Die drahthaarige Spürnase

Eine Meldung versetzte Facebook-Nutzer in helle Begeisterung: Ein Personensuchhund der Kantonspolizei St. Gallen hat einen 77-jährigen Vermissten aufgespürt. Ein Besuch bei Lupo und seinem Chef.

TAGBLATT / Christoph Fust

«Tolle Leistung», «Gut gemacht» oder «Herzliche Gratulation» – dies sind nur einige der Kommentare auf der Facebook-Seite der Kantonspolizei St. Gallen. Die lobenden Worte gelten Polizeihund Lupo, der zusammen mit Hundeführer Peter Rohner am Ostersonntag in einem Wald in Tübach einen verletzten 77-jährigen Spaziergänger aufgespürt hatte.

Bis gestern Abend wurde die Polizeinachricht auf Facebook über sechshundertmal gelikt, geteilt oder kommentiert. Mediensprecher Gian-Andrea Rezzoli kann die positiven Reaktionen verstehen: «Alles, was mit Tieren zu tun hat, ist bei den Nutzern sehr beliebt. Ob es nun um einen Polizeihund geht oder um Tiere, die die Polizei retten konnte.»

Gelehrig und kontaktfreudig

Peter Rohner ist Technischer Leiter beim Polizeihundeführer-Verein St. Gallen-Appenzell und der Besitzer von Lupo. Er freut sich, dass durch solche positiven Beispiele die Wahrnehmung der Polizeiarbeit profitiere. Ausserdem sei es ein schönes Geburtstagsgeschenk – gerade gestern wurde Lupo acht Jahre alt.

Lupo sieht zwar zum Knuddeln aus und lässt sich auch problemlos streicheln. Als Drahthaar-Vizsla gehört er aber zu einer ungarischen Jagdhunde-Rasse. Diese gilt als sehr gelehrig und kontaktfreudig. Zum perfekten Personensuchhund wird der Drahthaar-Vizsla aber vor allem wegen seiner empfindlichen Nase. Bis zu 60-mal pro Jahr rückt Peter Rohner mit Lupo aus. Meist ist dies spät nachts, wenn Angehörige von vermissten Personen die Polizei um Unterstützung bitten. Rohner ist immer wieder fasziniert von den Fähigkeiten seines Lupos. «Ich habe mit ihm schon Spuren gefunden, die bis zu einem Monat alt waren», sagt der Rorschacherberger. Im polizeilichen Alltag sei aber ein Zeithorizont von zwei bis drei Tagen realistischer. Lupo spürt Personen anhand von Hautschuppen auf, die der menschliche Körper konstant verliert. Manchmal ist diese Spur jedoch lückenhaft, im Falle des Vermissten in Tübach beispielsweise wurde sie durch einen Bach unterbrochen. Endstation ist für Lupo auch, wenn die vermisste Person in ein Auto oder einen Zug gestiegen ist. «Nur in einem von zehn Fällen findet der Hund die vermisste Person», sagt Rohner. In diesen Fällen liefert er aber immerhin ein wichtiges Mosaiksteinchen für die weiteren Ermittlungen.

Lupo hat zum Beispiel vor einem Jahr die Spur des Liechtensteiner Banker-Mörders Jürgen Hermann verfolgt, bis sich diese am Ufer des Rheins verlor. Die meisten Einsätze sind aber weniger heikel. «Lupo war noch nie in einer gefährlichen Situation», sagt Rohner.

Gefährliches Vertrauen

Peter Rohner ist bereits seit 31 Jahren Polizeihundeführer und betreibt diese Arbeit als einziger in der Ostschweiz vollamtlich. Nebst Lupo gehören ihm noch zwei weitere Polizeihunde. Er verbringt praktisch 24 Stunden am Tag mit ihnen und ist für Einsätze immer erreichbar. Der enge Kontakt mit den Hunden schaffe Vertrauen, sei aber auch gefährlich, sagt Rohner. «Lupo zum Beispiel ist wahnsinnig anhänglich, er will einem alles zuliebe tun.» Darum müsse er aufpassen, dass er nicht zu schnell nachgebe. «Bei einer Suche muss ich Lupos Verhalten lesen, nicht er meines», sagt Rohner. Für ihn sind Hunde ein wichtiges Instrument in der Polizeiarbeit. «Der Hund ist momentan durch kein Mittel vollständig ersetzbar.» Die moderne Technik liefere zwar immer bessere Unterstützung, aber an die Hundenase komme sie eben nicht heran.

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