Tübach wie zur Bronzezeit

Eigentlich wollte der Tübacher Hugo Hüttenmoser 1983 einen Leitungsgraben ausheben. Doch schon bald fiel ihm im Boden etwas Merkwürdiges auf: «In der Erde zeichnete sich ein schwarzer Kreis ab», erzählt er am Dienstag im Historischen und Völkerkundemuseum bei der Führung zur Neufund-Vitrine den Besuchern. Sofort habe er die Arbeiten gestoppt und laut dem Leiter der St. Galler Kantonsarchäologie, Martin Schindler, die richtigen Schritte eingeleitet. «Herr Hüttenmoser hat den Fund sofort bei uns gemeldet.» Daraufhin wurde das Gebiet in Tübach zur archäologischen Schutzzone erklärt. Denn was Hüttenmoser entdeckt hat, sind nicht irgendwelche Tonscherben. Es sind Reste eines spätbronzezeitlichen Grabes; ein gut 3000 Jahre alter Topf.
Fundstücke im Labor freigelegt
Die Archäologen seien auf solche Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, sagt Schindler zu den Museumsbesuchern. Bis in Tübach weitere Ausgrabungen starteten, verging eine lange Zeit. Erst 19 Jahre nach der Entdeckung von Hugo Hüttenmoser konnten die Archäologen bei Bauarbeiten auf diesem Gebiet weitere Grabbestandteile bergen. «Wir fanden Knochen und Keramikscherben», sagt Pirmin Koch, der für diese Ausgrabung verantwortliche Archäologe. Weil die Gefässe aber in einem sehr fragilen Zustand gewesen seien, habe man sich zu einer Blockbergung entschlossen. Das bedeutet, dass ein ganzes Stück Erdreich herausgehoben wurde, das die Wissenschafter im Labor Schicht für Schicht freilegten.
Gefässe nicht beschädigen
Insgesamt fanden die Archäologen so neun Gefässe. «Viele waren aber in sehr kleine Stücke zerbrochen», sagt Koch. Wahrscheinlich, weil der Boden über die Jahrtausende oft umgepflügt worden sei. Drei Stücke konnten fast vollständig geborgen werden. «Wir haben die Erde in den Gefässen gelassen. Es war zu heikel, sie zu entfernen. Wir wollten die Gefässe nicht beschädigen.»
Die Grabung in Tübach zeige, dass auch am südlichen Ufer des Bodensees ab der Mittelbronzezeit Menschen siedelten. «Und es waren in diesen Fällen wohl keine Pfahlbauer», ergänzt Koch. Dies beweisen neben den Beigabengefässen aus dem Grab auch Siedlungsfunde aus Goldach, Mühlegut.
Dort konnte 1999 insgesamt 350 Kilogramm prähistorische Keramik geborgen werden. Einige Stücke sind seit Dienstag ebenfalls in der Neufund-Vitrine zu bestaunen. Der Fundort der 32 000 Fragmente in Goldach liegt auf einer Geländeterrasse auf 440 Meter über Meer, rund einen Kilometer vom heutigen Seeufer und der Fundstelle in Tübach entfernt. «Diese Gefässe sind nicht so aufwendig gemacht wie jene in Tübach», sagt Koch. Ob die beiden Funde zusammengehören, kann er nicht sagen. «Dazu brauchen wir mehr Fundstücke.»