Taubstummenschule in Indien

Weil die Taubstummenschule in Mallepally (Indien) mangels Finanzen hätte schliessen müssen, übernahm SolidarAndhra 2009 die laufenden Kosten für den Lehrbetrieb. Inzwischen zeigte sich, dass sich die Räume in einem prekären Zustand befanden und ein Neubau unerlässlich wurde. Dafür ist eine Summe von 150 000 Franken nötig, die SolidarAndhra finanzieren will. «So geht für diese Kinder der Traum von zeitgemässen Schulzimmern und entsprechender Ausstattung in Erfüllung. Dann wird das dichtgedrängte Schlafen auf den harten Böden der tagsüber benützten Schulzimmer vorbei sein.» So schreibt Vereinsmitglied Doris Wäger, welche die alte Situation bei einem Besuch persönlich kennengelernt hatte.
Ritual mit Hindupriester
Der pensionierte SBB-Beamte Josef Aeberhard und seine Frau Hedi kennen sich aufgrund eigener Erfahrungen und Hilfeleistungen auf privater Basis im betreffenden Gebiet aus. Als Gründer und Präsident von SolidarAndhra pflegt Josef Aeberhard tägliche Internet-Kontakte mit den Verantwortlichen vor Ort. Bei der Grundsteinlegung der Taubstummenschule war er persönlich dabei. Er berichtet, dass die rituelle Zeremonie mit dem Hindupriester frühmorgens hatte stattfinden müssen. «Ein Aufschub hätte die Missgunst der Götter heraufbeschwören können, und das war zu riskant.» Danach folgte ein für Einheimische und Gäste überwältigender Empfang mit viel Musik, dem Durchschneiden eines grünen Bandes und dem Aufschlagen einer Kokosnuss.
Frauen tragen den Beton
Wie sehr ihn der rasante Baufortschritt beeindruckte, fasst Josef Aeberhard zusammen: «Als bereits vier Tage nach Baubeginn über zwanzig Gruben mit einer Fläche von 1,5 auf 1,5 Metern und einer Tiefe von 2 Metern ausgehoben waren, beeindruckte mich das sehr. Schon wurde auch die erste Lage Beton eingeführt. Auf diesen Sockeln werden Eisengitter als tragende Elemente verankert und eingegossen. Es herrscht ein emsiges Treiben, das für den Laien chaotisch aussehen mag. Doch alles ist gut durchorganisiert.»
Josef Aeberhard erzählt weiter, dass Männer den Baubetrieb dirigieren und kleine Mischmaschinen bedienen. Vorwiegend Frauen aber tragen den Beton auf ihren Häuptern heran und führen ähnlich schwere Arbeiten aus. Jeden Morgen verpflichten die Bauverantwortlichen etwa zwanzig Frauen dafür. Manche von ihnen melden sich schon am Abend wieder für den künftigen Tag an. Sie, die sonst nur während der Ernte als Baumwollpflückerinnen ein bescheidenes Einkommen finden, sind dankbar für einen kleinen Zusatzverdienst.
Nicht nur eine Bürde
Was es für Kinder und Jugendliche bedeutet, aus der Schweiz Hilfe zu bekommen, schreibt Doris Wäger in einem Rundbrief: «Diese Kinder sind stolz, dank SolidarAndhra eine Schule besuchen zu dürfen. Sie erhalten so die Gewissheit, für ihre Angehörigen – alleinstehende Mütter, Grosseltern, Tanten und Onkel – nicht nur eine Bürde zu bedeuten.»