«Wirtschaft zum Löwen»: Jacques Nehers Leidenschaften

Verlässt man die Durchgangsstrasse, dann wird Tübach zu einem ruhigen Flecken. Der Abend ist warm, Regen liegt in der Luft. Einige sitzen draussen auf der Veranda. Verträumt liegen Häuser und Gärten, quer durch die Wirtschaft zum Löwen zieht sich eine Spur heller Sonne. Auf dem Nebentischlein und im Wandgestell sind Grappaflaschen aufgereiht. Hundert verschiedene Sorten umfasst diese zweite Leidenschaft von Jacques Neher. Die er, wie seine Frau Gabj sagt, «gerne ein wenig zelebriert».
Das Degustationsmenu
Seit elf Jahren sorgen Jacques und Gabj Neher im kleinen, gemütlichen Lokal für das Wohl ihrer Gäste. Sie tun es mit grosser Freundlichkeit, zusammen mit dem Service, der an alles denkt.
Rasch sind wir uns einig, was die Bestellung angeht: Das Degustationsmenu soll es sein, sechs Gänge zum Preis von Fr. 93.– (ohne Käse-Zwischengang: 85.–). Denn erfahrungsgemäss kommen bei solchen Pauschalangeboten die Stärken eines Kochs besonders zum Ausdruck.
Was uns entgeht
Natürlich hat diese Entscheidung ihren Preis. Wir lassen anderes links liegen. Unter den Vorspeisen zum Beispiel das Rindfleisch-Tatar nach speziellem Rezept (19.50, als Hauptgang 29.50) und den Sommersalat mit gebackenen Käsekugeln an fruchtigem Himbeer-Cassis-Dressing (16.50). Bei den Hauptspeisen etwa den österreichischen Rinds-Tafelspitz (36.50), Straussenfilet- Medaillons auf Eierschwämmliragout (36.50) oder gebratene Riesencrevetten auf hauseigenen Spinatteigwaren (44.50).
Ein Kochbananen-Süppchen!
Begleitet von zwei hervorragenden Weinen aus Niederösterreich – dem zitronig-frischen Chardonnay von Zull aus Schrattenthal (7.50/dl) und der Cuvée Exclusive Reserve von Jordan, Pulkau (7.50) – starten wir mit zartem Vitello tonnato mit Kapernäpfeln, Peperoni und Zwiebeln – und erreichen schon bald den ersten Höhepunkt an Raffinesse: ein Kochbananen-Süppchen mit Lammspiessli. Jacques Neher ist ein Virtuose am Herd, wir merken es spätestens hier. Zur Einstimmung übrigens ist uns im Tontöpflein gebackenes Tomaten-Oliven-Brot gereicht worden – eine Spezialität des Hauses.
Klug dosierte Mengen
Auf das Süppchen folgt ein Stück Tigerwelsfilet auf Erbsenschaum mit schwarzem Risotto. Und dann der Hauptgang: Rindsfiletmedaillon vom Grill mit frittiertem Rucola, geräuchtem Kartoffelstock und Spargel. Es ist ein Genuss, und, wichtig bei diesem Mehrgänger, klug bemessen in seiner Menge.
Die kleine Käseauswahl leitet schliesslich über zur Dessertvariation: Holundersorbet mit einer frittierten Holunderblüte, Erdbeerhalbgefrorenem und gebrannter Crème.
Unser Eindruck: Wer Leben und Sommer geniessen will, der ist gut aufgehoben bei den Nehers. Natürlich gilt diese Feststellung auch für die übrigen Jahreszeiten: Jacques Neher-Lüchinger versteht es, Einfaches sehr natürlich mit Raffiniertem zu verbinden.

Wirtschaft zum Löwen, Tübach Kirchstrasse 9, 9327 Tübach Tel. 071 841 20 42 Jacques und Gabj Neher-Lüchinger www.wirtschaft-loewen.ch Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Samstagmittag geschlossen. Karte: Hauptspeisen Fr. 21.50–44.50