Zwischen Bühne und Büro

Eine kaufmännische Lehre mit Berufsmaturität zu absolvieren erfordert Zeit und Nerven. Die meisten Lehrlinge sind wohl froh, wenn sie sich nach einem Tag im Büro oder in der Berufsschule entspannen können. Nicht so Ivo Dudler, der sich im zweiten Jahr der Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten auf der Gemeindeverwaltung Tübach befindet. Nebst der Arbeit in Tübach und dem Berufsschulbesuch in Rorschach studiert der 17-Jährige auch noch an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Dudler ist Hornist. Seit bald sechs Jahren spielt er Waldhorn. Zuvor hatte er schon drei Jahre Trompete gespielt. Doch als er zum ersten Mal bewusst den Klang eines Horns gehört habe, sei ihm klar geworden, dass dies sein Instrument sei, sagt der Steinacher. Vor einem Jahr habe ihn sein Horn-Lehrer, Enrico Cerpelloni, dann zum Vorstudium an der ZHdK motiviert. Nun musiziert er einmal pro Woche im Unterricht bei seinem Dozenten Mischa Greull in Zürich. Alle zwei Wochen nimmt er zusätzliche Klavierlektionen.

Pragmatisch ans Ziel

Dudler will Berufsmusiker werden. Sein Traumberuf: Hornist in einem Sinfonieorchester. Er sei sich aber der rauhen Bedingungen bewusst, die der Arbeitsmarkt für Berufsmusiker bereithalte. Für eine Stelle in einem Orchester würden häufig über 50 Bewerbungen eingereicht. Deshalb hat sich Dudler nicht für die Kantonsschule entschieden, sondern für die etwas pragmatischere Option der Lehre in Tübach. So werde er eine Ausbildung in der Tasche haben, die ihn absichere, falls der Traum vom Berufsmusiker ins Wasser fallen sollte. Ihm gefalle das KV, sagt er. Die Arbeit sei abwechslungsreich, und er schätze den Praxisbezug auf der Verwaltung. Nach der Lehre möchte Dudler ein Vollzeitstudium beginnen. Die intensive Vorbereitung umfasst tägliches Üben, den Unterricht auf zwei Instrumenten und zusätzliche Blockkurse für den theoretischen Teil der Aufnahmeprüfung. Auch sammelte Ivo Dudler bereits Orchestererfahrungen im Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester. Zudem wird er demnächst in einem Projekt des Hochschulorchesters der ZHdK mitwirken können.

Flexibler Lehrbetrieb

Trotz allen Engagements ist diese Doppelbelastung nur möglich, weil sein Lehrbetrieb Dudler bei der Terminplanung entgegenkommt. Wenn er am Nachmittag nach Zürich in den Unterricht muss oder einen Auftritt hat, kann er die fehlende Arbeitszeit mit Überstunden oder Wochenendarbeit kompensieren. Er schätze diese Flexibilität und wisse, dass dies kaum in jedem Lehrbetrieb möglich wäre, sagt Dudler.

Kein Nachfolger in Steinach

Eine ähnliche Lehrstelle bot auch die Gemeindeverwaltung in Steinach an. Dort ging man aber noch einen Schritt weiter: Die Arbeitszeiten wurden reduziert. So konnte von 2008 bis 2011 der Nachwuchsspieler des FC St. Gallens, Adnan Salihovic, zum kaufmännischen Angestellten ausgebildet werden. In Steinach war ein Weiterführen des Modells geplant. Jedoch habe sich für die Lehrstelle, die auf August ausgeschrieben ist, kein Nachfolgetalent beworben, sagt Gemeindeschreiber Bruno Helfenberger.