Den Dorfcharakter wahren

BÜRGERVERSAMMLUNG ⋅ Der Schutz des Tübacher Ortsbilds bewegt das Dorf. «Betonblöcke» in Quartieren und die geplante Überbauung im Zentrum geben am Mittwoch zu reden. Dass sich Tübach verändert, gefällt nicht allen.

TAGBLATT/Linda Müntener

Während andernorts Bürgerversammlungen keine Massen anlocken, ist die Tübacher Mehrzweckhalle am Mittwochabend gut besetzt. Es stehen zwar keine aussergewöhnlichen Traktanden an, dennoch sind 139 Stimmberechtigte erschienen. Das macht eine vergleichsweise hohe Stimmbeteiligung von 14,5 Prozent. Sogar die Gästereihe ist voll besetzt. Gemeindepräsident Michael Götte kann jedes Jahr auf eine stattliche Zahl Stimmbürger zählen. Die Tübacher wollen sie mitbestimmen, die Zukunft ihres Dorfes. Denn dieses verändert sich. Und das gefällt nicht allen.

Tübach wächst. Nicht nur bevölkerungstechnisch, auch baulich. «Ich spreche für viele Einwohner», meldet sich ein Votant. Sie beobachten die Bautätigkeit im Quartier Ruheberg mit Sorge, sagt er. «Betonblöcke gehören nicht in ein Einfamilienhausquartier.» Er bezieht sich auf Artikel 6 des Baureglements, wonach Bauten «gut» in die natürliche und gestaltete Umwelt einzuordnen sind. «Die Behörde steht in der Pflicht, unpassende Gesuche abzulehnen», sagt der Mann – und erntet Applaus. Michael Götte zeigt Verständnis. Die Gestaltung von Bauten sei in der Baukommission immer wieder Thema. Man suche das Gespräch mit Bauherren. Den besagten Artikel könne man unterschiedlich interpretieren. Das führe immer wieder zu Einsprachen und letztlich zu Gerichtsentscheiden. «Bauten als qualifiziert hässlich nachzuweisen, ist schwierig», sagt Götte. Die innere Verdichtung sei die Konsequenz des kantonalen Raumplanungsgesetzes. Dieses gebe den Rahmen vor, an den sich die Gemeinde halten müsse. Götte erachtet den Ruheberg ebenfalls als klassisches Einfamilienhausquartier und spricht sich dafür aus, Tübach im Kern so zu belassen, wie es ist. «Wir werden diesen Fall nochmals prüfen.»

Rekurs gegen Zentrumswiese hängig

Der Schutz des Ortsbilds ist ein Dauerthema in der Gemeinde. So auch im Zusammenhang mit dem Grossprojekt Zentrums­wiese. Auf der Dorfwiese soll eine markante Überbauung mit 70 Wohneinheiten entstehen. Das Bauvorhaben ist blockiert. «Der Rekurs ist nun seit eineinhalb Jahren beim kantonalen Baudepartement hängig», sagt Götte. Rekurrentin ist die Katholische Kirchgemeinde Tübach. Deren Vizepräsident Kurt Artho legt die Argumente an der anschliessenden Kirchbürgerversammlung gleich selber dar. «Die geplante Wegführung durch das Gartenareal der Kirche ist nicht tolerierbar», sagt Artho. Ausserdem werde durch die Überbauung der Denkmalschutz der Kirche beeinträchtigt. Den Charakter dieses historischen Dorfteils müsse man erhalten. «Der Gestaltungsplan genügt diesen Anforderungen nicht.» Die Kirchgemeinde stelle sich nicht grundsätzlich gegen Neubauprojekte. «Wir sind keine Verhinderer», betont auch Kirchgemeindepräsident Marko Muzek. «Aber wir wollen ein Projekt, mit dem alle Tübacher zufrieden sind.»

Wann über den Rekurs entschieden wird, ist offen. Das Baudepartement gebe Überlastung als Grund für die Verzögerung an, sagt Michael Götte. Er hofft, dass bis zur kommenden Bürgerversammlung im Jahr 2018 ein Entscheid vorliegt.

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