Vom «Löwen» nach Down Under?

Der Mörschwiler Nachwuchskoch, der bei Meisterkoch Jacques Neher in der Wirtschaft zum Löwen in Tübach im dritten Jahr seiner Ausbildung steht, ist begeisterter Snöber. Und wenn er, so wie zuletzt, mit Freunden eine Ferienwohnung teilt und die Pisten runtersaust, dann wirbelt er abends in der Küche und verwöhnt seine Kumpels mit kulinarischen Köstlichkeiten. Davon könnte man zumindest ausgehen. Denkste – natürlich nicht, sagt Joël Fässler schmunzelnd, auch wenn er mit Leib und Seele Koch ist, in den Ferien hütet er sich davor, jeden Tag in der Küche zu stehen, was seine Mitbewohner natürlich mit leichter Enttäuschung zur Kenntnis nehmen mussten.

Gemüse und Früchte verkauft
Sein Interesse für die Vorgänge in der Küche machten sich schon in seiner frühen Kindheit bemerkbar, als er der Mutter wann immer möglich in die Kochtöpfe guckte. Es dauerte denn auch nicht lange, ehe er am Muttertag schon alleine in der Küche wirbelte, um seine Mutter zu verwöhnen. Als Schuljunge half der heute 19-Jährige oft am Früchte- und Gemüsestand auf dem St. Galler Wochenmarkt aus, was sich nun in seiner Liebe zu Naturprodukten bemerkbar macht.

In der Zwischenzeit steht er in seinem letzten Ausbildungsjahr und hat seine Berufswahl noch keine Minute bereut. Im Gegenteil, sagt er, «der Beruf als Koch bietet viel Abwechslung, wobei ich hier bei Jacques Neher auch davon profitiere, dass ich meine Ideen und Anregungen in die Speisekarte mit einbringen kann».

Der eidgenössisch diplomierte Küchenchef und kantonale Prüfungsexperte ist denn auch zu Recht stolz auf seinen Zögling, der sich nun für den Final des Schweizer Lehrlingskochwettbewerbes «gusto07» in Baden qualifiziert hat. «Natürlich ist es schön, dass Joël im Final steht», sagt Jacques Neher, «es zeigt den hohen Standard unserer Ausbildung, doch als besonders erfreulich zu bewerten ist auch der Umstand, dass von den neun Schweizer Finalisten drei aus der Ostschweiz kommen, was für die gute Qualität unserer Gastronomie spricht.» Neben Joël Fässler haben sich auch Daniela Manser vom Hotel Hof Weissbad, Appenzell, und Alen Garic, Kochlehrling in der Gastronomiefachschule St. Gallen, qualifiziert.

Eine besondere Herausforderung stellte laut Franz Jonke, Präsident der Wettbewerbskommission des Schweizer Kochverbandes, das anspruchsvolle Thema dar, galt es doch anstatt eines Tellergerichtes eine Schauplatte zu kreieren. «Die grosse Anzahl der eingereichten Arbeiten und die hohe Qualität stellen den jungen Kochkünstlern und ihren Ausbildern ein ausgezeichnetes Zeugnis aus», sagt er.

Internationale Konkurrenz
Joël Fässler hat sich mit «Fischkreationen auf Schiefer» für das Finale vom 30./31. März in Baden und Zürich qualifiziert, wobei er mit gesundem Ehrgeiz zugibt, dass er sich die Teilnahme an der Siegerehrung am Galaabend in Bern zum Ziel gesetzt habe. Dieses Jahr ist die Teilnahme an «gusto» besonders reizvoll, denn am gleichen Ort und zur selben Zeit findet auch der «European Cooking Cup» statt. Die beiden Erstplazierten der nationalen Lehrlingswettbewerbe aus Frankreich, Deutschland und Österreich werden dort dasselbe Menü kochen, das für «gusto07» ausgeschrieben ist, und mit den beiden Erstplazierten der Schweiz in eine internationale Wertung genommen.

Als Gewinn lockt Australien
Nicht nur der internationale Vergleich, sondern auch die Preise für die drei Erstplazierten des Schweizer Lehrlingskochwettbewerbes dürften auch für Joël Fässler Anreiz genug sein, um beim Finale sein Bestes zu geben. Der Sieger wird mit dem Schweizer Starkoch Walter Keller im Hotel The Westin Sydney in Australien am Herd stehen. Der Zweitplazierte geht zu Thomas Martin ins Hotel Louis C. Jacob nach Hamburg, und der Drittplazierte schaut Dario Ranza im Hotel Principe Leopoldo in Lugano über die Schultern. Joël Fässler gibt internationale Kocherfahrung und ein eigenes Restaurant als seine Ziele für die Zukunft an. Keine Frage, dass ihm da der «Unterricht» in Australien gerade recht käme.