Von aufgeräumt bis nachdenklich

Die Kreisparteien reflektierten die Wahlen an ihren Wahlapéros
Die Resultate waren noch nicht im Detail ausgezählt, da luden die Kreisparteien der SVP und SP bereits zu ihren Wahlapéros. In der «Krone» in Obersteinach verwandelte sich dieser schnell in eine eigentliche Wahlfeier. Der Zuwachs, den die SVP im Kanton geschafft hatte, wurde mit Genugtuung quittiert. Die SVP sei die einzig wählbare Partei, lautete der Tenor. Auf grosse Freude stiess vor allem auch das ausgezeichnete Abschneiden der SVP-Kandidaten im Wahlkreis Rorschach. «4000 Stimmen, Wahnsinn», gratulierte etwa Ratskollegin Yvonne Bienvenue-Mayer aus Tübach Michael Götte. Er hat das beste Ergebnis im Wahlkreis geschafft. «Das ist natürlich erfreulich», kommentierte er. In Tübach holte er gar mehr Stimmen als Wähler an die Urne gingen, das bedeutet, jeder setzte ihn zweimal auf die Liste.

Stadtratswahl im Visier
Ernüchternd war die Stimmung unter den SP-Mitgliedern im Restaurant Mariaberg in Rorschach. Das grosse Thema war hier das schlechte Abschneiden der Partei im Kanton. «In allen Wahlkreisen hat die SP Sitze verloren», meinte Wahlstabsleiterin Maria Huber. Anlass zur Diskussion gab auch der Erfolg der SVP. An sie ging die Forderung, endlich Verantwortung zu übernehmen und klar zu kommunizieren, was die Partei wolle und nicht nur, was sie nicht wolle. «Sie soll eine konstruktive Politik betreiben», forderte Maria Huber. Über ihre eigene Abwahl zeigte sie sich enttäuscht, zumal die SP damit auch ihren Frauensitz verloren hat. «Es war ein knappes Ergebnis. Doch Beat Bosshart hat in Thal ein sehr gutes Ergebnis erzielt, was natürlich auch der Partei nützt», analysierte sie. In Rorschach ist die SP die stärkste Partei, betonte Guido Etterlin, der mit seinem Ergebnis recht zufrieden ist. Die SP will deshalb nach vorne schauen – auf die Stadtratswahlen. «Mit der SP wird zu rechnen sein.»

Trendwende einläuten
Die aufgeräumte Stimmung der zahlreichen FDP-Mitglieder brachte den Saal im Restaurant Sulzberg in Rorschacherberg zum Pulsieren. Angeregt und zufrieden diskutierten sie den Ausgang der Wahlen. Erfreut zeigte sich Jürg Bereuter über seine Wiederwahl, zumal er nur wenig hinter Ratskollege Andreas Hartmann lag. Dessen Ergebnis in den Regierungsratswahlen nahmen die Anwesenden mit Stolz zur Kenntnis. Einer der Gratulanten sprach ihm denn auch bereits seine volle Unterstützung für den zweiten Wahlgang aus. «Die Plakate lasse ich gleich stehen. Kannst du mir noch mehr geben?» Hartmann selbst war zufrieden mit seinem Ergebnis. «Von den 30% Stimmen, die ich erhalten habe, sind 15% aus der FDP. Also wurde ich auch über die Partei hinaus gewählt.» Befriedigt zeigte er sich über das insgesamt gute Abschneiden seiner Partei, besonders nach jahrelanger Talfahrt. «Jetzt wollen wir eine Trendwende», proklamierte er. Etwas getrübt war die Freude bei Jan-Thilo Hippmann, der die Wahl nicht mehr geschafft hat. «Ich bedaure meine Abwahl natürlich.» Er setzt nun auf die Wahl von Andreas Hartmann, wodurch er in den Kantonsrat nachrücken würde. «Auf der Liste stehe ich zuoberst und das mit etwas Abstand.»

Die Chancen intakt für den zweiten Wahlgang sieht Josef Müller-Tschirky, Präsident der FDP Region Rorschach. «Jetzt sind wir doppelt motiviert. Dass Andreas Hartmann Regierungsrat wird, und dass Jan-Thilo Hippmann nachrücken kann.»

Status quo erhalten
Zufriedene Gesichter gab es unter den CVP-Mitgliedern im «Ochsentorkel» in Thal. Das Ziel sei erreicht: Halten des Stimmenanteils und der Sitze. Der abtretende Regierungsrat Peter Schönenberger bedauerte aber, dass die CVP erstmals nicht die stärkste Partei im Kanton ist. Er sprach auch das Resultat von Fraktionspräsident Armin Eugster an, das unter den Erwartungen geblieben ist. Deshalb forderte er die Anwesenden auf, sich für den zweiten Wahlgang noch einmal ins Zeug zu legen. Thomas Würth freute sich besonders darüber, dass er in Goldach viele Stimmen geholt hat. Die nicht mehr gewählte Felicitas Würth-Zoller bedankte sich für die Unterstützung, die sie in den vergangenen 12 Jahren erfahren durfte, was mit Applaus quittiert wurde. 14 Stimmen hätten ihr gefehlt, meint sie. «Wir wussten aber alle, jemand muss raus, und jetzt hat es mich getroffen.» Mit ihrer Wahl fast nicht gerechnet hat dafür Monika Lehmann-Wirth. «Umso grösser war meine Freue.»