Die Schönheit abbilden

Jasmin Villiger aus Tübach studiert bildende Kunst in San Francisco. Am kommenden Wochenende stellt die Künstlerin ihre Werke an der Grafik16 in Zürich aus. Die 27-Jährige über die Malerei, Selbstvertrauen und ihre Ziele.

TAGBLATT/Linda Müntener

Ihren wohl grössten Fan hat Jasmin Villiger bereits gefunden. Es ist ihr Vater. In seiner Wohnung in Tübach hängen zahlreiche Bilder der jungen Künstlerin. Jedes ist ein Blickfang, aus jedem spricht die Leidenschaft der 27-Jährigen. Am kommenden Wochenende stellt Jasmin Villiger ihre Werke an der Grafik16 in Zürich aus. Die Ausstellung ist hierzulande die grösste Werkschau für Grafik und Design (siehe Kasten). Ein wichtiger Termin für die 27-Jährige – und ein wegweisender.

Von Tübach nach San Francisco

Seit einem Jahr lebt die Tübacherin in San Francisco. Dort studiert sie bildende Kunst an der Academy of Art University. Gemalt habe sie eigentlich schon immer, sagt Jasmin Villiger. Die künstlerische Veranlagung liegt in der Familie. Die Mutter malt ebenfalls, der Vater fotografiert. Jasmin Villiger hat die Gestalterische Berufsmaturitätsschule (GBMS) in Zürich besucht und währenddessen sowie einige Jahre danach als kaufmännische Angestellte bei einer Rückversicherung gearbeitet. Obwohl sie aus ihrem privaten Umfeld immer wieder Komplimente für ihre Kunst erhielt, blieb diese vorerst Hobby und Ausgleich. «Ich war nie wirklich von meinem Talent überzeugt», sagt Jasmin Villiger. «Für mich war das Malen etwas völlig Normales.»

Während eines Amerika-Urlaubs fuhr sie schliesslich zufällig an der Academy of Art University in San Francisco vorbei. Bereits ihr ehemaliger Kunstlehrer und Künstler Dr. Mark Staff Brandl hatte ihr diesen Weg empfohlen. «Das war ein Zeichen», sagt sie und lächelt. Kaum hatte sie den Campus betreten, stand für sie und ihre Familie fest: «Wir versuchen es.»

Selbstvertrauen dank Studium

Heute, rund ein Jahr später, ist Jasmin Villiger mit ihrer Entscheidung zufrieden. Sie wisse zu schätzen, welche Möglichkeiten sich ihr dank der Unterstützung ihrer Eltern bieten. Ein Privileg, das andere talentierte junge Leute nicht hätten. «Dafür bin ich sehr dankbar.» Jasmin Villiger schwärmt vom Leben in San Francisco, von der Offenheit der Amerikaner und von der zweiten Familie, die sie dort gefunden hat. Das Studium sei zwar anstrengend, und sie habe viele Nächte durcharbeiten müssen. Dafür profitiere sie sehr viel von ihren Lehrpersonen. Ausserdem kann sich Jasmin Villiger im Studium erstmals mit anderen jungen Künstlern vergleichen. Dabei hat sie gemerkt: «Ich bin gut.» Diese Erkenntnis habe ihr viel Selbstvertrauen gegeben. Selbstvertrauen, das die Tübacherin braucht, wenn sie sich als Künstlerin einen Namen machen will.

Der Mensch im Mittelpunkt

In diesem Jahr werde sie sich entscheiden, ob sie weiterhin aktiv malt oder beruflich in eine andere Richtung im Kunstbereich gehen wird. Die Grafik16 ist dabei eine wichtige Station. An der Ausstellung will die 27-Jährige spüren, ob bei einem breiten Publikum überhaupt Interesse an ihren Bildern besteht. «Wenn ich das Malen zum Beruf machen sollte, will ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen können», sagt Jasmin Villiger. Irgendwann finanziell unabhängig zu sein, ist der jungen Frau wichtig. Dafür sucht sie derzeit eine Galerie, die sie und ihre Kunst repräsentiert. Jasmin Villiger hofft, an der Grafik16 solche Kontakte zu knüpfen. Sie bietet in der Maag Halle nicht nur ihre Bilder zum Verkauf an, sie zeichnet auch live vor Publikum.

Die Künstlerin arbeitet traditionell mit Pinsel und Leinwand. In ihren Bildern vereint sie Realismus mit abstrakten Elementen. Und noch etwas haben alle ihre Werke gemeinsam: Der Mensch steht im Mittelpunkt. «Es fasziniert mich, wie unterschiedlich die Charaktere der Menschen sind», sagt Jasmin Villiger. Jeder Mensch ist ihrer Meinung nach schön – unabhängig von der Herkunft, der Religion oder der Hautfarbe. Diese Schönheit will sie in ihren Porträts abbilden. «Wenn ich mit meinen Bildern beim Betrachter Emotionen auslösen kann, gibt mir das unglaublich viel zurück.»

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