Bequemer entsorgen geht nicht

Littering ist ein Dauerthema – ein ärgerliches. Dabei gibt es in der Region um St. Gallen Sammelstellen en masse, und kostenlos sind sie erst noch. Ein Augenschein bei der Zingg Industrieabfälle AG. Hier wird Entsorgung leicht gemacht.

TAGBLATT/DANIEL WIRTH

An der Sitter werden nach einer Party verpackte Bratwürste und angesengte Möbel liegengelassen (Tagblatt vom Donnerstag), und Bauern mit Weiden an Landstrassen fürchten um die Gesundheit ihrer Tiere, weil Autofahrer achtlos Aluminiumdosen in die Wiesen werfen (Tagblatt von gestern). Bussen wegen Litterings schrecken Abfallsünder offensichtlich zu wenig ab. Ist es Bequemlichkeit der Konsumenten, ungenügendes Umweltbewusstsein, mangelnde Erziehung und Aufklärung oder Gleichgültigkeit? So oder so: Die illegale Abfallentsorgung ist ein akutes Problem der Gesellschaft in Industrieländern.

Anfahren, ausladen, entsorgen

Die Wiederverwertung von Abfällen ist ein Geschäft. Auch in der Region St. Gallen gibt es Firmen, die sich auf Entsorgung spezialisiert haben. Ein Beispiel ist die Firma Zingg Industrieabfälle AG in Tübach. An der Grenze zu Mörschwil, unmittelbar an der Bahnlinie St. Gallen–Rorschach, steht die Firma, die in den vergangenen Jahren enorm gewachsen ist. Das ehemals zweigeschossige Verwaltungsgebäude wurde um drei Etagen aufgestockt. Dieser Schritt wurde nötig, da die Sozialräume der stetig wachsenden Belegschaft nicht mehr gerecht wurden.

Die Firma Zingg bereitet in ihren Hallen und auf dem Freigelände aber nicht nur Industrieabfälle auf die Wiederverwertung vor, sie nimmt auch Abfälle von Privatpersonen entgegen – vieles ohne Gebühr.

Ein Augenschein: Vor einer grossen Halle mit Gleisanschluss stehen rund ein Dutzend Container mit einem Kubikmeter Inhalt. Ein Auto mit St. Galler Kontrollschildern hält vor den Boxen an. Eine Frau entsteigt dem Wagen. Sie öffnet den Kofferraum. Einen Sack voll mit PET-Flaschen leert sie in einen Container. Danach holt sie einen Harass mit Flaschen aus dem Auto. Grünglas links, braune Flaschen rechts, weisse Konfitüre-Gläser links. Es ist laut auf dem Areal der Zingg Industrieabfälle AG. Jetzt geht die Frau nochmals zum Auto und holt Karton und Papier. Auch das kann sie kostenlos entsorgen. Fertig? Nein. Die Frau geht nochmals zum Auto zurück und holt eine Neonröhre aus dem Fond des Wagens. Auch das Leuchtmittel wird sie hier los – kostenlos. Ganze zwei Minuten brauchte die Frau für die Entsorgung.

Kein lukratives (Klein-)Geschäft

Stefan Müller ist Assistent der Geschäftsleitung der Zingg Industrieabfälle AG. Er sagt, seine Unternehmung, bei der rund 30 Frauen und Männer im Lohn stehen, biete die Möglichkeit der Entsorgung Privatpersonen als Dienstleistung an. Geld verdienen lasse sich damit nicht; das hänge auch mit dem momentan tiefen Preis von Alteisen zusammen. Weissblech- und Aluminiumdosen können ebenfalls gratis entsorgt werden bei der Zingg AG. Auch Leichtmetall wie Bügeleisen oder Velos. Im Moment noch. Über eine Gebühr werde nachgedacht, sagt Müller. Alles, was gratis angeliefert werden könne, werde der Wiederverwertung zugeführt, sagt Müller. Die Mengen, die täglich anfallen, seien unterschiedlich. Beim Papier und beim Karton schätzt Müller die Menge auf sechs bis sieben Kubikmeter pro Tag. Beim Altglas sei es ganz unterschiedlich, genau so bei den Batterien, den Nespresso-Kapseln und dem Elektroschrott.

Kontrollen sind nötig

Das Entsorgen von gebührenfreien und kostenpflichtigen Abfällen ist bei der Zingg AG sehr einfach und bequem. Umso weniger Verständnis hat Stefan Müller für Leute, die Abfälle illegal entsorgen. Die Abgabe von Abfällen durch Private wird bei Zingg mit Kameras kontrolliert. Im grossen und ganzen gebe es wenig Probleme.

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