Weg vom Schosshund-Image

Die derzeit rund 80 Aktivmitglieder des Pudelclubs Nordostschweiz setzen sich aus allen Alters- und Einkommensgruppen zusammen. Jedes Mitglied hat im Durchschnitt zwei Hunde. «Egal, ob jung oder alt, alle haben das gleiche Interesse», sagt Präsidentin Dora Blöchlinger. Der Pudelclub Nordostschweiz umfasst die Kantone St. Gallen, beide Appenzell, Thurgau und Graubünden. Bei den diversen Vereinsanlässen, wie der Pudel-Weihnacht in der Squashhalle in Tübach, sind die vierbeinigen Mitglieder immer dabei. Da ist es auch nicht schlimm, wenn beim Pudel-Brunch mal eine grosse Portion Speck vom Buffet verschwindet.

Gegenseitige Hilfe
«Wir haben ein reges Vereinsleben und pflegen Freundschaften», so die Präsidentin. Vereinsreisen führten bisher nach Stein am Rhein oder auf die Mainau. Jährlich steht ein Besuch des Walter-Zoos auf dem Programm. Gegenseitige Hilfe wird unter den Vereinsmitgliedern gross geschrieben. Regelmässig finden Informationsanlässe im familiären Rahmen zur Pudelpflege statt. Auch gibt es Scherkurse oder Vorträge von Tierärzten. Beim jüngsten Anlass stand das Thema Zahnpflege auf dem Programm.

An den Pudel-Rennen, die in regelmässigen Abständen auf der grossen Wiese hinter dem Haus der Präsidentin ausgetragen werden, gehen bis zu 50 Hunde an den Start. Bei den Rennen haben die Grosspudel eine Strecke von 100 Metern zu absolvieren, die Mittel- und Zwergpudel eine Strecke von 60 Metern. «Viele kommen auch aus Deutschland und Österreich zum Rennen, wir hatten sogar auch schon mal Teilnehmer aus Australien», so die Präsidentin. An dem Anlass sind auch andere Hunderassen willkommen. Über den See hinweg gibt es seit Jahren gute Verbindungen zu deutschen Pudelclubs. Entsprechend oft finden gegenseitige Besuche und der Austausch von Erfahrungen statt.

Sechsmal zum Coiffeur
Der Club ist dem Schweizer Pudelclub unterstellt, der wiederum Mitglied der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft ist. Vom Mitgliederbeitrag, der sich pro Jahr auf 70 Franken beläuft, fliesst der Grossteil an den Schweizer Pudelclub. Obwohl nur zehn Franken in der Vereinskasse bleiben, macht sich Präsidentin Dora Blöchlinger keine Sorgen um die Finanzen: «Wir haben viele Gönner und Sponsoren.» Im Verein gibt es keine Passivmitglieder.

Revisorin Beatrice Jud schätzt am Pudel die Spielfreude. «Sie sind aufgeweckt, zudem sehr intelligent und gut im Agility.» Allerdings seien diese Hunde nicht gerade billig. «Für einen Pudel fallen je nach Grösse sechsmal im Jahr Kosten zwischen 70 und 140 Franken für den Coiffeur an», sagt Züchterin Silvia Scheurer. Übrigens könne man die anfallende Pudelwolle spinnen und einen Pullover daraus stricken.

Am nächsten mit Wolf verwandt
Beim Begriff Coiffeur fällt die Assoziation mit einem Schosshund nicht schwer. «Pudel haben ein ganz falsches Image, das muss man klar sagen», betont Stephan Scheurer. Der Pudel sei am nächsten mit dem Wolf verwandt, was sich auch am starken Rudelverhalten bemerkbar mache. Wegen ihrer Wolle, unter der sich viel Luft sammeln kann, seien Pudel hervorragende Schwimmer. Früher wurden sie daher auch zur Entenjagd eingesetzt.

Dora Blöchlinger weiss, dass sich Formel-1-Weltmeister Michael Schuhmacher bei einem Züchter in der Region nach einem Grosspudel erkundigt habe. Ob er – hätte er in Wolfhalden bauen können – Mitglied des Pudelclubs geworden wäre? Dora Blöchlinger lacht und sagt: «Das weiss ich nicht. Wenn ja, wäre er aber ein ganz normales Mitglied wie wir alle.»

Stichwort

Pudel
Der Pudel entstand vermutlich aus einer idealen Mischung von Wasserhunden und zotthaarigen Hütehunden. Es gibt Abbildungen aus dem 17. Jahrhundert, die Pudel als Zirkushunde zeigen.1880 wurde in Berlin der erste Standard für den Grosspudel aufgestellt. 1936 wurde der Pudel offiziell als französische Hunderasse anerkannt.