Wenn Bürger nur wünschen dürfen

Tübacherinnen und Tübacher kommen, auch wenn nur Rechnung und Budget auf der Liste stehen. Dass Diskussionen im Vorfeld auch das grösste Bauvorhaben im Dorf als Thema erwarten liessen, trägt wohl bei zur hohen Beteiligung von 17 Prozent der Stimmberechtigten an der Bürgerversammlung.
Petition für Busverbindung
Gemeindepräsident Michael Götte informiert über ein am Vortag eingereichtes Begehren: eine Petition von 60 Personen zu Buskursen. Seit der Aufhebung der Postautolinie 244 sind Goldach und Rorschach im öffentlichen Verkehr nur noch über weite Umwege erreichbar. Das zu ändern, forderte der Gemeindepräsident schon bei der Planung. Aber: Entgegen der Annahme der Petitionäre hob nicht die Gemeinde diese Linie auf. Besteller und Bezahler ist der vom Kanton organisierte Pool. Dieser strich die Kurse Arbon–Rorschach wegen Kosten von 425 000 Franken im Jahr für wenige Fahrgäste, aus Tübach etwa zehn. Kurzfristig sieht Götte Fahrangebote zu bestimmten Zeiten, wenn Einwohner Bedarf melden. Denkbar sei auch ein Ruftaxi. Mittelfristig sei die Ausdehnung der Seebusse von Goldach nach Tübach angedacht.
Kampf um die Dorfwiese
Zur geplanten Überbauung der Dorf- oder Zentrumswiese lancierte Thomas Aepli eine Umfrage. Er und weitere Anwohner vertreten auch an der Bürgerversammlung das Anliegen, nur gemäss den gültigen Bauzonen zu bauen, statt mehr mit einem Gestaltungsplan, oder den Plan zu ändern. Sie kritisieren besonders Flachdächer – was in Tübach sonst abgelehnt werde – und Bauten so nahe an der Strasse, dass eine Busbucht nicht mehr Platz fände. Zudem fordern sie Diskussionsmöglichkeiten für Bürger. Applaus erntet ein Bürger, der Freude ausdrückt: «Dass die Eigentümer nicht im stillen planen, sondern die Einwohner informieren, und nicht einfach den Boden verkaufen – was viel Geld bringen könnte –, sondern selber in Bauten investieren wollen.» Der Gemeindepräsident verweist darauf, dass mit einem Gestaltungsplan auch öffentliche Interessen berücksichtigt werden können – und hier nicht die Bürger zuständig sind, sondern abschliessend der Kanton.
Nicht zu diskutieren geben die offiziellen Geschäfte. Sie werden einstimmig genehmigt: die Rechnung 2013 der Gemeinde mit 260 000 Franken Einnahmenüberschuss, obwohl nicht mehr Steuern eingingen, das Budget 2014 mit einem Fehlbetrag von gut 300 000 Franken bei Ausgaben für 6,1 Mio. Franken und der unveränderte Steuerfuss von 90 Prozent – der zweittiefste kantonsweit.
«Alte Zöpfe abschneiden»
Mit Verweis, «dass wir nicht mehr im Mittelalter leben», unterbreitet ein Bürger das Anliegen, die Kirchenglocken mindestens frühmorgens nicht mehr zu läuten und den Glockenschlag tagsüber zu reduzieren. Dieser Wunsch nach mehr Ruhe ging bereits vorher an den Gemeinderat und von ihm zum zuständigen Kirchenverwaltungsrat.
Einen weiteren «alten Zopf» will ein Anwohner des Dorfbachs abschneiden: Die in den Siebzigerjahren festgelegten Baubeiträge von Grundeigentümern an den Dorfbach seien nicht mehr zeitgemäss. Weil aus dem ganzen Einzugsgebiet Wasser in den Bach geleitet werde, solle die Allgemeinheit auch die Kosten tragen.