Von der «Krone» in die Pfalz

«Ich bin parat.» Mit diesen Worten tritt Michael Götte ans Rednerpult. Sein Name wird nicht zum erstenmal gehandelt; schon bei früheren Vakanzen in der St. Galler Regierung war der Tübacher Gemeindepräsident jeweils rasch ein Thema. Doch er winkte stets ab – bis gestern. Da hat es gepasst – für ihn und die Delegierten.
Göttes Auftritt ist kein lauter. Seine Präsentation unauffällig, informativ, sachlich. «Ich habe einfach erzählt, wer ich bin und wie ich bin.» Genauso wie er es in den kommenden Wochen bis zu den Wahlen im März tun will – bei den Leuten, auf der Strasse, auf Veranstaltungen.
Politik und Wirtschaft
Wer ist Michael Götte? Er bewegt sich seit einigen Jahren in Politik und Wirtschaft, die Kombination passt ihm. Die Wirtschaft, die eine wie die andere, hat er früh kennengelernt – im elterlichen Restaurant in Obersteinach. Götte ist Beizerssohn. In der «Krone» trifft sich das lokale Gewerbe, diskutiert seine Anliegen und Probleme, wettert über die Politik. Götte hört zu – das wirkt bis heute nach: Er gilt als gewerbe- und wirtschaftsfreundlich. Als Vorbilder nannte er schon vor Jahren die Unternehmer Peter Spuhler und Edgar Oehler. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Als Gemeindepräsident versteht sich Götte als Dienstleister. Er wolle zusammen mit der Verwaltung für alle Leute da – «und nicht einfach Chef von Tübach» sein. Vor kurzem hat er ein Master-Studium abgeschlossen – «das Diplom erhalte ich in einer Woche». Die Schulabschlüsse flögen ihm nicht zu – «ich muss hart dafür arbeiten».
Sich reinhängen, sich engagieren – das gilt für Götte auch, wenn es um die Politik geht. Aus katholischem Elternhaus stammend – die Eltern sind CVP-Mitglieder – gründete er mit 20 die SVP-Ortspartei Steinach, damals auf Anhieb die zweitgrösste im Kanton. Seit neun Jahren politisiert er im Kantonsparlament, seit drei Jahren steht er der Fraktion vor – «inzwischen bin ich der amtsälteste Fraktionschef», sagt er. Mit 26 wurde er zum Gemeindepräsidenten von Tübach gewählt, der zweite SVPler im Kanton. Sechs Jahre ist es her.
«Mehr Sachpolitik»
Götte politisiert klar bürgerlich und konsequent auf der SVP-Linie – meistens. Zur Personenfreizügigkeit lag er mit der Partei schon mal im Clinch. Ist er mehrheitsfähig? «Ich habe als Fraktionspräsident bewiesen, dass ich mit Links und Rechts Kompromisse suchen kann.» Allerdings: Er möge sich «nicht verbiegen oder contre cœur entscheiden».
Die Hardliner und Polterer in der Partei hätten anfangs Erfolg gebracht und Stimmung gemacht – doch nun, so Götte, sei «mehr Sachpolitik gefragt».
Nicht aufs Gegenüber spielen
Mit 115 gegen 94 Stimmen setzt sich Götte bei den Delegierten gegen Herbert Huser durch (Ausgabe vom 1. Dezember). Der Rheintaler Kantonsrat und Architekt – er war bei der letzten Regierungsersatzwahl SVP-Kandidat gewesen und gegen Beni Würth unterlegen – hatte sich als «kreativen Gestalter» präsentiert, der «nicht aus dem Dunstkreis der öffentlichen Verwaltung» komme. Der Seitenhieb gegen Gemeindepräsident Götte verfängt nicht – auch wenn sich im Saal zahlreiche Votanten für den Rheintaler stark machen.
Um jede Stimme kämpfen
Götte weiss: Der Wahlkampf wird kein Spaziergang. Der zweite Regierungssitz – die erneute Nomination von Bildungschef Stefan Kölliker war völlig unumstritten – fliegt der Partei nicht zu. Dafür muss hart gearbeitet werden. «Wir müssen zu den alten Tugenden zurückfinden und um jede Stimme kämpfen», fordert Parteipräsident Thomas Zünd die Delegierten auf.