Strompreis: Wo sind die Schuldigen?

In meiner Beratungstätigkeit für diverse kleinere und mittlere Elektrizitätswerke in der Ostschweiz war ich in den letzten Monaten intensiv mit der Kalkulation der Netznutzungs- sowie der Energiepreise beschäftigt. Die Informationen in den Medien der letzten Zeit veranlassen mich zu folgenden Feststellungen:

Die neuen Kalkulationen der Kosten für die Netznutzung basieren einerseits auf den Kapitalkosten (Zins und Amortisationskosten pro Jahr) und den Betriebskosten (Geschäftsführung, Unterhalt, Verrechnung etc.). Da sich die betreuten Werke schon immer zum Ziel gesetzt haben, ihren Kunden möglichst tiefe Energiepreise zu bieten, wurde sofort klar, dass die Kalkulation der Netznutzungspreise sich vor allem an der Bruttomarge der Vorjahre orientieren muss, um massive Preiserhöhungen zu vermeiden. Nur so war es möglich, die Preise (Netznutzung und Energie) mit nur sehr geringen Anpassungen auf dem Niveau der vergangenen Jahre zu halten.

Die zusätzlichen Abgaben für Systemdienstleistungen an die Swissgrid AG sowie die Abgaben für die kostendeckende Einspeisevergütung für erneuerbare Energie von total 1.35 Rp./kWh auf den neu kalkulierten, tiefen Preisen bewirken jedoch eine Erhöhung der gesamten Stromkosten (Netznutzung und Energie) je nach Anteil von Normal- und Schwachlast, bei einzelnen Kunden um bis zu 20 %. Es ist sehr bedauerlich, dass durch die Strommarktliberalisierung ein derart massiver Anstieg der Preise erfolgt, die derzeit günstigen und sehr wirtschaftlichen Kostenstrukturen in der Schweiz mittelfristig zerstört werden und die bis heute im Vergleich zum Ausland günstigen Strompreise der Vergangenheit angehören werden.