, dass er sich an Bestehendes in Tübach hielt: ein Platz wie bei «Löwen» und Gemeindehaus, Häuser mit Umschwung, öffentliche Wege durch das ganze Dorf. Trotzdem sollen die 70 angestrebten Wohnungen in Häusern von üblicher Höhe Platz haben. Deshalb wählte er Flachdachbauten – gegen Nachbarhäuser nur dreigeschossige, gegen Kirche und Schulhaus viergeschossige.

Streit um Weg beim Pfarrhaus

Marko Muzek wehrt sich als Präsident der Kirchgemeinde gegen den geplanten Weg beim vermieteten Pfarrhaus. Rat und Kirchbürger hätten dem Gemeinderat mehrmals gesagt, das sei für sie keine Option. Gemeindepräsident Michael Götte verteidigt den Weg als Verbindung zwischen Plätzen, zu Geschäften in der Überbauung und zum Postauto. Denkbar wäre der Weg auch einige Meter ostwärts über den Kirchplatz, dann aber an der Leichenhalle vorbei. Er soll so oder so auch aus der neuen Siedlung führen: zur Kirche und abseits der Durchgangsstrasse zum Schulhaus. Falls die Kirchgemeinde Einsprache erhebt, wird in einem Rechtsstreit geklärt, ob Fussgänger beim Pfarrhaus gehen dürfen, an der Leichenhalle vorbei müssen oder keinen direkten Weg vom neuen Dorfteil zu Kirche und Schule erhalten.

Die Bürger beschäftigen weitere Verkehrsfragen: Wegen Einfahrt in die Tiefgarage ab der Durchgangsstrasse von und zur Autobahn und Bushaltestelle auf der Fahrbahn befürchten sie noch mehr Gefahren und Stau.

Was anders wird als üblich

Zu den Bauten zeigt die Information, was ohne Gestaltungsplan käme: Im Westteil dürften die Häuser um ein Attika- oder Dachgeschoss höher werden, im Ostteil müsste das vierte Voll- in ein Attika- oder Dachgeschoss verkleinert werden. Der lange Bau Richtung Kirche müsste in zwei Häuser aufgeteilt werden, von denen eines wohl dort zu stehen käme, wo im Plan der öffentliche Platz festgelegt ist. Räume, Platz und Wege für die Öffentlichkeit könnten nicht vorgeschrieben werden.

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