Bei Sägemehl wird Götte schwach

Beim Sommergespräch mit Tübachs Gemeindepräsident Michael Götte spielen auch die «Bösen» eine Rolle. Das kantonale Schwingfest soll ins Dorf geholt werden. Vorstellen kann er sich den Sprung in die nationale Politik.

Tagblatt / Rudolf Hirtl

Normal tanzt er in Anzug und Krawatte auf vielen Hochzeiten gleichzeitig; ist zu 50 Prozent Gemeindepräsident von Tübach, erfüllt ein 30-Prozent-Pensum bei der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell, ist Fraktionspräsident der SVP im Kantonsrat und beschäftigt sich nebenbei auch noch mit VR-Mandaten, dem Stiftungsratspräsidium und beim FC St. Gallen. Nun lehnt er sich, leger mit Jeans und rotem Poloshirt bekleidet auf dem Ruhberg entspannt an einen Holzpfahl und blickt gelassen hinunter auf «sein» Dorf, dem er seit elf Jahren als Gemeindepräsident vorsteht. Michael Göttes Blick wandert dabei auch zur Zentrumswiese, wo eine grössere Überbauung mit Mehrfamilienhäusern entstehen soll, und lässt Schalk durchblitzen, als er auf die Frage, wann denn dort die ersten Leute einziehen, witzelt: «Wenn der Kanton endlich schneller arbeitet, schon bald.» Tatsächlich dürfte es aber noch eine geraume Zeit dauern, denn was Götte anspricht ist der Umstand, dass ein Rekurs gegen das Projekt nach wie vor beim Baudepartement des Kantons St. Gallen liegt. «Im optimalen Fall würde zumindest der Bewilligungsprozess im kommenden Jahr starten. Dies hängt aber auch davon ab, ob der Rekurs bei einem eventuell abweisenden Entscheid des Kantons an die nächsten Instanzen weitergezogen wird.»

Störende Baueinsprachen

Auch ohne die Überbauung Zentrumswiese kommt der Wohnungsbau in Tübach nicht zum Stillstand. An verschiedenen Stellen wird gebaut, werden Altbauten durch Neubauten ersetzt. «Im Moment läuft bei uns intensiv, was das Stimmvolk wollte, nämlich die Verdichtung nach innen», so der 37-Jährige. Dabei falle auf, dass es viel mehr Einsprachen gebe als bei reinen Neubauprojekten. Dies sei besonders dort störend, wo bestehende Häuser im Zentrum innerhalb des gesetzlichen Rahmens vergrössert werden sollen, zumal ja bei der Abstimmung 2013 vom Volk genau dieses Vorgehen gutgeheissen wurde.

Egal ob Neubau oder sanierter Altbau, in Häusern und Wohnungen wohnen oft Jung und Alt mit- und auch nebeneinander. Dennoch hat Tübach ein Programm gestartet um Alt und Jung weiter anzunähern. Im Dialog mit der Bevölkerung soll das Projekt weiterentwickelt werden und zu einem aktiven Dorfleben beitragen. Dabei spielen Räume und Orte der Begegnung für Jugendliche, Senioren sowie für Familien mit kleinen Kindern eine zentrale Rolle. Stellt sich die Frage, wieso braucht ein 1400-Seelen-Dorf ein derartiges Engagement, spielt bei so überschaubaren Bevölkerungsstrukturen das Miteinander nicht? «Natürlich ist das grundsätzlich eher in städtischen Strukturen ein Bedürfnis, doch es gibt Ansatzpunkte, die auch für Tübach gelten. Bezüglich Jugend besteht etwa heute wieder der Wunsch nach einem Jugendraum. Bei älteren Einwohnern sind beispielsweise Alterswohnungen und der öffentliche Verkehr Bedürfnisse», sagt Götte. Die Ergebnisse von zwei Arbeitsgruppen würden gegenseitig vorgestellt und dem Gemeinderat präsentiert. Daraus werde der Entwicklungsrahmen für die kommenden Jahre gesetzt.

Gemeinsam mitgefiebert haben Jung und Alt dieses Jahr in Tübach beim Schwingfest im Mai. Geht es nach Michael Götte, so kann noch eins drauf gesetzt werden. «Die Überlegungen sind weit fortgeschritten, hier das Kantonal St. Galler Schwingfest durchzuführen.»

Bewerbung fürs Schwingfest

In der kommenden Woche findet die Abschlusssitzung des Schwingfestes vom Mai statt. Findet Göttes Vorschlag dort bei den OK-Mitgliedern die nötige Unterstützung, so wird Tübach im Dezember die Bewerbung für das Kantonale 2018 lancieren. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Tübachs Gemeindepräsident für diese traditionelle Sportart stark macht. Er steht auch jener IG vor, die das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 nach St. Gallen holen will.

Visionen und Pläne hat Götte nicht nur bezüglich Sägemehlringen. Auch bei seiner politischen Arbeit für das Dorf blickt er über die Legislatur hinaus. «Thema wird in den kommenden Jahren etwa die Ortsplanung im Zusammenhang mit dem neuen Baureglement sein. Durch den Wegfall der Ausnutzungsziffer wird beispielsweise künftig innerhalb der einzelnen Parzelle mehr möglich sein. Zur Diskussion stehen auch Sanierungsprojekte für Steinacher- und Schulstrasse. Auch <Fiber to the home>, also die Verbindung von Glasfaserleitungen bis nach Hause wollen wir in den kommenden Jahren realisieren», so Götte. Sanierungsbedarf macht Tübachs Gemeindepräsident auch bei der gegen 50 Jahre alten Mehrzweckhalle aus. Dort soll rechtzeitig gehandelt werden, um nicht plötzlich über einen Neubau sprechen zu müssen.

Nationalrat oder Regierung

Gut angelaufen ist laut Götte die seit Anfang August eröffnete Kita; das Bedürfnis habe sich bestätigt. Und welche Visionen hat der SVP-Politiker für sich selbst? «Mein nächstes persönliches Ziel ist die Wiederwahl im September mit einem guten Resultat», räumt er ein und stellt sich selber laut die Frage, wo ihn sein Weg in hinführen soll. «Ich machte die Arbeit hier in Tübach seit bald elf Jahren und durfte viele spannende Projekte umsetzen. Massiv mehr Herausforderungen bieten mittlerweile auch meine Aufgaben in der kantonalen Politik. Ob mich mein künftiger Weg nun aber in eine andere Gemeinde führt, vielleicht in den Nationalrat bringt, oder ob ich 2019 nochmals einen Anlauf in Richtung Regierung wage – alles ist möglich.»

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