Strom für 30 Haushalte

Die Türe hat weder Schloss noch Klinke. Um sie zu öffnen, greift Ernst Locher, Leiter der Technischen Betriebe Tübach, zum Akkuschrauber. Nachdem er zwei Schrauben gelöst hat, ist der Weg zum Wasserrad der Aachmühle frei. Feuchtigkeit liegt in der Luft. Das grosse, sieben Tonnen schwere Rad, das schon vor dem Brand der Mühle im Jahr 1876 eingebaut gewesen sein muss, füllt den Raum, über den sich eine Gewölbedecke spannt. Unter den Kalkablagerungen auf dem Rad kommen rostige Stellen zum Vorschein. «Es wurde in Einzelteilen hierhergebracht und vor Ort aufgebaut», sagt Locher. Ein Wasserrad von solcher Grösse sei einzigartig in der Schweiz. Bis in die Siebzigerjahre erzeugte es Energie aus Wasserkraft.

15 000 kWh jährlich zu erwarten
Ernst Locher klettert mit dem Besucher vom Tagblatt das Wasserrad hinauf, das sich unter dem Gewicht leicht nach unten bewegt. Oben ist der Blick frei auf zwei Notklappen, über die das Wasser rasch abgeleitet werden kann, sollte zu viel über das Rad strömen. «400 Liter Wasser pro Minuten reichen, um Strom zu erzeugen», erklärt Locher – 15 000 Kilowattstunden pro Jahr sollen es werden. Das reicht für den Eigenbedarf der Mühle und knapp 30 weitere Haushalte. Der Strom soll in das Netz der Elektra eingespeist werden. «Früher hat das Wasserrad die Mühle mit Licht versorgt, die Mühlsteine bewegt und einen Lift betrieben», erklärt Christoph Lehner, Besitzer der Aachmühle. Da er im Besitz der «ehehaften Wassernutzungskonzession» ist, stehen einer Wiederinbetriebnahme des Rades keine rechtlichen Hürden im Weg. Sein Ziel ist es, ein Stück technisches Kulturgut wiederzubeleben. Auf offene Ohren stösst Lehner damit auch beim Gemeinderat, zumal die Kosten für die Inbetriebnahme beim Besitzer liegen. «Hierbei steht nicht finanzieller Gewinn im Vordergrund, doch die anfallenden Kosten sollen durch die Energieproduktion gedeckt werden», hebt Locher hervor.

Von der Goldach in die Goldach
Das Wasser, das das Mühlrad antreibt, kommt aus der Goldach. Es wird von der Entlastungsstelle bei der Sportanlage Kellen durch einen Kanal zur Aachmühle geleitet, strömt über das Wasserrad, fliesst durch ein Gewölbe unter der Mühle hindurch, kommt oberhalb der Aachbrücke wieder zum Vorschein und mündet 400 Meter unterhalb des Weilers wieder in die Goldach.

Christoph Lehner und Ernst Locher stehen am Wehr oberhalb der Aachmühle und leiten das Wasser vom Kanal über das Mühlrad, das zunehmend schneller wird. «Das läuft jetzt zu schnell», bemerkt Lehner. Während Wasser an die Wände klatscht, dreht Locher die Zufuhr ab. Es wird wieder still unter dem Gewölbe. Im vergangenen Jahr wurden die Originallager des Wasserrades restauriert. Auf der Abdeckung steht ein Töpfchen mit Fett. «Es wird noch wie früher von Hand geschmiert», sagt Lehner nicht ohne einen Anflug von Stolz.