Trinken ist Männersache

TÜBACH. Ob beim Apéro im Betrieb, an Familienfeiern oder beim Feierabendbier mit Kollegen: Die Liste der Trinkmöglichkeiten ist lang. Betroffen sind vor allem Männer – nur ein Drittel aller Alkoholabhängigen in der Schweiz sind Frauen. Im Tübacher Zentrum für Suchttherapie und Rehabilitation Mühlhof sieht es nicht anders aus. Von den 25 Patienten sind nur fünf weiblich. Können Männer weniger Nein sagen? «Sie brauchen weniger Nein zu sagen», antwortet Mühlhof-Leiter Urs Thalmann. Frauen würden eher mal schräg angeschaut, wenn sie zu viel Alkohol konsumierten.Anforderungen sind gestiegen
Der Umgang mit Alkohol hat sich im Mühlhof in den vergangenen zehn Jahren verändert. So lassen sich heute nicht mehr nur Leute im mittleren Alter behandeln, sondern auch 25- und 65-Jährige. Den Grund dafür sieht Urs Thalmann vor allem in den gestiegenen gesellschaftlichen Anforderungen: «Heute sind junge Erwachsene viel früher auf sich alleine gestellt – beruflich und sozial. Damit sind einige von ihnen überfordert. » Bei der älteren Generation sei heute dafür das Bewusstsein eines zweiten Lebensabschnittes stärker vorhanden.

Alkoholabhängige, die sich heute in Tübach therapieren lassen, weisen häufig auch noch andere Suchtverhalten auf; sie rauchen oder nehmen Drogen. Das sei früher weniger der Fall gewesen, sagt Urs Thalmann. Damals sei es aber auch schwieriger gewesen, an Drogen zu kommen.

Der Mühlhof ist voll ausgelastet, die Warteliste lange. Die Patienten kommen zu 80 Prozent aus den umliegenden Gemeinden und bleiben in der Regel vier bis sechs Monate. In dieser Zeit pflegen sie den Garten, verrichten Hausarbeit oder helfen in der Küche mit. Ausgang gibt es in den ersten Wochen nur am Samstagnachmittag – feste Strukturen sind wichtig. Trotzdem sollen sich die Patienten nicht eingesperrt fühlen. «Die Regeln sind nur zum Schutz der Patienten da», sagt Urs Thalmann.

Die Folgen der Sucht sind bei den meisten, die sich im Mühlhof behandeln lassen, bereits sichtbar: Manche sind gesundheitlich angeschlagen, andere haben den Job verloren, wieder andere sind mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Etwa ein Drittel wird rückfällig
Die Therapie gibt keine Garantie auf Heilung. Die Rückfallquote liegt etwa bei einem Drittel, wobei es laut Thalmann stark davon abhängt, in welchem Umfeld sich die Personen bewegen: «Männer beispielsweise sind seltener rückfällig, wenn sie nach der Therapie eine Beziehung führen und einen Job haben.»

Nationaler Aktionstag Alkoholprobleme im Gewächshaus Mühlhof, Tübach: Vortrag ab 18.30 Uhr und Filmvorführung ab 19.45 Uhr.

Trinken ist Männersache

TÜBACH. Ob beim Apéro im Betrieb, an Familienfeiern oder beim Feierabendbier mit Kollegen: Die Liste der Trinkmöglichkeiten ist lang. Betroffen sind vor allem Männer – nur ein Drittel aller Alkoholabhängigen in der Schweiz sind Frauen. Im Tübacher Zentrum für Suchttherapie und Rehabilitation Mühlhof sieht es nicht anders aus. Von den 25 Patienten sind nur fünf weiblich. Können Männer weniger Nein sagen? «Sie brauchen weniger Nein zu sagen», antwortet Mühlhof-Leiter Urs Thalmann. Frauen würden eher mal schräg angeschaut, wenn sie zu viel Alkohol konsumierten.Anforderungen sind gestiegen
Der Umgang mit Alkohol hat sich im Mühlhof in den vergangenen zehn Jahren verändert. So lassen sich heute nicht mehr nur Leute im mittleren Alter behandeln, sondern auch 25- und 65-Jährige. Den Grund dafür sieht Urs Thalmann vor allem in den gestiegenen gesellschaftlichen Anforderungen: «Heute sind junge Erwachsene viel früher auf sich alleine gestellt – beruflich und sozial. Damit sind einige von ihnen überfordert. » Bei der älteren Generation sei heute dafür das Bewusstsein eines zweiten Lebensabschnittes stärker vorhanden.

Alkoholabhängige, die sich heute in Tübach therapieren lassen, weisen häufig auch noch andere Suchtverhalten auf; sie rauchen oder nehmen Drogen. Das sei früher weniger der Fall gewesen, sagt Urs Thalmann. Damals sei es aber auch schwieriger gewesen, an Drogen zu kommen.

Der Mühlhof ist voll ausgelastet, die Warteliste lange. Die Patienten kommen zu 80 Prozent aus den umliegenden Gemeinden und bleiben in der Regel vier bis sechs Monate. In dieser Zeit pflegen sie den Garten, verrichten Hausarbeit oder helfen in der Küche mit. Ausgang gibt es in den ersten Wochen nur am Samstagnachmittag – feste Strukturen sind wichtig. Trotzdem sollen sich die Patienten nicht eingesperrt fühlen. «Die Regeln sind nur zum Schutz der Patienten da», sagt Urs Thalmann.

Die Folgen der Sucht sind bei den meisten, die sich im Mühlhof behandeln lassen, bereits sichtbar: Manche sind gesundheitlich angeschlagen, andere haben den Job verloren, wieder andere sind mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Etwa ein Drittel wird rückfällig
Die Therapie gibt keine Garantie auf Heilung. Die Rückfallquote liegt etwa bei einem Drittel, wobei es laut Thalmann stark davon abhängt, in welchem Umfeld sich die Personen bewegen: «Männer beispielsweise sind seltener rückfällig, wenn sie nach der Therapie eine Beziehung führen und einen Job haben.»

Nationaler Aktionstag Alkoholprobleme im Gewächshaus Mühlhof, Tübach: Vortrag ab 18.30 Uhr und Filmvorführung ab 19.45 Uhr.