Der Gipfel des schlechten Geschmacks

Sich absichtlich schlecht zu kleiden, ist gar nicht so einfach. Das wird einem bewusst, wenn man zum ersten Mal eine Bad-Taste-Party besucht. Deren Motto: Je schlimmer man aussieht, desto besser. Erst nach gefühlten Stunden vor dem Spiegel steht das Outfit.

Ein Jeanskleid, darunter ein Holzfällerhemd, Strumpfhosen, dicke Wollstulpen in Norweger-Optik und pinke Turnschuhe. Wenn das mal nicht so richtig bescheuert aussieht…

Mit Slip oder Krone

Doch die Ernüchterung in der Tübacher Mehrzweckhalle, wo die Bad-Taste-Party der Rorschacher Guggenmusik Gassärassler stattfindet, kommt schnell. «Du bist ja gar nicht <bad taste>», findet eine junge Frau, die sich neckisch einen Slip über die Hose gezogen hat. Ihr Begleiter mit Dreikönigskuchen-Krone auf dem Kopf pflichtet ihr bei. Über guten Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten – offensichtlich auch über schlechten. So stuft sich ein anderer Besucher mit Muskelshirt in neongrün, Sonnenbrille und kariertem Hut durchaus als mottokonform ein. Das kritische Urteil einer Frau im Hawaiihemd: «Am Ballermann würde das noch gehen.»

Spass steht im Mittelpunkt

Ob schrill, schräg oder einfach nur kunterbunt – die Partygänger übertrumpfen sich im lächerlichen Aussehen. Das beschert ihnen nicht nur ein Gratisgetränk, sondern trägt auch spürbar zur ausgelassenen Stimmung bei. Hemmungslos wird auf den Festbänken getanzt, geschunkelt und den Guggen auf der Bühne applaudiert. Auch jene Gäste, die nicht im Bad-Taste-Outfit erschienen sind, amüsieren sich sichtlich. «Wir wollen, dass die Leute heute abend einfach Spass haben», sagt Severin Piller, Präsident der Gassärassler. Wie oft die Guggenmusik das Fest noch organisieren kann, sei aber ungewiss. Einerseits weil die Formationen zunehmend mit Nachwuchsproblemen kämpfen, andererseits weil die Fasnachtstradition in der Region nicht verankert ist. Umso wichtiger sei es deshalb, den Leuten immer wieder etwas Neues zu bieten.

Die Trendsetter von morgen?

Das Bad-Taste-Motto kommt bei den Partygästen jedenfalls an. Nach zwei Stunden ist die Halle voll. Zugegeben, trotz all der Modesünden schaffen es einige tatsächlich, stilvoll auszusehen – irgendwie. Schliesslich sagte schon der französische Modeschöpfer Pierre Cardin einst: «Ich bin nie mit der Mode gegangen. Ich habe sie gemacht.» Und wer weiss, vielleicht sind die modischen Tiefflieger aus Tübach ja die Trendsetter von morgen.